Entmachtung im Rathaus

Bürgermeister in Alarmbereitschaft: Überall im Landkreis versuchen heute die Narren, wie jedes Jahr am "Gombiga Doschdig", die Macht im Rathaus an sich zu reißen. Doch die Verwaltungschefs sind vorbereitet.

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Schon vor fünf Jahren war der Brauch im Kreis beliebt: Brandstifterhexen gehen dem damaligen Eislinger Schultes Günther Frank an die Krawatte. Foto: Archiv

Auch diesmal zeigen die Narren in fast allen Fasnetshochburgen kein Erbarmen mit ihren Opfern: Heute, am "Gombiga Doschdig" versuchen sie sich beim Rathaussturm den Schlüssel unter den Nagel zu reißen. Doch die Beamten wollen ihre Ämter nicht kampflos aufgeben. Mit welchen Geschützen fahren sie auf, um der drohenden Entmachtung zu entgehen? Die Verwaltungschefs aus Rechberghausen, Wäschenbeuren, Heiningen und Donzdorf erklären, wie sie sich auf das Spektakel vorbereiten und sich gegen die Narren zur Wehr setzen.

Reiner Ruf, Bürgermeister der Faschingshochburg Rechberghausen, fragt sich schon, was die "Furchenrutscher" dieses Jahr an Untaten treiben werden. "Wir sind gerade dabei, eine Strategie zu entwickeln, wie wir den Narren ein Schnippchen schlagen können", erklärt er siegessicher. Seiner Entmachtung sieht er aber entspannt entgegen: "Die freie Zeit werde ich selbstverständlich nützen, um mich ganz traditionsgemäß ins Fasnetsgetümmel zu stürzen" , verrät er, nicht ohne Vorfreude. Auf sein Glück vetraut hingegen der Wäschenbeurener Bürgermeister Karl Vesenmaier. Er hatte keine Zeit, spezielle Maßnahmen zu ergreifen: "Es war einfach unglaublich viel los in letzter Zeit", gab der Bürgermeister preis. Für ihn ist der Rathaussturm und die damit eingeläutete Faschingszeit immer etwas besonderes. "Unsere Wäschweiber verstehen es mit ihrem Engagement den Rathaussturm jedes Jahr aufs Neue zu einem tollen Ereignis werden zu lassen", betont Vesenmaier. Die Fasnet in Wäschenbeuren werde immer größer und bringe viel Freude in die Gemeinde. "Vor allem für die Kindergartenkinder, die am Rathaussturm beteiligt sind, ist das ein schönes Erlebnis." Vesenmaier wird trotz der bedenklichen Aussichten eine Krawatte tragen: "Mich kennt man nur mit Krawatte", meint er und verspricht: "Auch am Gombiga Doschdig werde ich keine billige anziehen, wenn dann muss es schon richtig wehtun." Seiner vorübergehenden Arbeitslosigkeit blickt er heiter entgegen.

Auch in der Gemeinde Heiningen, wo der Rathaussturm eine noch eher junge Geschichte hat, tanzt Schultes Norbert Aufrecht nicht aus der Reihe seiner Kollegen. Er blickt dem Schmotzigen Doschdig ebenfalls mit Gelassenheit entgegen. Er lacht und bemerkt: "Ich werde meine Auszeit genießen und Leuten mit einem ganz anderen Blickwinkel die Chance geben, mein Amt zu übernehmen." Einer Sache ist er sich jedoch sicher: "Der Rathausschlüssel wird mit Zähnen und Klauen verteidigt."

Etwas Besonderes scheint der "Gombige Doschdig" dieses Jahr in Donzdorf zu werden. Nähere Details will der Bürgermeister, Martin Stölzle, aber noch nicht preisgeben: "Das wäre nicht besonders klug, die Informationen würden meine Gegner nur gegen mich verwenden", stellt er schmunzelnd fest. Die Ausarbeitung der Verteidigungsstrategie gegen die Hexen laufe auf Hochtouren, verrät Stölzle. "Der Weiberfasching am Nachmittag wird uns hoffentlich kräftig einheizen, sodass beste Stimmung garantiert ist." Wie nicht anders zu erwarten, tritt auch er der amtsfreien Zeit entspannt gegenüber.

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