Erfolg mit Raubzug-Bestseller reicht bis Korea

„Der größte Raubzug der Geschichte“ wird zu einem weltweiten Siegeszug. 35 000 Exemplare sind mittlerweile verkauft. Jüngster Coup der Göppinger Autoren: Das Buch wird auf Koreanisch übersetzt.

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In der Antike wurde der Überbringer einer schlechten Nachricht geköpft. Matthias Weik und Marc Friedrich hingegen erobern mit ihrer Ankündigung eines Zusammenbruchs die Herzen der Leser im Sturm. Ihr Buch „Der größte Raubzug der Geschichte“ hält sich seit Sommer in den Bestsellerlisten, nahezu 35.000 Exemplare sind vergriffen. Ein Erfolg, den die beiden Göppinger Wirtschaftswissenschaftler noch immer nicht fassen können. „Wir sind mit der Intention angetreten, 500 Bücher zu verkaufen“, verdeutlicht Weik. Dass mittlerweile die fünfte Auflage auf dem Markt ist und das humorvoll geschriebene, „rein faktenbasierte“ Lexikon über die Machenschaften der Finanzindustrie demnächst in südkoreanischen Bücherregalen stehen wird, hätten sich die jungen Autoren nicht träumen lassen. Der Verlag aus dem fernen Osten sei aber nicht der einzige, der sich für den „Raubzug“ interessiere. „Wir haben weitere Anfragen aus Griechenland, Spanien, Südafrika und Skandinavien“, zählt Marc Friedrich auf und fügt schmunzelnd hinzu: „Wir sind zu allen Schandtaten bereit.“

Der Siegeszug ihres Buches ist für die beiden Wirtschaftsfachleute ein Beweis, dass das Thema Finanz- und Eurokrise den Menschen weltweit auf den Nägeln brennt. Zumal jeden Tag neue Schreckensmeldungen hinzukämen. Friedrich und Weik sind überzeugt: „Der Euro zerstört Europa, die Krisenländer sparen sich zu Tode. Das Finanzsystem wird kollabieren. Es wird nicht mehr lange dauern, bis uns das Ganze um die Ohren fliegt.“ Außerdem zögen dunkle Wolken am Konjunkturhimmel auf. „Es sieht wirklich düster aus“, fasst Marc Friedrich zusammen. Die beiden Autoren und Geschäftsführer des Göppinger Unternehmens „Friedrich & Weik Vermögenssicherung“ raten den Anlegern in ihrem Buch, raus aus Papierwerten zu gehen und ihr Geld in Ackerland oder Gold anzulegen. Dass sie sich mit diesem Vorschlag nicht nur Freunde machen, versteht sich von selbst: „Von Banken und Versicherungen wurden wir noch nicht eingeladen.“

Zu tun haben die jungen Männer jedoch genug. Sie können sich vor Anfragen kaum retten, füllen Buchhandlungen und Säle in Hochschulen, sind gefragt bei der Industrie- und Handelskammer sowie dem Bund der Steuerzahler und verschicken unzählige signierte Bücher. „Noch brauchen wir keine Sekretärin“, meint Marc Friedrich und lacht. Sieben Tage die Woche arbeiten die beiden Autoren. Das bedeutet viel Stress, aber auch jede Menge Spaß. „Wir haben wunderschöne Erlebnisse“, berichten die beiden. Auf der Frankfurter Buchmesse zum Beispiel seien sie mit Bewunderung und Schulterklopfen empfangen worden. „Man hat uns förmlich den Roten Teppich ausgelegt. Niemand kann so recht glauben, dass zwei unbekannte Autoren mit einem kleinen Verlag und einem überschaubaren Marketingbudget so erfolgreich sind“, sagt Matthias Weik. „Wir genießen jeden Tag, sind dankbar, demütig und überglücklich“, ergänzt Marc Friedrich.

Abheben wollen sie nicht. Dafür bleibt momentan auch gar keine Zeit. Denn neben der Werbetour für ihr aktuelles Buch arbeiten die Wirtschaftswissenschaftler bereits an einem neuen Werk. Die Recherche läuft seit einem Jahr, das Skelett steht, prominente Mitautoren sind gefunden. Der Stoff geht Weik und Friedrich nicht aus: „Die Finanzkrise ist ein Reigen an lustigen Geschichten.“ Dabei ist der Erfolg des Erstlings Ansporn und Druck zugleich. „Wir wollen das Niveau halten und noch besser werden“, versprechen die Unternehmer. „Und amüsant soll es wieder sein.“

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