Flottes „Ha komm“ und pfiffige Liedtexte

Liedermacher Ernst Mantel und das Collegium Cantabile des Liederkranzes Süßen standen gemeinsam auf der Bühne.

|
Ernst Mantel zeigte sich als ein Meister des knitzen schwäbischen Wortes und der überraschenden Wendung.  Foto: 

Die Veranstalter haben mit dem gemeinsamen Auftritt des Liedermachers und komödiantischen Schwaben Ernst Mantel und dem Chor des Liederkranzes Süßen „Collegium Cantabile“ ein glückliches Händchen gehabt. Die beiden Programme standen nicht nebeneinander, sie ergänzten sich hervorragend, weil sie mit ihren pfiffigen Texten den Lachnerv der Zuhörer trafen und trotzdem Raum fürs Nachdenken ließen.

Ernst Mantel bestritt mit eigenen Liedern, selbst auf der Gitarre genial begleitet, und mit gespielten Szenen einen Teil des Programms „Ha komm“, den anderen Teil der Chor Collegium Cantabile unter seinem Dirigenten Günther Lehmann. Er sang schlagfertige  Texte in verschiedenen Stilrichtungen, gefällig, auswendig und präsent – man verstand jedes Wort. Anlass für den Abend  war das 175-Jahr-Jubiläum des Vereins, das außerdem noch mit einem Festkonzert am 28. Oktober in Süßen gefeiert werden soll. Da in Süßen eine geeignete Halle erst in Kürze zur Verfügung stehe, habe man mit diesem Abend auf die Donzdorfer Stadthalle ausweichen müssen, so Vorstand Georg Gänzle.

Mantel zeigte sich als ein Meister des knitzen schwäbischen Wortes, der nur scheinbar einfache Alltagsszenen und Erfahrungen, in denen sich die Zuhörer wiederfinden, zum Anlass nimmt, um sie umzudrehen, zuzuspitzen und in ihrer überraschenden Wendung zu einer philosophischen Quintessenz zu führen. Dass ihm das gelungen ist, zeigte der reichliche Szenenbeifall des Publikums und die vielen Lacher. Ob er beispielsweise über den Anfang des Endes und umgekehrt räsoniert, ob er eine Schwäbin bei unsachgemäßen Reparaturarbeiten ihres Gatten anstatt eines italienischen Kusses „Des duats scho“ sagen lässt, ob er das Publikum mit eigenen Erfahrungen über alte Bekannte innerlich ebenso lästern lässt, ob er einen alten Mann spielt, der in seiner Vergesslichkeit urkomische Zusammenhänge erstellt, ob er in der Rolle eines Opas im Gespräch mit seinem Enkel Anthony im Sprechzimmer alle Beteiligten entlarvt oder ob er einen Kranz Schwarzwurst lyrisch anbetet  – Ernst Mantel ist in seinem leicht melancholischen Biss einfach genial.

Das Collegium Cantabile nahm mit höherem Blödsinn und mit gesungenen Texten von Herbert Grönemeyer, Heinz Erhardt und anderen ebenfalls alles und jedes aufs Korn. War es im Rendezvous, beim Parkplatzregen oder bei Tieren, die starben wie die Made oder das Suppenhuhn – auch hier schimmerte eine nachdenkliche Melancholie durch, die in die  Leichtigkeit eines amüsanten Abends verpackt war.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Räuber schießt auf Verkäuferin in Geislingen

Ein Mann hat am Freitag einen Lebens­mit­telladen in Geislingen überfallen und die Besitz­erin mit Schüssen verletzt. weiter lesen