Erfolgreiche Lenglinger Tauzieher verlieren Gelände

Seit fast 30 Jahren trainieren die auch national erfolgreichen Sportler des Tauziehclubs Kaiserberg in Lenglingen. Bis Herbst müssen sie aus ihrem Vereinsheim ausziehen.

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Die Lenglinger Tauzieher auf ihrem Trainingsplatz (im Hintergrund der „Galgen“). Das Gelände und das Vereinsheim stehen ab Herbst nicht mehr zur Verfügung.  Foto: 

Die Füße stecken im Matsch, die Gesichter sind verzerrt und der ganze Körper steht unter Spannung: Die Sportler des Tauziehclubs Kaiserberg aus Lenglingen trainieren jeden Montag und Donnerstag an ihrem „Galgen“, so nennen sie ihr Trainingsgerät. Nach der derzeitigen Saison ist damit aber Schluss. „Wir verlieren unser Trainingsgelände in Lenglingen“, erzählt Schriftführerin Jennifer Weisser. Vorsitzender Heiko Schuster ergänzt: „Die Tauziehsaison können wir noch abschließen. Im September müssen wir raus.“

Der Besitzer habe Eigenbedarf angemeldet, sagt Weisser. „Daher haben wir schon kürzlich für das Heimturnier einen Teil des Geländes nicht zur Verfügung gestellt bekommen.“ Stattdessen ist man mit dem Wettkampf Anfang Juli auf den Sportplatz der Maitiser Wiesenkicker ausgewichen. „Bedingung war, dass ich nach dem Turnier die Wiese wieder so herstelle, dass man ein halbes Jahr später nichts mehr sieht“, erklärt Schuster. Denn da, wo vorher grünes Gras war und dann die Tauzieher sich ins Seil hängen, zeigt sich schon nach einem Zug nur noch ein Streifen blanke Erde. „Wenn wir mit dem Rasen fertig sind, können die nicht mehr spielen.“ Daher vertrügen sich Tauziehen und Fußball nicht gut.

„Als der Besitzer gesagt hat, er möchte hier ein Haus bauen, haben wir an Oberbürgermeister Guido Till geschrieben“, erzählt Schuster. Das Angebot der Stadt, in Göppingen unterzukommen (siehe Infokasten), hat der Tauziehclub jedoch abgelehnt: Mit dem Umzug sei der Verein schnell tot. „Die passiven Mitglieder sind aus Lenglingen und die braucht man zum Wurst grillen.“ Man könne sich nicht vorstellen, dass Helfer dafür extra nach Göppingen fahren möchten. „Der Verein gehört hier her. Den Trainingsgalgen können wir bei jedem Bauern hinstellen.“ Problematischer ist, ein Grundstück fürs Vereinsheim und die Turniere zu finden. „Alles, was vor Ort in Frage kommt, gehört einem Besitzer und der gibt nichts her.“

Im Sommer trainiere man draußen – in der kalten Jahreszeit auf dem Dachboden des Vereinsheims. „Dass wir so was, was wir jetzt haben, nicht mehr bekommen werden, ist klar“, gibt Schuster zu. Seit der Gründung 1988 ist der Verein in der alten Scheune zu Hause gewesen und hat hier für die Landesliga sowie nationale und internationale Wettkämpfe trainiert.

Wo die Sportler im kommenden Winter üben sollen, wissen sie noch nicht. „Wenn wir gar nichts finden, können wir auch ganz aufhören“, meint Julia Niederberger, die auch in der Nationalmannschaft zieht. Für Schuster kommt eine Auflösung des Vereins aber nicht in Frage. „Das wäre schade, weil gerade so viele aktiv sind.“ 25 Männer und zehn Frauen ziehen aktuell im Verein. Die Frauen sind kürzlich bei ihrer Deutschen Meisterschaft Zweite geworden. Zuvor hatten sie den Titel schon nach Lenglingen geholt. Die Männer überlegen, ob sie zurück in die Bundesliga wollen. Und seit dem vergangenen Jahr hat der Verein auch wieder eine Jugendmannschaft: „Man muss denen eine Perspektive geben. Auch wenn es nur Tauziehen ist.“ Ohne geeignetes Trainingsgelände „werden die Ergebnisse aber nicht mehr so gut sein, wie in den vergangenen Zeiten.“

Öffentlich: Die Stadt Göppingen hat dem Verein ein Angebot gemacht, sagt Pressesprecher Olaf Hinrichsen. „Die Flächen sind im Bereich der Sportstätten an der Hohenstaufenstraße. Der Verein sagt allerdings, das Grundstück ist ungeeignet.“ Mehr Flächen habe die Stadt nicht, könne daher keine weiteren anbieten.

Privat: „Wenn der Verein private Flächen findet, muss man prüfen, ob die bau- und planungsrechtlich zulässig wären und ob sie im Einklang mit dem Flächennutzungs- und dem Bebauungsplan stehen.“ Generell seien die Sportvereine wichtig für das gesellschaftliche Leben in der Stadt.

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