Fast ins Gefängnis für "Drecksbulle"

Sieben Polizisten hatte ein 42-Jähriger auf einem Bauernhof mit unflätigen Schimpfwörtern belegt. Dafür musste er jetzt um ein Haar ins Gefängnis. Der Baggerfahrer hatte noch einmal Glück und kam mit Bewährung davon.

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 Dass es vielleicht keine allzu gute Idee ist, Polizisten als „Drecksbullen“ zu titulieren, dürfte den meisten Leuten klar sein. Dass dafür sogar Wasser und Brot hinter schwedischen Gardinen drohen, musste jetzt ein 42-Jähriger im Göppinger Amtsgericht erfahren.

Es geschah an Silvester 2013. Er habe schon Feuerzangenbowle getrunken gehabt, erzählte der Angeklagte im Gericht. „Die hat mich verblasen.“ Zumindest seiner Zunge hatte der Stimmungsaufheller gar nicht gut getan. Als plötzlich Polizisten aufkreuzten, gerufen wegen eines angeblichen Streits des Mannes mit seiner Lebensgefährtin, nahm das Unheil seinen Lauf.

Der Empfang auf dem Bauernhof im Filstal fiel nicht freundlich aus. „Drecksbullen“, schimpfte der Baggerfahrer und forderte die Beamten auf: „Verpisst euch, Scheißbullen.“ Die gingen freilich erst, nachdem die Lebensgefährtin ihnen klargemacht hatte, dass nicht gestritten wurde und es für sie auf dem Hof mithin auch nichts zu tun gebe. Kurz darauf wurde die Polizei erneut von einer dritten Person angerufen, wieder rückten Streifen an – und wieder wurden sie vom Angeklagten beschimpft. In insgesamt sieben Fällen soll der Mann Beamte beleidigt haben, warf ihm Staatsanwalt Matthias Peltsarszky in seiner Anklage vor.

Zerknirscht räumte der 42-Jährige die Beleidigungen ein, auch wenn er sich wegen der Bowle an nichts mehr erinnern könne. Er sei aber zwei Tage später aufs Polizeirevier und habe sich entschuldigt und kurze Zeit darauf auch noch einen Brief an die Polizisten geschrieben. Er warb aber auch um Verständnis. Zu dieser Zeit sei er im Clinch mit dem Bruder seiner Lebensgefährtin gelegen. „Denn er weiß, dass ich vorbestraft bin, deshalb schickte er mir immer die Polizei auf den Hals“, erzählte der Mann. Dass er nun jene Beamten an Silvester beleidigt habe, tue ihm aber leid. „Das war mit Sicherheit nicht meine Absicht, da hat’s definitiv die Falschen getroffen.“

Als sich die Verhandlung dem Ende zuneigte, nahte für den Baggerfahrer die Stunde der Wahrheit: Gefängnis oder nicht? 23 Einträge hatte er bereits im Bundeszentralregister, so gab es bereits 2007 für eine Trunkenheitsfahrt mit Beleidigung sechs Monate auf Bewährung. 2013 wieder eine Verurteilung wegen Beleidigung: „Seggl“ und „Depp“ hatte der Mann einen Lkw-Fahrer auf einer Erddeponie geheißen – wieder gab es eine Bewährungsstrafe. „Sie sind jetzt noch unter laufender Bewährung“, konstatierte Richterin Insa Müller stirnrunzelnd. Auf den Bewährungsbruch wies auch Staatsanwalt Peltsarszky hin: „Die Verurteilung liegt nicht einmal ein Jahr zurück. Über eine Geldstrafe brauchen wir bei Ihnen nicht mehr reden.“ Anwalt Enzo Beathalter versuchte, die Haftstrafe abzuwenden: „Man nimmt ihm wirklich alles.“

Schließlich plädierte auch Peltsarszky auf Bewährung – „es war vielleicht eine Sondersituation wegen des Alkohols“. Er meinte aber auch: „Da schwingt schon viel Wohlwollen und Gnade mit.“ Gnädig zeigte sich dann auch die Richterin. Fünf Monate auf Bewährung und 2000 Euro Geldbuße ans SOS Kinderdorf lautete ihr Urteil. „Unter Zurückstellung von riesigen Bedenken konnte die Strafe nochmals zur Bewährung ausgesetzt werden.“ Der Baggerfahrer nahm das Urteil an.

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