Franz Rieger engagiert sich für Bildungsprogramm in Indien

Der Göppinger Unternehmer Franz Rieger setzt sich für Bildung von Frauen in Indien ein: Ein Programm vermittelt Grundkenntnisse im Lesen, Rechnen und Schreiben - aber auch handwerkliches Geschick.

|
Dank der Nähmaschinen von Franz Rieger können die indischen Frauen sich etwas hinzuverdienen.  Foto: 

Seit dem Jahr 2011 werden rund 500 Schülerinnen und Schüler von acht Lehrern in der Möbel-Rieger-Schule in der indischen Stadt Mirzapur unterrichtet. Dazu hatte sich der geschäftsführende Gesellschafter Franz Rieger entschlossen, weil das gleichnamige Möbelhaus seit über 20 Jahren Teppiche aus Indien importiert. Seit dieser Zeit engagiert er sich gegen illegale Kinderarbeit und unterstützt den Verband "Care und Fair" finanziell für soziale Projekte.

Von der Schule in Mirzapur hat er sich vor Ort einen persönlichen Eindruck verschafft: Mit über 1200 Schülern ist die Singh Public School eine der größten Schulen in dieser Region. Laut Rieger dient sie als Bildungseinrichtung für ein Einzugsgebiet von 20 Dörfern mit etwa 40.000 Einwohnern. "Doch in Indien mangelt es an guten und kostenlosen Bildungseinrichtungen, weswegen wir uns auf diesem Gebiet engagieren", berichtet Rieger.

Entschlossen finanzierte er Schulgeld, Lehrer, Schulkleidung und Lernmittel für noch weitere 500 Kinder, die seither in der Möbel-Rieger-Schule an einem Bildungsprogramm teilnehmen. "Hier werden Pünktlichkeit und Anwesenheit kontrolliert und das mit entsprechender Disziplin", berichtet Rieger, der damit konsequent gegen Kinderarbeit in Teppichknüpfereien steuert.

Die Bereitschaft der Eltern, ihren Kindern eine Schulausbildung zu ermöglichen, sei stark gewachsen, doch es reiche nicht aus, den Kindern das Arbeiten zu verbieten. "Die Alternative ist und bleibt eine schulische Ausbildung. Nur so können sie später einer qualifizierten und adäquat bezahlten Tätigkeit nachgehen."

Jetzt entschied sich Rieger, auch Frauen zu unterstützen. Die Idee basiert auf folgender Beobachtung: "Indische Frauen bringen ihre Kinder, besonders die Mädchen, zu uns in die Schule und warten dann draußen in der Hitze, bis der Unterricht beendet ist. Der Weg ist oft zu weit, um ihn zwei Mal zu gehen." Das habe ihn auf die Idee gebracht, den Müttern einen großen freien Raum in der Schule zur Verfügung zu stellen und die Wartezeit zu nutzen: "Auch ihnen kann noch eine Menge beigebracht werden", sagt er. "Viele von ihnen können nicht lesen, nicht rechnen oder schreiben." Außerdem sei die gesellschaftliche Stellung der indischen Frau besonders in dieser Region äußerst schlecht.

"Wir haben zehn Nähmaschinen spendiert, an denen sie zusätzlich zum Unterricht auch das Nähen lernen. Ebenso wie das Sticken." Nach einer gewissen Zeit und auch Prüfung werde ihnen sogar ein Unterrichtsnachweis ausgehändigt. Die Besonderheit: "Wenn die Frau das möchte, kann sie die Nähmaschine für einen Euro monatlich leasen und von zu Hause aus arbeiten." Somit könne sie einen finanziellen Beitrag zur Familienkasse leisten und sei zudem unabhängiger von ihrem Ehemann. "Die Männer haben zuerst Probleme gemacht und von den Frauen gefordert, sie sollten lieber nach den Kühen und dem Haushalt schauen", berichtet Rieger. "Sogar den Kurs haben sie ihnen verboten. Die Stellung der indischen Frau ist für uns alle unvorstellbar."

Mittlerweile habe sich die Stimmung etwas verbessert: "Die Frauen haben zum Beispiel die Schuluniformen genäht und auch für die Nachbarn Arbeiten an der Nähmaschine verrichtet. Mittlerweile tragen sie erheblich zum Haushaltseinkommen bei, womit die Männer nicht gerechnet haben." Das "Women Empowerment Programm" hat laut Rieger die Stellung der Frau in den jeweiligen Dorfgemeinschaften aufgewertet - ein wichtiger weiterer Baustein der persönlichen Entwicklungshilfe.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Krauter-Pläne vor dem Aus

Für das Vorhaben, die alte Klinik nach Fertigstellung des Neubaus weiterzunutzen, gibt es keine Mehrheit im Gemeinderat. weiter lesen