Enthusiasmiertes Publikum

Groß besetzt war das jüngste Meisterkonzert in der Göppinger Stadthalle. Das Radio-Sinfonieorchester (RSO) Stuttgart des SWR imponierte mit Beethoven, Brahms, Ravel und Massenet.

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Teufelsgeiger Nemanja Radulovic brillierte beim Meisterkonzert in der Göppinger Stadthalle. Das Radio-Sinfoniorchester des SWR bot ihm dabei eine perfekte Partnerschaft. Foto: Staufenpress

Das stark vergrößerte Podium deutete an, dass das Meisterkonzert des Kulturkreises am Sonntagabend etwas Besonderes bringen würde. Die Göppinger Stadthalle war auch ausverkauft, als die Spieler des RSO, des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR, ihre Plätze einnahmen. Unter dem Dirigat des Schweizers Michel Tabachnik wurden zwei sinfonische Großmeister musiziert und zwischendurch mit dem serbischen Geiger Nemanja Radulovic ein virtuoses Intermezzo geboten - und alles wurde vom Publikum höchst enthusiasmiert aufgenommen.

Ein Werk der Wiener Hochklassik, Ludwig van Beethovens 2. Sinfonie in D-Dur op. 36, bot den ersten Markstein und zugleich eine gute Gelegenheit, die Qualitäten des Orchesters kennenzulernen. Eine elegisch singende Melodie, eingekeilt von heftigen Tuttischlägen, zeigte die bemerkenswerte Geschlossenheit vor allem der Streicher, die sich mal als seidenweicher Teppich, mal als furioses Schlagwerk präsentierten. Und der Komponist stellte hohe Anforderungen mit den häufigen Wechseln zwischen Forte und Piano, auch mit Akzentverschiebungen durch Triolen oder Hemiolen.

Michel Tabachnik wusste Strukturlinien zu ziehen, im Larghetto eine Romanze zu malen und das energische Scherzo durch das Trio aufzulockern. In den Kontrasten des Finalsatzes zogen Soli von Flöte und dem samtweich geblasenen Fagott die Aufmerksamkeit auf sich; die Hörner allerdings schmetterten gelegentlich eine Spur zu derb.

Teufelsgeiger oder neuer Paganini - derlei Schlagworte wurden obsolet, als Nemanja Radulovic, der Solist des Abends, seine Geige ans Kinn hob. Mit höchster Intensität stellte er die Themen der Konzertrhapsodie "Tzigane" von Maurice Ravel vor, eines der anspruchsvollsten Werke der virtuosen Violinliteratur, das dem 28-Jährigen absolut keine Mühe, sondern großes Vergnügen zu bereiten schien. Wenn er die während des Bogenspiels mit der linken Hand ausgeführten Pizzikati prasseln ließ oder im Flageolettspiel seinem eigenen Echo nachspürte, nahm er seine Zuhörer mit ins unermesslich große Reich der virtuosen Kunst. Das Orchester, zumal die mit dem Solisten duettierende Harfe, bot ihm dabei eine perfekte Partnerschaft. Gleiches gilt für die Méditation aus Jules Massenets Oper "Thaïs", wo Radulovic dem oft gehörten Stück unglaublich zarte und berührende Momente verlieh.

Wenn der Paukist in der Art eines Landsknechtstrommlers zum Aufbruch ruft, darf der Hörer die 1. Sinfonie c-Moll von Johannes Brahms erwarten. Dieses Opus 68 mit seinen dunklen, satten (Kontrafagott!), oft verschleierten Farben und seiner vielgestaltigen Rhythmik wurde in der Wiedergabe durch das RSO zu einem eindrucksvollen Erlebnis. Dynamisch hätte es in manchen Partien auch ein Gran weniger sein dürfen; Brahms genuine Tonsprache wurde jedoch stets getroffen.

Großer Beifall und Bravorufe!

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