Ein Pilz bedroht die Esche

Ein Eschensterben in den Waldregionen bereitet Forstleuten im Kreis Sorge. In welcher Weise sich ein Pilzerreger verbreitet und wie er Schaden anrichtet, ist zwar bekannt - aber: Es gibt kein Gegenmittel.

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  • Ein Pilz macht der Esche zu schaffen: In vielen Wäldern gibt es abgestorbene Bäume. Die Entwicklung wird von Kommunalpolitikern (linkes Bild) und Forstleuten mit Sorge beobachtet. Sichtbares Zeichen für geschädigte Bäume sind verdorrte Blätter. 1/2
    Ein Pilz macht der Esche zu schaffen: In vielen Wäldern gibt es abgestorbene Bäume. Die Entwicklung wird von Kommunalpolitikern (linkes Bild) und Forstleuten mit Sorge beobachtet. Sichtbares Zeichen für geschädigte Bäume sind verdorrte Blätter.
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Kreis Göpping - Im vergangenen internationalen Jahr des Waldes machte die Esche den Forstleuten Sorgen. Eine aggressive Pilzart mit dem Namen "pseudoalbidus" ("Falsches weißes Stängelbecherchen") befiel die Bäume und ließ sie von oben nach unten langsam absterben. Insbesondere die Jungtriebe seien von den schädlichen Sporen befallen, die aus Polen und dem Baltikum kommend, nun auch unsere Region erreicht haben, erklärt dazu Diplomforstwirt Carsten Hertel. Der 27-jährige Forstexperte vom Forstamt Göppingen hat mit Revierförster Rainer Geiger eine gewisse Schädigung auch im Türkheimer Wald ausgemacht und diese bei einer Waldbegehung gezeigt. Die Schädigung der Jungtriebe ist für den Waldbesucher deutlich erkennbar, sofern er sich mit dem Erscheinungsbild des Schädlings zuvor vertraut gemacht hat.

Wie alle Pilzarten, bevorzugt auch dieser Erreger ein feuchtes Klima. So war der relativ regenreiche Sommer des vergangenen Jahres für seine Fruchtkörperbildung die ideale Voraussetzung, sich schneller vermehren und verbreiten zu können. Auch im Stauferkreis kam es zu einer besorgniserregenden Entwicklung. Bei der landesweiten, flächenmäßig klassifizierten Schadenserhebung von Baden-Württemberg wurde auch der Kreis Göppingen erfasst. Je nach Eschenanteil in den jeweiligen Waldregionen sind Schäden sehr voneinander abweichend. Ein Schwerpunkt ist beispielsweise im Stadtwald von Göppingen mit einem Befallsgrad von 30 bis 50 Prozent auf 30 Hektar zu verzeichnen. Und während das flächenmäßige Auftreten des Pilzbefalls in den Geislinger Wäldern mit bis zu zehn Prozent angegeben wurde, hat sich der besagte Pilz bei den Eschen im Wiesensteiger Wald bereits flächendeckend mit einem Befallsgrad von 50 Prozent ausgebreitet. Das Obere und Untere Filstal seien hier besondere Schwerpunkte, erläutert Hertel die Gesamtsituation im Kreisgebiet.

Die Sporen, die sich im Eschenlaub des Vorjahres in den Sommermonaten entwickeln, seien sehr leicht und über weite Strecken mit dem Wind unterwegs, erklärt der Forstmann weiter, der bei seiner Studienarbeit in Sachsen bereits viel früher Erfahrungen mit diesem Schadensverursacher gemacht hat. Der ansonsten einsetzende Schutzmechanismus eines vorzeitigen Blattabfalls bei den befallenen Bäumen, auf dessen Blättern sich die Pilzsporen festgesetzt und entwickelt haben, blieb bei diesem aggressiven Schlauchpilz wirkungslos. So manchem ist dabei das Ulmensterben noch in Erinnerung, das diese Baumart nahezu ausgerottet hat.

Offensichtlich hat es der neue Erreger geschafft, relativ schnell vom Blatt in den Trieb der Esche zu gelangen und diesen absterben zu lassen. In dem Bereich, in dem der betreffende Zweig des Baumes oder der Jungpflanze befallen wurde, tritt eine rötlich braune Färbung ein. Vor allem die heranwachsenden Jungtriebe der Esche, als wichtige Baumart im Verbund zu anderen Baumarten, sind dabei in ihrem Wachstum gestört. Charakteristisch für die Erkrankung ist, dass sich die welken Blätter noch lange an dem geschädigten Trieb befinden und nicht natürlich abfallen.

Ein weiteres Merkmal ist, dass der Stamm nicht gerade nach oben auswächst, sondern sich mit einem schräg verlaufenden Wachstumsbild zum "Baumkrüppel" entwickelt und somit später nicht mehr als nutzbares Stammholz Verwendung finden wird. Dies kann auch nur geschehen, wenn die Jungpflanze den Befall überhaupt überlebt. Anders stellt sich der Krankheitsverlauf bei Altbäumen dar. Dort ist die Schädigung an der Baumkrone zu erkennen. Es bilden sich büschelartige Ersatztriebe, die sich vom gewohnten Erscheinungsbild der Baumkrone einer gesunden Esche unterscheiden.

Die Mischung und Vielfalt an Jungtrieben seien entscheidend für eine nachhaltige Waldwirtschaft, nennt der Jungförster die besorgniserregende Dezimierung dieser wertvollen Baumart, die in der Regel 20 Prozent des gesamten Baumbestandes in unseren heimischen Mischwäldern ausmache. In Infektionsversuchen habe sich bisher nur die Blumenesche, so die wissenschaftliche Erhebung, als resistent gezeigt.

Gerade im Hinblick auf die immer klarer erkennbar werdende Klimaveränderung sei es wichtig, möglichst eine Vielzahl an Baumarten zur Naturverjüngung heranzuziehen. Man wisse nicht, wie einzelne Baumarten künftig auf bestimmte Schadstoffeinflüsse reagieren und sich als nachwachsender Rohstoff verhalten werden. Monokulturen könnten dadurch entstehen mit der Ungewissheit, ob nicht auch diese dann anfällig auf ein bis dahin verändertes Klima sein könnten. Der Wald wäre damit in seiner Gesamtheit gefährdet, so das Resümee des jungen Forstmannes.

Der Leiter des Forstamtes Göppingen, Martin Geisel, beschreibt die augenblickliche Situation so, dass es derzeit kein geeignetes Mittel einer wirksamen Bekämpfung gegen diesen Erreger gäbe, der sich aus einem bis dato harmlosen Besiedler von abgefallenen Eschenblattstielen zu dieser aggressiven Pilzart entwickelt hat.

Info www.eschentriebsterben.org www.Landratsamt-Göppingen.de

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