Ernte komplett verhagelt

Freud und Leid eng beieinander: Den Ditzenbachern verhagelt es komplett die Ernte, die Geislinger freuen sich über eine Turnhalle. Schlaglichter auf dem "Filsthalboten" vom August vor 150 Jahren.

|

Das Unwetter kam abends an Jakobi, also am 25. Juli, des Jahres 1864. Es wütete in mehreren Gemeinden im Oberamt Geislingen. Besonders betroffen wurde Ditzenbach. So stark, dass Ende August Pfarrer Kösler und Schultheiß Rink im Alb- und Filsthalbote, dem Amts- und Anzeigenblatt für das Oberamt, öffentlich zu Spenden für die Bevölkerung aufrufen. In einer "halben Viertelstunde" seien durch Hagel "wenige Tage vor der Erndte das herrlich dastehende Winterfeld ... und die größere Hälfte des Sommerfeldes total vernichtet" worden. Nicht nur das Getreide, sondern "namentlich der Obstertrag" sei stark betroffen. Die amtliche Schätzung kommt auf einen Schaden von 18 - 20 000 Gulden. "Da die hiesigen Einwohner mit wenigen Ausnahmen ohnehin nicht wohlhabend und sammt (so) und sonders in keiner Hagelversicherung sind", befänden sie sich nun "in schwerer Noth und sehen mit bangen Herzen der Zukunft entgegen," weshalb Pfarrer und Bürgermeister nun "an die opferwillige christliche Liebe des Bezirks" appellieren und um Spenden bitten - sei es Geld, seien es Naturalien.

Im Übrigen gab es am 30. Juli bereits das nächste schwere Gewitter. Der "Bote" berichtet von einem Blitzeinschlag in der Wollspinnerei Süßen, ohne dass dadurch ein Brand verursacht worden wäre. Ein Arbeiter aus Altenstadt wird danach bewusstlos auf dem Boden liegend gefunden, seine Kleider sind angebrannt, der Mann erleidet an einer Seite Brandverletzungen, die aber nicht gravierend sind.

Zur gleichen Zeit bereitet sich Geislingen auf die Einweihung seiner neuen Turnhalle vor, die Anfang September stattfinden wird. Ein öffentlicher Aufruf ergeht an alle "Frauen und Jungfrauen Geislingens mit der freundlichen Bitte, durch beliebiges Spenden von Blumen, Kränzen und Guirlanden" (so) die Turnhalle zur Eröffnung zu schmücken. Zum Einweihungsprogramm gehören unter anderem eine Feuerwehrübung und ein Festzug vom Rathaus zur Turnhalle mit Musik, Schützen, kommunalen und kirchlichen Würdenträgern und Gemeinderäten, den Lehrern, den Vereinen wie Liederkranz, Turngemeinde, Liederkranz Germania, Feuerwehr und auswärtigen Gästen und Gastvereinen. In der Halle sind Gesang, Festreden und Schauturnen geplant.

Der "Bote" berichtet in seinen August-Ausgaben vor 150 Jahren von weiteren erwähnenswerten Ereignissen: Die Straubsche Plaqúe-Fabrik, die spätere WMF, will ihren Arbeitern zur Vormittags- und Nachmittagspause künftig "Braunbier" ausschenken. - Durch Unachtsamkeit eines Schäfers auf der Alb macht sich eine Schafherde über eine fette Kleewiese her - in der Folge verenden 80 Tiere. - Der Tierarzt hat ein krankes Pferd in Hofstett-Emerbuch aufgegeben, der Abdecker ist schon benachrichtigt; da fragt der Pferdebesitzer, ein Kleinbauer, doch noch Oberamtstierarzt Zink um Rat - und der kuriert das Tier wieder. "Es ist doch etwas Schönes und Nützliches, wenn ein Mann seinen Beruf gründlich erlernt hat", schreibt der "Bote" zur Würdigung Zinks. - Der sich quer stellende Eybacher Gemeinderat wird gesetzlich verpflichtet, den Unterhalt der Steige nach Waldhausen zu übernehmen. - Am 12. August feiert Heidenheim die Ankunft der ersten Lokomotive auf der neu erbauten Bahnstrecke Aalen-Heidenheim.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Züge stehen still und Fahrgäste werden schlecht informiert

Donnerstagmorgen hatten es Bahnreisende schwer. So mancher Fahrgast, der im Filstal in einem Zug saß, musste lange auf eine Weiterfahrt warten. Die Probleme gibt es allerdings schon länger. weiter lesen