Extremer Lärm für 678 Göppinger

An welchen Stellen in Göppingen der Verkehrslärm am stärksten ist, das ließ die Stadt jetzt ermitteln. Anlass ist der Lärmaktionsplan. Als mögliche Abhilfe für Anwohner mit extremer Belastung gelten Tempolimits.

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Verkehrslärm und Wohnen - das verträgt sich nicht. Für 678 Göppinger sind die Belastungsgrenzen deutlich überschritten, beispielsweise an der Lorcher Straße. Das zumindest sagen die ersten Ergebnisse eines Gutachtens. Die Stadt will nun einen Lärmaktionsplan aufstellen.  Foto: 

Einer der lautesten Orte im Göppinger Stadtgebiet dürfte an der Sternkreuzung liegen. Auch der obere Teil der Lorcherstraße, die Jahnstraße und die Ortsdurchfahrt von Jebenhausen weisen äußerst hohe Lärmbelastungen auf. Dies und viel mehr lässt sich aus dem umfangreichen Kartenmaterial ablesen, das die Stadt Göppingen nun für den Lärmaktionsplan erstellen ließ (siehe Kasten).

Die Stadt habe sich dabei nicht nur wie vorgeschrieben das Netz der Landes- und Bundesstraßen vorgenommen, sondern die Berechnungen flächendeckend vornehmen lassen, erklärte der für Verkehrsfragen zuständige Stadtbaudirektor Helmut Renftle den Lokalpolitikern. Lediglich die Stadtbezirke Hohenstaufen und Maitis seien bisher ausgeklammert worden, werden aber noch untersucht.

Das Ludwigsburger Ingenieurbüro BS hat die Verkehrsmengen, die Anteile des Schwerlastverkehrs und Geschwindigkeiten einfließen lassen. Auch Topographie und Bebauung wurden berücksichtigt. Ein Computerprogramm hat dann die Lärmkarten ausgespuckt. Wolfgang Schröder, der Geschäftsführende Gesellschafter des Ingenieurbüros, machte kein Geheimnis daraus, dass die Göppinger Werte zum Teil "heftig" seien. Als "Auslösewert" für Gegenmaßnahmen gelten 70 Dezibel tags und 60 Dezibel nachts.

Diese Lärmbelastung ist in der Stadt Göppingen für 678 Menschen überschritten. Sogar 75 Dezibel im 24-Stunden-Verlauf kommen an vielen Stellen vor. Mit den damit verbundenen Gesundheitsrisiken sei nicht zu spaßen, stellte Schröder klar. "Wenn ein Mensch dauerhaft solchen Lärmbedingungen ausgesetzt ist, steigt das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen signifikant", sagte der Experte. Dabei ist zu beachten, dass auf der Skala eine Erhöhung um drei Dezibel einer Verdoppelung des Lärms gleich komme, so Schröder. In Göppingen bestehe also deutlicher Handlungsbedarf. Das Verkehrsministerium regt an, bereits bei Werten ab 65 Dezibel über den gesamten Tagesverlauf oder 55 Dezibel in der Nacht aktiv zu werden.

Helmut Renftle verhehlte nicht, dass er in Tempolimits an den besonders belasteten Passagen ein probates Mittel sieht: Bisher sei es rechtlich schwierig gewesen, in Ortsdurchfahrten Tempo 30 durchzusetzen. Der Lärmaktionsplan sei eine Argumentationshilfe: "Da werden wir in Zukunft deutlich mehr tun können." Weil ebene Straßen aber leiser sind als holprige, versprach Renftle aber auch den Straßenzustand auf die Probe zu stellen und gegebenenfalls einzugreifen.

Bei Barbara Schrade (Grüne) stieß er damit auf offene Ohren. Sie regte an, flächendeckend an den Ortsdurchfahrten in den Stadtbezirken Tempo 30 einzuführen. Andere sahen die Aussagekraft der Lärmberechnungen skeptischer: Achim Fehrenbacher (CDU) lobte zwar, dass dadurch die Schwerpunkte theoretisch benannt würden, empfahl aber die Berechnungen mit tatsächlichen Messwerten abzugleichen. Schröder stellte jedoch klar, dass das Rechenmodell ein durchaus objektives Bild darstelle. Allerdings sagte der Gutachter auch, dass der EU-Vorstoß "in vielerlei Hinsicht unausgegoren" sei. Beispielsweise werde nichts über die Finanzierung gesagt. Auch ein Zeitrahmen für eventuelle Verbesserungen fehlt. Die Stadt Göppingen will nun jedoch bis zur Sommerpause zumindest einen Plan mit möglichen Gegenmaßnahmen erstellen.

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