Enttäuschende Entdeckung

Die Ankündigungen versprachen, Norbert Burgmüller preisend, die Wiederentdeckung eines vergessenen Komponisten. Also erwartete man beim Gastspiel der Hofkapelle Stuttgart ein ohrenöffnendes Konzert.

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Die mit solch vollmundiger Reklame einhergehende Skepsis, die man dem jung verstorbenen frühromantischen Tonsetzer, dessen Werke erst in der 1880er Jahren wieder entdeckt wurden, trotz der von manchen seiner Zeitgenossen geäußerten Wertschätzung entgegenbrachte, erwies sich als durchaus berechtigt. Auch wenn man sich von der Komposition eines 15-Jährigen nur bedingt musikalisch Wegweisendes erhoffte, enttäuschte die f-Moll-Ouvertüre op. 5 doch mehr, als sie - eine Talentprobe, kein Geniestreich - versprach: Ein begnadeter Melodiker war, das konnte man ohne Umschweife feststellen, der junge Burgmüller mitnichten, im Gegensatz zu seinem um ein Jahr älteren Freund und Förderer Mendelssohn (das Konzert sollte diesen Unterschied in seinem weiteren Verlauf deutlich vor Ohren führen), und selbst die verbliebene kurzatmige Thematik hatte nur geringe musikalische Prägnanz.

Diese Mängel, deren Auswirkungen durch das handwerkliche Können des jungen Komponisten nur unvollkommen kaschiert wurden, vermochte auch das interpretatorische Engagement der Hofkapelle Stuttgart und ihres Dirigenten Frieder Bernius, die beide nicht ihren besten Abend erwischt hatten, nicht wettzumachen, auch im Orchesterpart des zweiten Burgmüller-Stückes, des vier Jahre später entstandenen fis-Moll-Klavierkonzerts op. 1 nicht, wiewohl er ungleich besser gelang im Verein mit einem höchst kompetenten und immer wieder entschieden auf orchestrale Präsenz drängenden Burgmüller-Interpreten, dem Pianisten Tobias Koch. Dieser gestaltete den feinnervigen wie brillanten Solopart auf einem von Ignaz Bösendorfer 1849 gefertigten Hammerflügel, der über eine schöne, wohlklingende Mittellage verfügte, im Diskant und im Bass freilich etwas ereignislos tönte, mit großem Einfühlungsvermögen und spielerischer Bravour.

Der zweite Abschnitt war Mendelssohn vorbehalten, zunächst - anknüpfend an den ersten Teil - mit dem Trauermarsch a-Moll op. 103 "im Gedenken an Norbert Burgmüller", sodann mit der in der nämlichen Tonart stehenden dritten Symphonie op. 56, genannt die "Schottische". Die von Mendelssohn er- und gefundenen Themen hatten - im unüberhörbaren Kontrast zu Burgmüller - nicht nur ein bruchstückhaftes Los, sondern mit weit sich spannender melodischer Kraft musikalische Schicksale, auch wenn diese von der Hofkapelle unter Frieder Bernius nicht immer mit der notwendigen artikulatorischen Prägnanz verdeutlicht wurden: so etwa - nach dem reichlich emotionslosen Andante die Figurationen des Allegros im ersten Satz, die recht verwaschen tönten. Man hätte dies noch als Resultat anfänglicher Konzentrationsschwächen der Instrumentalisten hingenommen, wären sie nicht in der Durchführung wie in der Reprise in der nämlichen ungenauen Gestalt wieder erschienen, so dass wohl Methode, freilich eine fragwürdige, am Werk war, zumal sich solches Formulieren ins Ungefähre im Allegro maestoso des Finalsatzes wiederholte. Diese Unzulänglichkeiten waren auch durch Verve und rhythmische Präzision, mit welcher der zweite Satz, durch schön sich gestaltende Sanglichkeit, mit welcher das Adagio dargestellt wurden, nicht zu überspielen.

Herzlicher Beifall am Ende und ein kurzes Burgmüller-Intermezzo als Zugabe.

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