Ferienspaß im Waldheim

Zwei Wochen lang Spiel, Spaß, Bewegung, Abenteuer und viel Natur - alljährlich genießen im Waldheim am Oberholz in Göppingen über 400 Kinder in zwei Halbzeiten einen Teil ihrer Sommerferien.

|
"Braktische Frisur, a Mords gude Laune, schtabile Schuh, an Bärahunger und an Hut" - so sehen Waldheim-Menschen aus. Zum Beispiel die beiden Freunde Marcel und Luca, die gerade einen Bollerwagen für sich entdeckt haben. "Ich bin schon das dritte Mal hier und finde es wieder supergeil", strahlt Luca. "Bei mir ist es mein erstes Mal", erzählt Marcel und fügt im Brustton der Überzeugung hinzu: "Nächstes Jahr komm ich wieder." Die beiden Buben kommen wie die meisten anderen der insgesamt 220 Kinder jeden Morgen mit dem Bus ins Waldheim am Oberholz, um dort "Urlaub" zu machen.

Im Moment genießen gerade alle die "Freispielzeit" zwischen Mittagessen und Kaffeezeit. Einige haben sich an dem heißen Nachmittag ins Gebäude zurückgezogen, um zu basteln, ein Gesellschaftsspiel zu spielen oder einer Geschichte zu lauschen. Manche haben den schattigen Sandkasten für sich entdeckt und buddeln hingebungsvoll tiefe Löcher und lange Tunnel. Auf einer Decke im Schatten sitzen und Bastarmbänder knüpfen, sich in Tonnen verstecken oder mit Wasser planschen, jeder kann machen, was er will - und alle scheinen sich wohl zu fühlen. Wie 220 Kinder? Das kann doch gar nicht sein! Wo sollen die sein? Kein Geschrei ist zu hören, nirgends ist Streit im Gange. Alles wirkt idyllisch und fast zu schön, um wahr zu sein.

Essen spielt wichtige Rolle

Seit 1949 gibt es das Ferientagheim am Oberholz und viele Erwachsene erinnern sich noch heute gern an unbeschwerte Aufenthalte dort zurück. "Damals ging es hauptsächlich darum, die Kinder aufzupäppeln", weiß Volker Landskron, der hauptamtliche Leiter des Jugendreferats des CVJM, der von der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Göppingen mit der Kinderfreizeit betraut ist. "Die gute Küche ist geblieben und das Essen spielt auch heute noch eine wichtige Rolle", erklärt Landskron. "Bei uns wird alles frisch zubereitet." In der Küche sind 16 Mitarbeiter beschäftigt. Heute haben sie aus 20 Kilo Fleisch Gulasch zubereitet und 12 Kilo Reis gekocht. Zum Lohn für die Mühen gab es von den Kindern ein lautstark dargebrachtes Lied. Aus zahllosen Kinderkehlen klang den guten Küchengeistern "Das war ein Supergulasch!" entgegen. "Vor zwei Tagen gab es mein Lieblingsessen", strahlt David. "Ich liebe Leberkäse. Hoffentlich gibt es den noch mal."

Das gemeinsame Essen ist für manche Kinder ungewohnt und sie müssen in den ersten Tagen lernen, dass im Waldheim gewartet wird, bis alle da sind und nicht aufgestanden wird, wenn der eigene Teller leer gegessen ist. "Wir haben hier einen strukturierten Tagesablauf", erklärt Volker Landskron das Konzept. Das Ferientagheim beginnt um 8.30 Uhr und endet wochentags um 18.30 Uhr und samstags um 13 Uhr. Die Kinder sind in altersgleiche Gruppen eingeteilt, die von zwei Betreuern geleitet werden. Ist ein Kind mit Behinderung in der Gruppe, hat sie drei Betreuer.

Auftakt mit Frühstück 

"Wir beginnen täglich mit dem gemeinsamen Frühstück. Danach gibt es ein abwechslungsreiches Programm in der Gruppe. Nach dem Mittagessen ist freies Spiel bis zum Nachmittagsimbiss, dann Gruppenprogramm bis zum Abendessen." Basteln, erlebnispädagogische Spiele, Geländespiele, Singen, die Betreuer bieten "ihren Kindern" zwei Wochen lang ein buntes, abwechslungsreiches Programm. "Heute Morgen waren wir in der Stadt und haben das Tauschspiel gespielt", erzählt Robin. "Wir sind in Geschäfte gegangen und haben versucht, etwas einzutauschen. Am Anfang hatte ich eine Gurke." Spülbürste gegen Schlüsselanhänger, Schüsselanhänger gegen Buch - die Kinder machten bei dem Spiel verschiedene Erfahrungen. "Manche waren nett, manche nicht", erzählen sie.

An drei der insgesamt elf Nachmittage dürfen sich die Kinder beim sogenannten Karoußel selbst ihr Programm wählen, nachdem die Betreuer vorgestellt haben, was sie anbieten. Auch ein Wandertag und gemeinsame Veranstaltungen stehen auf dem Programm. "Langeweile" ist im Waldheim ein absolutes Fremdwort. Etwas erleben, mit allen Sinnen wahrnehmen, sich bewegen, kreativ sein, neue Freunde finden, zusammen mit anderen etwas unternehmen, den Lebensraum Wald erkunden, das alles hat einen besonderen Reiz.

Altgediente Betreuer

Auch für die Betreuer, von denen die meisten schon "altgedient" sind. Chris - früher Waldheimkind, jetzt Betreuer - ist seit 2003 dabei, seine Kollegin Line sogar schon seit 1999. Die Lehrerin und der Sozialarbeiter sind sich einig: "Ein Sommer ohne Waldheim ist kein gescheiter Sommer." Auch Franziska und Veronika opfern einen Teil ihres Urlaubs. "Die sind sehr nett und auch schlau", lobt die kleine Amelie ihre Betreuerinnen.

Für die Mitarbeiter beginnt der Tag um 7.45 Uhr mit dem Mitarbeiter-Frühstück und endet noch nicht, wenn die Kinder abends das Waldheim verlassen. Haus und Gelände müssen gereinigt und die Vorbereitungen für Gruppenarbeit und Veranstaltungen wollen auch noch erledigt sein. "Die meisten Mitarbeiter übernachten hier", erzählt Volker Landskron und fügt augenzwinkernd hinzu: "Wenn alle Arbeiten erledigt sind, beginnt das 'Waldheim im Waldheim'."

Feste Regeln

Ferien im Waldheim können alle Kinder machen, die seit mindestens einem Jahr die Schule besuchen, nicht älter als 12 Jahre alt sind, den ersten Wohnsitz im Landkreis Göppingen haben und zwei volle zwei Wochen im Waldheim verbringen können. "Nach unseren Möglichkeiten nehmen wir auch Kinder mit Behinderung auf", erklärt Landskron. Waldheim ist immer in den mittleren vier Ferienwochen. Die erste Halbzeit ist in der zweiten und dritten Sommerferienwoche, die zweite Halbzeit in der vierten und fünften Ferienwoche. "Gehen während der Anmeldezeit zu viele Anmeldungen ein, ist das Alter das einzige Kriterium. Unabhängig von Schulklasse, der familiären Situation, der Anzahl der Geschwister oder bereits besuchter Waldheimjahre erhalten die Ältesten und die Jüngsten zuerst eine Absage", so Landskron.

Aber nicht nur Kinder haben im Waldheim am Oberholz ihren Spaß. Im Frühjahr und im Herbst bietet ein engagiertes Mitarbeiterteam Freizeitwochen für Senioren und Seniorinnen an. Der "Urlaub ohne Koffer" vom Frühstück bis zum Abendessen ist für viele ein willkommener Tapetenwechsel und die mit vielerlei Programm gefüllten Tage eine willkommene Abwechslung. Ein weiteres Angebot im Waldheim im Göppinger Oberholz ist die "Weihnachtsfeier für Alleinstehende". Alle, die an Weihnachten alleine sind, können den Heiligen Abend in behaglicher Atmosphäre gemeinsam mit anderen Menschen feiern.

Pläne für Selbstversorgerhaus ausgebaut

Da das Waldheim nun schon über 60 Jahren auf dem Buckel hat und daher Renovierungsarbeiten anstehen, sind die liebgewordenen Freizeitangebote für alle Generationen in Gefahr. "Unser Waldheim kann auf Dauer nur erhalten werden, wenn eine nachhaltige Nutzung und daraus erwirtschaftete Einnahmen während des ganzen Jahres gewährleistet sind", erklärt Volker Landskron de auch der Vorsitzende des Fördervereins Waldheim am Oberholz ist. Geplant ist, das Waldheim zu einem Selbstversorgerhaus auszubauen, in dem dann auch Schullandheimaufenthalte, Kommunions- und Konfirmandenwochenenden, Tagungen etc. stattfinden können. Renovierung und Umbau kosten aber Geld. Einige Handwerker und Firmen haben bereits Unterstützung zugesagt, dennoch sind die evangelische Gesamtkirchengemeinde und der Förderverein Waldheim am Oberholz auf Spenden angewiesen.

Info: Kinder anmelden, Urlaub ohne Koffer machen, ehrenamtlicher Betreuer oder Mitarbeiter werden, Geld oder Bastelmaterial spenden, Waldheim anmieten? Alle Informationen finden sich unter www.cvjm-gp.de Waldheimleiter Volker Landskron ist montags, mittwochs und donnerstags zwischen 14.30 und 17.30 Uhr beim CVJM Göppingen, unter Telefon: (07161) 75291 zu erreichen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Den Weihnachtsbaum auf dem Auto richtig sichern

Viele Menschen bringen ihren Weihnachtsbaum mit dem Auto nach Hause. Auch bei kurzen Wegen kommt es auf die richtige Sicherung an, mahnt die Polizei. weiter lesen