Ein ständiges Kommen und Gehen

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Freitagabend gegen 21 Uhr. Für die einen beginnt das Wochenende, für die anderen der Dienst – so wie in der Notaufnahme in den Alb-Fils-Kliniken. In der Wartezone verteilen sich 13 Menschen auf den Sitzen. Im „Flur-Wartezimmer“ sind alle Plätze besetzt. Einer Frau auf einer Liege scheint es nicht so gut zu gehen, eine Infusionsnadel steckt in ihrem Handrücken. Unbekannte Wortfetzen dringen vom Schalter ans Ohr. Es ist polnisch. Die geduldige Dame hinterm Schalter möchte wissen, wann der Arbeitsunfall passiert ist. Gut, dass ein Begleiter beider Sprachen mächtig ist und alles übersetzt. Trotzdem dauert es, bis alle Formalitäten erledigt sind. Zwischendurch geht die Mitarbeiterin ans Telefon. Während sie spricht, klingelt der Apparat an dem unbesetzten Schalter daneben. Multitasking ist angesagt.

Am Schalter fertig, sucht sich irgendwie jeder eine freie Ecke, wo man sitzen kann, ohne seinem Nachbarn zu nahe auf die Pelle zu rücken. Weiß man, was der oder die hat? Wie die Frau zum Beispiel, die ständig husten muss. Ein Vater wartet mit seinen etwa vier Jahre alten Zwillingen. Die Mädchen drücken ihre  Kuscheltiere an sich, schmiegen sich an ihren Papa. Eine gähnt  und fragt: „Wann gehen wir heim?“ Mit ruhiger Stimme erklärt der Papa: „Wir müssen erst deinen Fuß röntgen, dann gehen wir heim.“

Mit Zucker“ wird plötzlich die Stille in der Wartezone unterbrochen. Ein Mann lässt seiner Partnerin einen Cappuccino aus dem Automaten raus, die Frau ist im Gesicht verletzt. Sie scheint keine Schmerzen zu haben, denn die Konversation mit ihrem Begleiter sowie einem gegenüber sitzenden jüngeren Paar klappt ganz gut. Kein Wort fällt dagegen zwischen zwei Senioren – sind bestimmt schon lange verheiratet. Er benötigt eine Gehhilfe, sie schaut ein wenig mürrisch.

Weiter entfernt beschäftigt sich ein älterer Herr intensiv mit seinem Smartphone, muss was Interessantes sein, da sein Blick nie abweicht. „Eine 57-jährige Frau hat eine akute Appendizitis, wir brauchen einen Anästhesisten“, ertönt eine Stimme, als die Türe zu den Untersuchungszimmern offen steht. Von dort tritt ein Paar heraus, das schnellen Fußes in Richtung Ausgang eilt. Blinddarmentzündung – ob das die Frau auf der Liege ist?

Ständig kommen neue Hilfesuchende und Zdenka Tusek, die Frau hinter der Glaswand, bleibt bei jedem freundlich. Seit 42 Jahren arbeitet sie in der Klinik, seit einiger Zeit in der Notaufnahme. An diesem Freitag hat sie noch neun Stunden Nachtschicht vor sich.

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