Filmemacher aus Leidenschaft

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Seit mehr als 40 Jahren filmt Josef Pettinger für sein Leben gerne. Ob Urlaubsfilm, Erotikfilm oder Dokumentarfilm: Der Manzener traut sich an jedes Projekt heran. Derzeit filmt er Naturdenkmäler und -schutzgebiete für eine Dokumentation.

Von Sabrina Ortwein

Seit nunmehr als 40 Jahren steht Josef Pettinger aus Manzen hinter der Kamera. Mit den Jahren hat er sich an fast jedes Genre herangewagt. Ob Reise- oder Dokumentarfilm, der mittlerweile 65-Jährige hat keine Scheu vor neuen Herausforderungen.

Mit 25 Jahren hat Pettinger einen Spielfilm gemacht, der relativ erfolgreich war. Im Laufe der Zeit hat er jedoch festgestellt, dass Spielfilme bei der Jury streng gewertet werden. "Wir im Schwabenland haben ein Problem mit der Aussprache und das wird bei Spielfilmen deutlich", meint der ambitionierte Filmemacher. Daher ist er schnell auf Dokumentarfilme umgestiegen. "Ich bin jedoch sehr vielseitig. Wenn mich etwas interessiert, dann mache ich über alles mögliche einen Film", betont Pettinger. Er findet es wichtig, Themen zu finden, die auch andere interessieren und Filme zu drehen, die nicht nur für den Privatgebrauch da sind. Denn einige seien zufrieden, wenn sie den 90. Geburtstag der Oma filmen. "Die meisten filmen ihre Urlaubsorte, Reisen und Familienfeiern. Einem Filmclub treten viele bei, um ihre Reisefilme vor Publikum zu zeigen. Dort lernen sie, dass man Reisen so aufzeichnen kann, dass sie auch für andere interessant sind", sagt Pettinger. Er war Mitglied im Göppinger Filmclub, bis sich dieser aufgelöst hat. Heute ist der Manzener Mitglied im Filmclub Teck.

Seit Dezember 2011 dreht Pettinger einen Film über Naturschutzgebiete. Er habe sich schon lange gefragt, was hinter den Tafeln stecke und dachte sich: Warum nicht einen Film darüber drehen? Durch mehr als 50 Ansprechpartner und viele Gespräche mit Experten habe er besonders prägnante Naturdenkmäler und -schutzgebiete gefunden. Er hat sich dabei jedoch auf den Landkreis Göppingen spezialisiert. "Das Eybachtal, den Wasser- und Haarberg, das Filstal und das Rohrachtal kommen bei mir in Frage", sagt Pettinger. Genehmigungen von der Göppinger Naturschutzbehörde und vom Stuttgarter Regierungspräsidium habe er schon im März beantragt, um die Naturschutzgebiete und -denkmäler überhaupt betreten zu dürfen. Da es so viele Objekte gebe, die er filmen werde, hat sich Pettinger einen Drehkalender angelegt. In diesen trägt er akribisch genau ein, wann er zum Beispiel eine bestimmte Orchidee filmen kann, wo er die schönsten Plätze findet und wer ihm diesen Geheimtipp gegeben hat. "Daraus haben sich auch eine Handvoll Zweigfilme ergeben. Zum Beispiel der Film ,Hilfe für Steinkäuze. Der Naturschutzfilm wird wohl als letzter fertig", macht Pettinger deutlich. Bis heute haben sich an die 300 Gigabyte Filmmaterial angesammelt, aus dem ein 20-minütiger Film entstehen soll. Länger dürfen Wettbewerbsfilme nämlich nicht sein. Es soll jedoch einen Zielgruppenfilm geben, der in High Definition deutlich länger die interessanten Aspekte aufzeigt. "Natürlich auch nur so lange, wie das Thema etwas hergibt. Der rote Faden muss beibehalten bleiben", betont der Rentner, der gemeinsam mit seiner Frau Marta in Manzen wohnt.

Doch wie läuft eigentlich so ein Drehtag ab? Ist immer alles geplant? "Ich gehe nicht einfach drauflos. Zuerst schaue ich mir den Wetterbericht an. Anhand der Prognose kann ich abschätzen, was für eine Kleidung ich brauche", stellt Josef Pettinger klar. Mit unterschiedlichen Gerätschaften ausgerüstet, macht er sich auf den Weg. Mehrere Stative und unterschiedliche Kameras gehören dabei zum Standard. "Falls einmal etwas ausfällt, habe ich einen Ersatz dabei. Da ich eine Genehmigung habe, die Forst- und Waldwege zu befahren, habe ich immer mein großes Stativ im Auto. Das muss ich dann nicht immer mittragen", gibt der 65-Jährige zu bedenken. Es kann immer sein, dass er einen steilen Berghang erklimmen muss, um an die schönsten Bilder zu kommen - dafür hat er jedoch Knieschützer. "Es kann passieren, dass man mal nasse Füße hat. Aber dafür habe ich mir einen Fischeranzug gekauft, der mich vor Nässe schützt. Falls das Wasser tief genug zum Tauchen ist, habe ich auch einen Taucheranzug", scherzt der Filmemacher. Wie sagt man so schön: Es gibt kein falsches Wetter - es gibt nur falsche Kleidung. So ist es auch bei den Kameras: "Ich habe eine Kamera, die resistent gegen Staub und Wasser ist. Wenn ich in Grotten hinabsteige ist das besonders wichtig." Wenn er sich mal wieder im Wald mit einem Förster trifft, um ein Experten-Interview zu führen, dann nimmt er einen zweiten Koffer mit Funkmikrofonen mit. Ein "Wägele" und einen Klappstuhl habe er auch im Repertoire: "Für den Fall, dass ich Tiere über einen längeren Zeitraum filme." Zwei Stunden ist er mit seinen Kameras immer unterwegs, aber nur wenn er gezielt etwas aufnehmen möchte. Sonst kann es auch einen halben Tag dauern. "Ich sitze da und schaue, was ich bekomme. Wenn ich später schönere Orchideen finde, dann mache ich die selben Aufnahmen auch noch einmal. Mittlerweile kenne ich aber die guten Plätze", sagt der gelernte Elektriker. Er betont, dass er die Leute mit seinen Filmen nicht zu den schönsten Orchideen hinführen will. Er schneide am Ende alles so zusammen, dass der Zuschauer nicht wisse, wo er die Orchidee finden kann.

Sofern das Wetter schön ist, kann das Filmen auch den ganzen Tag dauern. In solchen Fällen nehme er dann auch sein Handy mit. Zuhause angekommen werden die Aufnahmen direkt auf den Computer überspielt und er fängt - je nach Lust und Laune - oft auch sofort mit dem Rohschnitt an. Denn der ehrgeizige Filmemacher macht lieber zu viele Aufnahmen als zu wenige: "Was ich hab, das hab ich." Alle Aufnahmen werden gut strukturiert in Ordner hineingefüllt, die präzise benannt sind. "Die Aufnahmen bearbeite ich in der Regel gleich, weil ich sehen will, ob sie etwas geworden sind", betont er. Um die Aufnahmen für verschiedene Filmelemente verwenden zu können, mache er diese in verschiedenen Blickwinkeln und mit unterschiedlichen Kameraführungen oder Bewegungen. Bei Detailaufnahmen dauern die Kameraeinstellungen besonders lange. "Bei Makroaufnahmen muss man viel einstellen und man kriecht wie ein Hund auf dem Boden herum", lacht der Rentner. Aber diese Aufnahmen sind besonders eindrucksvoll. Es wirkt, als hätte man eine geschützte Orchideenart direkt vor der Nase.

Mit einem teuren, amerikanischen Programm werden die einzelnen, brauchbaren Aufnahmen aneinander gereiht. "Oft stoße ich mit diesem Programm an meine Grenzen. Aber dieses Programm haben viele und so kann mir immer jemand etwas erklären. Ich schaffe mich aber immer mehr ein", bekennt Pettinger.

Für eine fertigproduzierte Filmminute - inklusive Schnitt und Ton - brauche er zwischen fünf und zehn Stunden. Je hektischer der Film sei, desto länger brauche er. So können es für eine fertige Minute in einem Videoclip schon auch einmal 15 Stunden sein.

Zu sehen gibt es seine Filme dann bei Vorführugen oder bei seinem berühmten Sommerkino. Dieses findet in seinem Garten traditionell am letzten Wochenende im Juli statt. Zum zehnten Mal jährt sich diese Veranstaltung im Sommer. "Es wird dieses Jahr das letzte Mal sein", betont Pettinger. Danach wird es im kleineren Kreis stattfinden. Vorführungen in Bad Boll oder in Gemeindehäusern werde es aber weiterhin gehen. Seine Filme verkauft der ambitionierte Filmemacher auch, jedoch nur für den Eigengebrauch.

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