Eiszeit beim Göppinger Narrensprung

|
Fest im Griff haben die Hexen diesen Besucher beim Göppinger Umzug.  Foto: 

Daniel Paasch führte am Samstag im Häs eines Gehenkten den Umzug beim Nachtnarrensprung mit lautem „Narri Narro“ an. Er war am Morgen beim Zunftmeisterempfang nach zehn Jahren als Vorsitzender der Göppinger Narrenzunft zum Ehrenzunftmeister ernannt worden und geht damit zugunsten der Familie in den Fasnetsruhestand. Im Umzug folgte ihm die Dürnauer Lumpenkapelle „Durchgeknallte Kobolde“, die als eine von zehn Guggenmusik-Gruppen bereits am Nachmittag beim Monsterkonzert auf dem Schloss- sowie Marktplatz aufspielten.

Die eisigen Temperaturen machten vor allem den Bläsern zu schaffen: Die Posaune von Regina Schwarz war eingefroren. Auch Trompeterin Tanja Wilhelm warf ein, dass bei ihrem Instrument die Ventile nicht mehr funktionieren, wenn es zu kalt ist. Deshalb stecke sie ihre Trompete in die Jacke, um sie aufzuwärmen.

Zu den Minusgraden gesellten sich ein paar Schneeflocken. Der guten Stimmung machte das nichts aus. Die Hexen mischten die Besucher auf. Kunststücke wie Pyramiden oder Peitschenschläge gab es hingegen kaum. Stattdessen wurden herzliche Umarmungen verteilt, Mützen geklaut und mit den Zuschauern getanzt. Auch Fackelträger waren in manchen Gruppen dabei.  Wer sich tapfer anmalen ließ, der wurde von netten Narren auch großzügig mit einer handvoll Bonbons belohnt. Die Kleinsten bekamen Süßigkeiten auch direkt überreicht.

Konfetti bleibt verboten

Statt Konfetti flogen nur Bonbons. Wegen zu hoher Reinigungskosten hatte die Göppinger Narrenzunft auch in diesem Jahr ein Konfettiverbot ausgesprochen. In den Vorjahren fand das nur wenig Anklang, in diesem Jahr schien die Umsetzung jedoch zu funktionieren. Die Straßen blieben weitgehend sauber. Im Vorfeld hatten die Organisatoren bei Zuwiderhandlung mehrfach eine Reinigungspauschale von 100 Euro angekündigt  und ein Startverbot der Zunft im kommenden Jahr.

Bei den Donzdorfer „Häfeles Schemma“ sieht man das Verbot gelassen. „Wir haben eh nie Konfetti. Uns ist wichtig, dass wir mit unseren kleinen Zuschauern Spaß haben. Deswegen sieht unsere Maske sehr freundlich aus“, so der Zunftmeister Frank Schrötzinger. 

Die Eislinger „Brandstifter Hexa“ hingegen sind sehr traurig über das Konfettiverbot. „Ich würde sogar freiwillig dafür zahlen. Da wären einige dabei“, sagte Karoline Lupich. Konfetti gehöre einfach dazu. Mehrere Hexen stimmen ihr zu und witzeln über eine „Konfetti-Maut“. Das Konfetti mache Stimmung, ohne sei es langweilig und die Zuschauer würden es sogar erwarten, dass es geworfen wird.

Während der Umzug noch läuft und die achtzigste Gruppe um 18 Uhr die Kirchstraße herunterläuft, dröhnte aus dem großen Festzelt auf dem Marktplatz schon laut die Musik. Hier klingt der Abend für die Narren aus. Der Ehrenzunftmeister Daniel Paasch zieht ein positives Fazit, auch wenn die Wetterlage Zuschauer gekostet hat: „Ein paar Leute haben gesagt sie kommen nicht. Aber wir veranstalten den Umzug auch bei minus 15 Grad – wir sind da sehr hart.“

Keine Angst vor Anschlägen

Von den jüngsten Terroranschlägen in Deutschland ließ man sich in der Göppinger Zunft allerdings nicht verunsichern. „Das Thema war gar nicht auf dem Tisch. Ein Anschlag kann immer passieren, auch hier in Göppingen.“ Da die Stadt am Weihnachtsmarkt keine Betonpfeiler aufgestellt hatte, „machen wir das heute auch nicht“, erklärte Paasch.

Nach Angaben der Leiterin des Göppinger Polizeireviers, Inka Buckmiller, hatte die Polizei aber mehr Beamte im Einsatz, als im vergangenen Jahr. Vor allem wegen den Vorfällen in Berlin und Köln. Wichtig sei es, wachsam zu sein und so gut wie möglich zu sichern. Deshalb seien sowohl am Schlossplatz als auch am Marktplatz Einsatzkräfte unterwegs gewesen. Zusätzlich wurden die Zugänge zu den Plätzen abgesperrt.

Festzelt: Der Einladung zum Zunftmeisterempfang auf dem Marktplatz waren etwa Landrat Edgar Wolff, die SPD-Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens und der SPD-Landtagsabgeordnete Peter Hofelich gefolgt.


Oberbürgermeister Guido Till wollte die närrischen Tage nach Angaben von Pressesprecher Olaf Hinrichsen „voraussichtlich im Schnee verbringen“ und war daher nicht anwesend. Das sorgte bei der 1. Narrenzunft Göppingen wiederholt für Enttäuschung: „Ich würde mir wünschen, dass er anwesend ist“, sagte Ehrenzunftmeister Daniel Paasch. In anderen Kommunen sei der Bürgermeister immer dabei, um die  Gäste von weit her zu begrüßen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Fasnet im Kreis Göppingen

Die Narren übernehmen in der fünften Jahreszeit die Herrschaft im Landkreis Göppingen.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Kugelbahnen sind der Geschenke-Renner

Weihnachten steht bevor und viele  sind auf der Suche nach Geschenken. Göppinger Geschäfte sind für den Ansturm gewappnet. weiter lesen