Esche als Sorgenkind

2011 war nicht das Jahr der Schädlinge. Der feuchte Sommer ließ Borkenkäfer und Co. kaum eine Chance. Die Pilze jedoch breiteten sich rasant aus und machten hauptsächlich der Esche zu schaffen.

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Die Esche macht dem Göppinger Forstamt Sorgen. Das Triebsterben ist mittlerweile landkreisweit zu beobachten. Verantwortlich ist ein Pilz, der das Absterben in der Krone bewirkt. Foto: Archiv

Seit das Waldsterben zu Beginn der 80er Jahre ein großes Thema war, findet in Baden-Württemberg ein so genanntes "Umweltmonitoring" statt. Damit sollen die Einflüsse der Umwelt auf den Wald besser verstanden werden. Die Daten werden jedes Jahr nach einem identischen Verfahren erhoben, die Ergebnisse zeigen den aktuellen Zustand und die Entwicklung der Baumkronen auf, erklärte Carsten Hertel, Mitarbeiter im Göppinger Forstamt, den Mitgliedern des Ausschusses für Umwelt und Verkehr. Die Aussagen beziehen sich eigentlich auf das Land, man könne sie aber auf Kreisebene herunterbrechen, betonte der Experte. Anlass für den aktuellen Bericht war ein Antrag der SPD-Fraktion in den jüngsten Haushaltsplanberatungen.

Die starke Trockenheit im Jahr 2003 sorgte in den Folgejahren für eine starke Zunahme der Waldschäden, berichtete Carsten Hertel. Seit 2007 zeichne sich jedoch eine Verbesserung der Lage ab: "Im Ergebnis nähert sich die Waldschadensituation wieder dem niedrigen Niveau des Jahres 2003 an", heißt es in der Sitzungsvorlage. Der Anteil "deutlich geschädigter Bäume" liege aktuell bei 33 Prozent - das seien zwei Prozentpunkte weniger als im Vorjahr und neun Prozentpunkte weniger als 2009.

Im vergangenen Jahr kämpften die Bäume mit einer ausgeprägten Trockenheit im Frühjahr, dem ein niederschlagsreicher Sommer folgte. Das habe vor allem der Buche, die mit 41 Prozent Anteil die bedeutendste Baumart im Landkreis Göppingen ist, zu schaffen gemacht: Sie stellte ihr Dickenwachstum besonders früh ein. Der feuchte Sommer sorgte wiederum dafür, dass die verschiedenen Borkenkäfer- und Prachtkäferarten kaum aktiv waren, berichtete Hertel. Auch der Eichenprozessionsspinner, eine giftige Raupe auf Eichen sowohl im Wald als auch im besiedelten Bereich, spielte im Jahr 2011 keine Rolle.

Vom feuchten Wetter im Sommer profitierten aber die Pilze. Dies führe schon seit fünf Jahren zu einer rasanten Ausbreitung des Eschentriebsterbens im Landkreis, erklärte Carsten Hertel. Das "Falsche Weiße Stengelbecherchen" ist eine neue beschriebene Pilzart, die einzelne Bäume stark in Mitleidenschaft ziehen kann - oder den Baum gar absterben lässt. Die Forstleute beobachten die Krankheit mittlerweile auch flächig, sie wirke sich vor allem in Kulturen und Jungbeständen aus. Anstelle der Esche (sie macht derzeit einen Anteil von acht Prozent im Kreis mit Schwerpunkt in Tallagen aus) müssen die Fachleute auf alternative Baumarten, zum Beispiel den Bergahorn, zurückgreifen.

Insgesamt strebe das Forstamt einen "morphologisch und physiologisch hoch anpassungsfähigen und deshalb gemischten Wald" an, fasste Hertel zusammen. "Denn niemand weiß, wie stark der Klimawandel ausfallen wird." Dieser wird für eine vermehrte Frucht- und Blütenbildung der Bäume verantwortlich gemacht, die sich wiederum negativ auf die Vitalität auswirkt. Positiv: Die Stürme der vergangenen Monate konnten dem Wald im Landkreis kaum etwas anhaben.

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