Neue Ausstellung des Polizeimuseums

Großzügiger, umfangreicher – und mit Überraschungen – präsentiert sich die neue Ausstellung des Polizeimuseums bei der Polizeidirektion Einsatz in Göppingen.

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Gleich zu Anfang fällt dem aufmerksamen Besucher auf: Hier stimmt etwas nicht! In einem nachgestellten Büro aus den Sechzigerjahren mit einem Federhalter statt einem Kugelschreiber und der Schreibmaschine statt dem PC sitzt eine Frau hinterm Schreibtisch. „Die gab es bei der Polizei in Baden-Württemberg erst ab 1987“, weiß Manfred Luipold. Der pensionierte Hauptkommissar engagiert sich gemeinsam mit seinen Kollegen Peter Winkle und Gerhard Hackenberg seit Jahren im Göppinger Polizeimuseum. Das ist jetzt in großzügigere Räume innerhalb des Polizeipräsidiums Einsatz, besser bekannt als „Bepo“, umgezogen und ganz neu konzipiert.

Von ihren Anfängen an ist hier die Geschichte der Polizei im Landkreis, zunächst in den beiden Oberämtern Göppingen und Geislingen, aufgearbeitet. Zahlreiche Exponate informieren, amüsieren und erschrecken. Wie das brutale Vorgehen des als „Sonnenwirtle von Ebersbach“ bezeichneten Räuberhauptmanns Johann Friedrich Schwan.

Der Nachtwächter, der seit dem „Gauneredikt“ von 1807 Pflicht für alle Gemeinden wurde, war ausgerüstet mit einem laut tönenden Horn. Fotos zeigen den damals weithin bekannten Wachtmeister Schnitzler aus Ebersbach und die Besucher können in einem Haftbuch aus den Zwanzigerjahren blättern, das zeigt, dass die meisten Menschen wegen „Bettel“ eingesperrt wurden. „Ein ganz wildes Ausstellungsstück“, so Luipold, ist ein „Handgranatenweitwurfstück“ aus den Dreißigerjahren. „Damit wurden auch die Polizeibeamten auf den Krieg vorbereitet“. Die Ausstellung macht deutlich, dass der Beruf des Polizisten früher auf dem Land körperlich anstrengend war. Fußstreifen waren in Süßen etwa 25 Kilometer lang – nachts mussten die Polizisten nur halb so weit auf Streife gehen.

Absolutes Prunkstück der Ausstellung ist ein detailgenaues Modell des gesamten Polizeigeländes, wie es in den Fünfzigerjahren ausgesehen hatte. Es zeigt, dass sich Vieles bis heute erhalten hat – etwa der Pfortenbereich. Deutlich wird aber auch, dass die Polizei durch den Bau der B 10 viel Gelände und damit einen Sportplatz verloren hat.

Luipold kennt die Geschichte des Areals, das zunächst Flakkaserne war, dann die Zentralkliniken beherbergte und seit den frühen Fünfzigern nach und nach an die Polizei überging. Er zeigt auf die „Badische Kantine“ und erzählt schmunzelnd, dass damals zwei Hundertschaften aus Karlsruhe in Göppingen stationiert waren. Die Vorbehalte zwischen Badenern und Württembergern waren offensichtlich so groß, dass die Beamten nicht einmal gemeinsam zu Mittag aßen.

Verschiedene Uniformen zeigen, dass die Städte eine Zeitlang für die Polizei zuständig waren. Seit 1960 war das Land verantwortlich, das auch die Jugendverkehrsschule eröffnete. Als die ersten Frauen bei der uniformierten Polizei eintrafen, waren zahlreiche Fragen zu klären. Etwa die der Rangabzeichen. Frauen, so die Annahme, haben schmalere Schultern – also wurden auch die Abzeichen kleiner.

Auch dem Terrorismus ist eine Abteilung gewidmet. Regelmäßig erhielten alle Polizisten aktualisierte Fahndungslisten, die sie wie eine Ziehharmonika aufziehen mussten, wenn sie jemand kontrollierten. Gut nachzuvollziehen ist auch der Wandel der technischen Ausstattung der Polizei. Dem heutigen Computer wird beispielsweise ein Fernschreiber gegenüber gestellt.

Manfred Luipold hat die Polizeigeschichte einzelner Kreisgemeinden akribisch „ermittelt“ und aufgearbeitet. Ein Ordner enthält die Namen aller Polizisten, zeigt, wo sie Dienst taten und wie ihre Ausstattung aussah. So ist die Polizei im Polizeimuseum eine Polizei zum Anfassen.

Entstehung Am 5. August 2005 fand die erste Führung im Göppinger Polizeimuseum statt.

Führungen in der jetzt erweiterten Ausstellung können nach Terminabsprache unter Tel. (07161) 686419 gebucht werden.

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