Feuer und Flamme für Museum

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Umfassend die Geschichte der Göppinger Feuerwehr und ihre Entwicklung unter einem Dach darstellen - das will die Oldtimer-Gruppe der Feuerwehr Göppingen. Die Sammlung im Stauferpark wird ständig erweitert und ausgebaut.

Von Margit Haas

Sie eint die Liebe zur Feuerwehr und zu alter Fahrzeugtechnik, die Aktiven der Göppinger Floriansjünger, die vor ein paar Jahren die Oldtimer-Gruppe der Feuerwehr Göppingen gegründet haben. Seit Jahrzehnten bereits sammeln sie die alten und aus dem Dienst genommenen Fahrzeuge, lagerten Fahrzeuge und Feuerwehrzubehör lange Jahre "im ganzen Stadtgebiet verteilt in Schuppen, Kellern und Dachböden", erinnert sich Ralf Bidlingmaier. 1996 war es dann endlich so weit. In einem ausgedienten Flugzeughangar der Amerikaner im Göppinger Stauferpark, der im Besitz der Stadt Göppingen ist, konnte alles zusammen getragen und das Göppinger Feuerwehrmuseum eröffnet werden.

Seither treffen sich "wir zehn Männer und eine Frau" immer mittwochs und samstags". Und dann wird gehämmert, geschraubt, gebohrt, gehobelt, geschliffen und geschweißt. Die komplett eingerichtete Werkstatt ist mit teilweise historischen Maschinen ausgestattet. Eine alte Ständerbohrmaschine etwa war bei der Firma Allgaier ausgebaut worden. Mit der Drehmaschine "bauen wir Teile selbst nach". Manches lassen die Schrauber aber auch von Spezialisten eigens anfertigen oder kaufen sie auf Oldtimermärkten.

Zurzeit steht ein leichtes Löschgruppenfahrzeug von Mercedes Benz, Baujahr 1942, in der Werkstatthalle. "Es war bis 1943 bei der Württembergischen Feuerwehrschule in Boll im Einsatz und kam dann nach Göppingen", weiß Ralf Bidlingmaier, der die Geschichte der Göppinger Floriansjünger aufarbeitet. Das Fahrzeug war in einem denkbar schlechten Zustand gewesen und "war bis auf die letzte Schraube zerlegt worden". Sein Holzrahmen musste teilweise ersetzt werden. "Wir versuchen aber, so weit als möglich, die historische Substanz zu erhalten und nur dort auszutauschen, wo es nicht anders geht", bekräftigen Ralf Bidlingmaier und Lothar Csiky. Zwischenzeitlich sind Motor und Getriebe des historischen Fahrzeugs komplett überholt. "Über Kontakte in der Oldtimerszene fanden wir einen älteren Neapolitaner, der uns neue Ventile anfertigen konnte." Demnächst soll das Fahrzeug lackiert werden - polizeigrün. "Denn die Feuerwehr war als Feuerschutzpolizei von 1933 bis 1945 der Polizei unterstellt." Lackiert wird mit dem Originallack, den die Technikfans aus München beziehen. Wie dieses Fahrzeug, dessen aufwendige Restaurierung sich über vier Jahre hinzog und das demnächst sicher alle Blicke auf sich ziehen wird, sind alle Fahrzeuge, die die Oldtimerfreunde restaurieren, in Göppingen im Einsatz gewesen. "Wir sehen unsere Hauptaufgabe darin, sie zu restaurieren und zu erhalten und so die Geschichte der Göppinger Feuerwehr umfassend und unter einem Dach darzustellen." Lothar Csiky schweißt derweil an der Beifahrertüre Löcher zu, die an dieser Stelle nichts zu suchen haben. Der Kfz-Meister geht mit besonderer Vorsicht an die Arbeit. Denn unter dem Blech kommt Holz. Er hatte bereits vor 35 Jahren begonnen, die historischen Feuerwehrfahrzeuge zu sammeln und "ist begeistert von der alten Technik".

Den größten Teil der rund 400 Quadratmeter großen Halle nimmt der Ausstellungsbereich ein. Er war im vergangenen Jahr komplett renoviert worden. Gleichzeitig war auch eine barrierefreie Toilette eingebaut worden. An den Wänden hat Ralf Bidlingmaier zahlreiche Fotografien von früheren Einsätzen aufgehängt - und liebevoll die alten Feuerwehrmagazine am heutigen Foggia-Platz großformatig auf die Wände gemalt. Das offene Gebälk zieren Signalhörner, Petroleumlampen oder eine alte Schaumkanone aus den sechziger Jahren. Sieben Fahrzeuge finden hier gerade so Platz. "Vier sind fahrbereit und voll einsatzfähig." Zwei seien bereits komplett restauriert, "vier warten noch darauf".

In den Jahren zwischen 1938 und 1964 waren die Feuerwehrfahrzeuge im ganzen Stadtgebiet zu Einsätzen gefahren. "Die große Drehleiter von 1938 war bis 1964 im Dienst." Dann kam sie zur Firma Schuler und wurde Ende der achtziger Jahre wieder zurück gekauft. "Bis 1992 haben wir sie aufwändig restauriert." Auch ein Tanklöschfahrzeug, das 1952 die Firma Magirus gebaut hatte, ist komplett restauriert, zeigt keinen Kratzer im Lack. Toni Brandt dagegen arbeitet an einer Drehleiter, Baujahr 1960, mit der die Göppinger Wehr bis 1996 zu Einsätzen gefahren war. Eine alte Feuerspritze zieht die Blicke auf sich. 1865 war sie von der Firma Schuler gebaut und der Stadt Göppingen übergeben worden. "Damit hat das Unternehmen Steuerschulen beglichen", hat der Hobbyhistoriker recherchiert. Der Druckkessel sei aus England importiert worden. "Diese Technik gab es damals in Deutschland noch nicht." Auch eine Uhr hängt im Feuerwehrmuseum. Und die hat natürlich auch eine Geschichte. "Sie stammt aus dem Stuttgarter Hauptbahnhof", wurde aber extra feuerwehrrot lackiert. In Faurndau war eine pferdegezogene Feuerspritze von 1883 im Einsatz. Sie war vor Jahrzehnten bereits restauriert worden, ist dann aber immer wieder ausgeliehen worden für Veranstaltungen und Festumzüge. "Sie ist wieder sehr verschlissen und sieht ziemlich mitgenommen aus." Die Vereinsmitglieder werden sie deshalb wohl eher nicht mehr verleihen. Gleich daneben zeigt sich augenscheinlich, wie sehr sich Feuerwehrtechnik verändert hat. An einer ebenfalls von Pferden gezogenen Spritze hängt am Ansaugrohr ein ganz einfacher alter Weidenkorb, mit dem das Wasser gefiltert worden war.

Auf den ersten Blick ins Feuerwehrmuseum wird klar: Es ist zu klein. Und deshalb soll es bald erweitert werden - um zusätzlich rund 160 Quadratmeter. Dabei geht es nicht darum, noch mehr Fahrzeuge unterzustellen, sondern "wir wollen großzügiger ausstellen", bekräftigt Ralf Bidlingmaier. Denn "alles muss gepflegt und erhalten werden". In der erweiterten Ausstellung werden dann auch Uniformen und Helme gezeigt werden können. Bidlingmaier will auch besondere Ereignisse in der Feuerwehrgeschichte aufarbeiten - wie etwa den Bombenangriff auf Göppingen am 1. März 1945. Den will der Berufsfeuerwehrmann szenisch darstellen und hat deshalb im Magazin des Feuerwehrmuseums bereits entsprechende Ausstattungsstücke zusammen getragen. Dort steht auch ein Wehrmachts-Lkw. Und der ist das "einzige Fahrzeug, das wir uns gekauft haben. Das ist ein Bombenfahrzeug", begeistert sich Bidlingmaier. Bis der Laster präsentiert werden kann, werden die Oldtimer-Freude, die alle Mitglieder der Göppinger Feuerwehr sind, noch viel Zeit, Schweiß und Arbeit investieren müssen. Und noch manches Schrottfahrzeug, das sich nicht mehr lohnt zu restaurieren, zum Ausschlachten benötigen.

Im umgestalteten Göppinger Feuerwehrmuseum wird auch eine weitere Rarität ausgestellt werden: Die Feuerspritze, die im August 1782 den großen und fast alles zerstörenden Stadtbrand nicht hatte verhindern können und die bislang im städtischen Museum im "Storchen" gezeigt worden war, wird zum besonderen Schatz der Sammlung werden. Die gehört übrigens komplett der Stadt Göppingen.

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