Eine Tänzerin baut Brücken

Eine Außenklasse der Göppinger Bodelschwinghschule ist gut integriert an der Meerbach-Grundschule Bartenbach - auch beim Tanzprojekt, in dem Kinder mit und ohne Handicap sich in der Bewegung neu erfahren.

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Die 20-jährige Laura Brückmann (im schwarzen Outfit) beim Tanz mit den Bartenbacher Grundschülern und den Bodelschwinghschülern. Die junge Frau hat die Fähigkeit, andere zur Bewegung zu animieren. In der Grundschule funktioniert die Integration der Kinder mit Behinderung gut. Foto: Margit Haas

Raus aus dem Klassenzimmer und dann schnell umziehen - und schon geht es in die Turnhalle gleich neben der Schule. Die Schüler der Klasse 2a der Meerbach-Grundschule in Bartenbach freuen sich sichtlich auf die ganz besondere Unterrichtsstunde mit Suse Spieth. Die erfahrene Tanzpädagogin und Sporttherapeutin kommt seit Anfang des Schuljahres jede Woche nach Bartenbach zu einem ganz besonderen Tanzprojekt. "Ich will den Kindern Körper- und Raumerfahrung vermitteln, den Bewegungsgrundformen Gehen, Laufen, Hüpfen oder Springen eine tänzerische Gestalt geben", erklärt die Plochingerin, die auch in Göppingen eine Tanzschule betreibt.

Zudem "entwickeln die Kinder im gemeinsamen Tanzen ein Gruppengefühl und erleben, dass Tanzen sehr viel mehr ist als Schritte zu lernen." Das Erlernen der Choreographie trainiert zudem das Gedächtnis. Nach einer kleinen Aufwärmrunde kommt als erstes die vielleicht schwerste Aufgabe des Vormittags: "Bewegt Euch ganz langsam, wie in Zeitlupe". Das fällt den Kindern offensichtlich schwer, auch der Hand voll Schüler der Außenklasse der Bodelschwinghschule Göppingen, die bereits das zweite Schuljahr in den Schulalltag der Meerbach-Grundschule integriert ist. "Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht", stellt die Klassenlehrerin der 2a, Ingrid Wietschorke, fest. Immer wieder erlebt sie, dass "die Kinder ganz ohne Vorbehalte aufeinander zugehen".

Sowohl die Kinder mit als auch die ohne eine Behinderung profitieren vom gemeinsam Schulbesuch, bestätigt die Pädagogin. Denn die behinderten Kinder schauen sich von den anderen viel ab und erhalten neue Impulse. Und die Kinder ohne Behinderung setzen sich mit dem Thema Behinderung aktiv auseinander.

Das macht das Tanzprojekt augenscheinlich. Eine Schülerin der Bodelschwinghschule ist an diesem Vormittag besonders schüchtern und bleibt einfach inmitten der vielen tanzenden Kinder stehen. Prompt wird sie an die Hand genommen und einfach mitgezogen. Sie kann gar nicht mehr anders als wieder mitzutanzen. Und schon ruft Suse Spieth die Klasse wieder zusammen und fordert sie auf, den ersten Tanz zu tanzen. "Wisst Ihr noch, wie es geht?"

Alle, die vielleicht den einen oder anderen Teil der Choreographie vergessen haben, können bei Laura Brückmann abspickeln, welche Schrittfolge als nächstes kommt. Die 20-Jährige macht derzeit eine Ausbildung zur Tanzassistentin. Sie ist selbst behindert und habe "eine unnachahmliche Art zu tanzen, die andere animiert, aus sich herauszugehen", beobachtet Suse Spieth regelmäßig.

Auch an diesem Vormittag schafft Laura Brückmann es durch ihren Tanz und ihre offene Art, die Bartenbacher Klasse mit ihrer Freude am Ausdruck zur Musik anzustecken, sie dazu zu bringen, ihre Gefühle in Bewegung auszudrücken. Und auch zu vermitteln, dass zu einer gemeinsamen Choreographie auch Disziplin gehört, so Spieth. "Jetzt studieren wir einen neuen Tanz ein mit einer ganz schweren Choreographie" - und dann ist die Unterrichtsstunde auch schon wieder vorbei.

Die Kinder ziehen sich wieder um und helfen sich auch dabei gegenseitig. "Die Kinder mit Behinderung werden sehr selbständig und stellen höhere Ansprüche an sich. Das eigene Zutrauen wächst", stellt Marianne Lindmaier, die Klassenlehrerin der Außenklasse der Bodelschwinghschule fest. "Sie wollen nicht mehr so betüttelt werden", ergänzt Ingrid Wietschorke. Und dann sammeln beide die Rasselbande wieder ein für die nächste Unterrichtsstunde.

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