Ein zentraler Ort für Notfälle

Seit einem halben Jahr wird an einem Konzept getüftelt, jetzt ist das Modell so gut wie in trockenen Tüchern: Spätestens im Sommer soll ein zentraler Notfalldienst in der Klinik am Eichert in Göppingen starten.

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Quälender Husten, schmerzhafte Blasenentzündung, schlimmer Hexenschuss oder plötzlich hohes Fieber: Eine Krankheit kommt manchmal unverhofft oder verschlimmert sich zusehends. Dann wird der Arztbesuch am Wochenende oder an einem Feiertag notwendig. Bisher ist es so, dass die Patienten zum diensthabenden Arzt in dessen Praxis gehen. Häufig reicht ein Medikament oder eine Wundversorgung, um dem Kranken zu helfen. In schwerwiegenden Fällen überweist der Mediziner ihn ins Krankenhaus.

Künftig werden Menschen mit akuten Beschwerden nur noch eine Anlaufstelle haben: Vertreter der Kreisärzteschaft und die Geschäftsführung der Kreiskliniken haben einen Arbeitskreis gegründet und sich nach vielen Diskussionsrunden darauf verständigt, eine Notfallpraxis in der Klinik am Eichert einzurichten. Die Verträge sind noch nicht unterzeichnet, das Konzept steht jedoch weitestgehend. "Es müssen noch Details geprüft werden", sagt Dr. Emil Frick, stellvertretender Vorsitzender der Kreisärzteschaft. Um das Modell juristisch abzusichern, soll ein Verein gegründet werden. "Das geht nicht von heute auf morgen", fügt Dr. Hans-Joachim Dietrich, Chef der Kreisärzteschaft, hinzu. Wenn alles wie am Schnürchen läuft, könnte die Notfallpraxis am 1. April eröffnen - "auf jeden Fall jedoch im ersten Halbjahr 2012", sagt Dietrich.

Zunächst soll das Modell für die Stadt Göppingen und ihre Stadtbezirke an der Klinik am Eichert etabliert werden. "Geislingen soll zeitnah folgen", erklärt Frick. Ziel sei eine flächendeckende Versorgung, das bedeutet dass Patienten aus dem ganzen Kreis künftig zentral in den Notfallpraxen an der Klinik am Eichert oder in der Helfenstein-Klinik behandelt werden. "Dazu müssen Notfallbezirke zusammengelegt werden, um das Ganze rationeller zu machen", erklärt Dietrich. Dabei gehe man davon aus, dass eine Fahrtzeit von 20 bis 30 Minuten für die Patienten machbar sei. Der zentrale Notfalldienst soll zunächst nur an den Wochenenden und an Feiertagen eingerichtet und von Allgemeinmedizinern und Internisten personell gestemmt werden. An den Werktagen bleibt alles wie gehabt. In nicht aufschiebbaren Fällen werden Hausbesuche gemacht.

Nach Ansicht der Ärzte liegen die Vorteile des Konzepts auf der Hand: "Für den Patienten gibt es nur noch diese eine Stelle vor Ort. Die qualitative Versorgung ist damit top, die Ärzte sind kontinuierlich präsent", meint Frick, der zusammen mit Dr. Frank Genske die Neustrukturierung federführend organisiert und viele Gespräche mit dem Geschäftsführer der Kreiskliniken, Professor Jörg Martin, geführt hat. "Alle Patienten melden sich an der zentralen Notaufnahme, die schweren Fälle kommen dann direkt in die Klinik", erklärt Martin. Sei eine Röntgenaufnahme und eine Laboruntersuchung notwendig, könne dies gleich vor Ort gemacht werden. "Dem Patienten bringt das Riesenvorteile", fasst der Klinikenchef zusammen. "Wir freuen uns drauf." Umbauen müsse die Klinik nicht, die Ambulanzräume reichten aus.

Ohne Not haben die Ärzte im Landkreis die Umstrukturierung jedoch nicht angepackt. Bis zum 1. Januar 2013 sollen diese Notfallpraxen flächendeckend in Baden-Württemberg eingeführt werden. So will es der Gesetzgeber. Viel Zeit bleibt also nicht, um das neue Modell auf die Beine zu stellen. Umso mehr sind alle Beteiligten froh, dass die Zusammenarbeit reibungslos funktioniert hat - auch wenn Frick kein Hehl daraus macht, dass manche Ärzte Vorbehalte haben.

Eine interdisziplinäre, zentrale Notaufnahme (ZNA) im Erdgeschoss der Göppinger Klinik am Eichert gibt es bereits seit drei Jahren. Deren Leiterin, Dr. Katja Mutter, war auch bei den Gesprächen für die Einrichtung einer Notfallpraxis dabei. In der ZNA werden sich künftig alle Patienten melden und dann weitergeleitet - je nach Schwere der Erkrankung. "Das wird sicherlich eine gute Sache", ist der Chef der Kreisärzteschaft überzeugt.

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