Fanatiker Hitler "vom bösen Geist besessen" Vortrag zu Otto Stahl im Jüdischen Museum

Ältere Göppinger erinnern sich an Dekan Otto Stahl und seine Familie. Im vergangenen Jahr waren seine Erinnerungen erschienen, herausgegeben von Dr. Jakob Eisler, der sie jetzt im Jüdischen Museum vorstellte.

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  • Für heute und morgen sind noch Karten zu haben: Unser Archivbild zeigt eine Szene aus der Gala 2011. Foto: son 1/2
    Für heute und morgen sind noch Karten zu haben: Unser Archivbild zeigt eine Szene aus der Gala 2011. Foto: son
  • Dekan Otto Stahl "stellte sein Verhältnis zur jüdischen Gemeinde nicht dar". 2/2
    Dekan Otto Stahl "stellte sein Verhältnis zur jüdischen Gemeinde nicht dar".
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Wer erwartet hatte, dass die Göppinger Zeit des evangelischen Dekans Otto Stahl im Mittelpunkt des Abends stehen würde, wurde im Jüdischen Museum enttäuscht. Das lag aber nicht am lebendigen Vortrag von Dr. Jakob Eisler vom Landeskirchlichen Archiv Stuttgart. Der Historiker hat die Lebenserinnerungen Stahl 2012 heraus gegeben und weiß deshalb, dass sich dort sehr wenig zu Göppingen findet. Und dies, obwohl Stahl Dekan war von 1928 bis 1946, also "in einer nicht einfachen Zeit", er sich dem Regime widersetzte und Auseinandersetzungen mit dem linientreuen Pfarrerskollegen Ludwig Rippmann führte. "In zahlreichen Memoiren von Pfarrern, die in den 50er Jahren geschrieben worden waren, ist generell nichts oder sehr wenig über die NS-Zeit zu lesen", weiß Eisler. Gerade zehn Seiten umfassen die Jahre 1933 bis 1945. Vermerkt hat er freilich eine zufällige Begegnung mit Hitler in Obertürkheim. "Er ist ein Fanatiker, vom bösen Geist besessen" und "kein Christ" lautete das abschließende Urteil. In seinen Erinnerungen fehlen aber Äußerungen über die zunehmenden Ausschreitungen gegen die Juden und deren Entrechtung. Und "er stellt sein Verhältnis zur jüdischen Gemeinde nicht dar", sagt Dr. Eisler, der einzige Jude, der in Diensten der Württembergischen Landeskirche steht.

Stahl hatte ein wechselvolles Leben geführt, war Pfarrer in Jerusalem gewesen und in Smyrna, dem heutigen Izmir. Die lebendige türkische Großstadt war bis zum Ersten Weltkrieg überwiegend von Griechen und Armeniern bewohnt. Er hatte eine Norwegerin geheiratet und mit ihr fünf Kinder. Nach seiner Flucht aus Smyrna kam er nach Reutlingen und 1928 nach Göppingen. Die Rückkehr in die Enge der schwäbischen Provinz war ihm nicht einfach gefallen. Otto Stahl starb 1972, seine Frau Gertrud 1975. Sohn Helmut prägte das musikalische Leben Göppingens in der Nachkriegszeit und gehörte zu den Mitbegründern des Kulturkreises. Tochter Ingrid kennen viele Göppinger noch als Gymnastiklehrerin.

Info Die Erinnerungen von Dekan Stahl mit dem Titel "Pfarrer in Nahost und Schwaben" sind beim Verein für württembergische Kirchengeschichte unter Telefon: (0711) 214 92 12 oder per E-Mail unter der Adresse

Archiv@elk-wue.de zu erhalten (ISBN: 978-3-944051-00-0).

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