Evangelische Kirche im katholischen Deggingen

Das Wirtschaftswunder hat Geislingen erreicht. Doch der rasante Fortschritt ist nicht nur positiv, wie die Meldungen im September 1962 zeigen.

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Als Unternehmen mit 50-jähriger Geschichte beschreibt die GEISLINGER ZEITUNG, die im Talgraben ansässige Fabrik für Galvanotechnik - und verblüfft damit die Leser, die das Unternehmen Dr. Ing. Max Schlötter erst seit 1946 kennen. Nur wenigen ist bekannt, dass der Grundstein bereits 1912 in Leipzig gelegt wurde, die Firma dann nach Berlin und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Geislingen übersiedelte. Die Jubiläumsfeier, von der die GZ in ihrer Ausgabe vom 13. September berichtet, ist zugleich die Einweihung der erweiterten Werkshalle. Dr. Ing. Max Schlötter, der Gründer des Unternehmens, galt als Pionier in der Entwicklung elektrolytischer Verzinnung und Glanzveredelung.

"Grube Karl wird Anfang 1963 stillgelegt" - mit dieser Überschrift in der GZ vom 14. September beginnt eine kontrovers geführte Debatte über das Für und Wider, deren Berichterstattung die Ausgaben im September bestimmen. "Trotz aller Bemühungen um die Sicherung des Fortbestandes der Grube und dem gerade in letzter Zeit erreichten hohen Mechanisierungsgrad, kommt damit die letzte Eisenerzgrube in Württemberg und mit ihr eine jahrhundertealte Tradition zum Erliegen. Von unterrichteter Seite wurde gestern Abend betont, dass für die Belegschaft gesorgt sei. Wer wolle, werde von der Hütte Oberhausen übernommen. "Allerdings", so die GZ, "ist es nicht so sehr die Tatsache an sich, sondern die Plötzlichkeit des Beschlusses." Kostspielige Bohrungen bei Türkheim und Aufhausen zur Erkundung eines neuen Erzlagers (deren geschätztes Erzvorkommen ergaben ungefähr 16 Mio. Tonnen) und nicht unbeträchtliche Investitionen im Grubenbetrieb lassen darauf schließen, dass die Grubenleitung die Stilllegung nicht von langer Sicht geplant hat.

1962 ist der Wettlauf zwischen den USA und Russland im Hinblick auf den ersten Mondflug in vollem Gang. In ihrer Ausgabe vom 14. September stellt der Autor eines Artikels in der GZ nach den erfolgreichen Rekord-Raumflügen Wostok III und Wostok IV daher die Frage, ob die Russen bereits einen entscheidenden Vorsprung haben. "Wernher von Braun, einst Deutschlands und heute Amerikas führender Raketenfachmann, ist jedoch zuversichtlich: Wenn wir zielstrebig weiterarbeiten, können wir doch noch vor den Russen auf dem Mond sein." Der amerikanische Mondflug wird mindestens 20, vermutlich aber 40 Milliarden Dollar verschlingen. Das ist das Dreifache des Gesamthaushaltes der BRD 1962.

Am 15. September berichtet die GZ von der Einweihung der Christuskirche in Deggingen. Der Zuzug Heimatvertriebener und der Wunsch zahlreicher Kurgäste erforderte den Neubau einer evangelischen Kirche im katholischen Deggingen.

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