Eine alte Dame unter Verdacht

Weil sie eine alte Dame zu Unrecht verdächtigt haben sollen, ihr Auto beschädigt zu haben, standen am Montag ein Mann und eine Frau vorm Amtsgericht.

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Wenns um ihr Auto geht, verstehen viele Menschen keinen Spaß. So wie ein 27-Jähriger aus dem Schurwald, der von seinem Anwalt am Montag als "nebenberuflicher Unfallfotograf" bezeichnet wurde. Er musste sich gemeinsam mit einer 38-jährigen Frau aus Hattenhofen vor dem Amtsgericht verantworten, der Vorwurf: falsche Verdächtigung.

Im Sommer standen die beiden an einer Einmündung der Albershauser Straße in Hattenhofen, vor ihnen wartete eine 82-Jährige aus Albershausen in ihrem Mercedes. Unstrittig war, dass die Fahrzeugfront ein wenig auf die Schlierbacher Straße ragte. Weil sich ein anderes Auto näherte, stieß die betagte Dame ihren Wagen ein wenig zurück. So weit stimmten die Geschichten überein.

Die 82-Jährige und ein als Zeuge geladener Busfahrer beteuerten, der Mercedes habe den Wagen des 27-Jährigen nicht berührt. Was der Mann und seine Begleiterin aber anders wahrgenommen hatten: Sehr wohl seien die Fahrzeuge kollidiert, sogar zwei Mal. Später habe ein Gutachter eine Delle am Nummernschild festgestellt, zudem hätten sie beide im Kirchheimer Krankenhaus ein sogenanntes "Halswirbelsäulen-Syndrom" (HWS-Syndrom) attestiert bekommen. Wobei sich am Montag nicht feststellen ließ, ob die Diagnose aufgrund von Röntgenbildern zustande kam oder lediglich auf der Aussage der vermeintlichen Unfallopfer fußte, die über Schmerzen geklagt hatten.

Seniorin setzte Fahrt fort 

Jedenfalls hatte die 82-Jährige ihre Fahrt wieder fortgesetzt, nachdem sie - so die Aussage des Busfahrers - von den beiden Angeklagten lautstark beschimpft worden sei. Zudem hatte der 27-Jährige seine Kamera ("Er hatte so einen Riesenfoto") ausgepackt und alles fotografiert. Die Bilder lagen am Montag jedoch nicht vor, weil die Dateien angeblich zu groß waren, um per Mail versendet werden zu können, wie der Anwalt berichtete. Der Busfahrer riet der Dame zum Weiterfahren, es sei ja nichts geschehen.

Das sahen die beiden Jüngeren anders, sie riefen die Polizei. Doch dem ermittelnden Beamten kam die Sache recht bald spanisch vor, er rief den Staatsanwalt an - und der forderte ihn auf, nicht wegen Fahrerflucht gegen die alte Dame zu ermitteln, sondern vielmehr wegen falscher Verdächtigung gegen den Umfallfotografen und seine Begleiterin.

"Nach der bisherigen Beweisaufnahme halte ich den Sachverhalt für nicht geklärt", sagte Amtsrichterin Friederike Späth gegen Ende der knapp zweistündigen Verhandlung, während der sie immer wieder länger in den Akten gelesen hatte. Einig waren sich Staatsanwalt und Verteidigung, dass ein solch minimaler Aufprall - falls er denn überhaupt stattgefunden hatte - niemals zu einem HWS-Syndrom führen könne. Aber auch die Staatsanwaltschaft wollte nun nicht "das ganz große Fass aufmachen". So stimmten schließlich alle Prozessbeteiligten Späths Vorschlag zu, das Verfahren einzustellen - die Angeklagten müssen ihre Kosten selbst tragen.

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