Ein Pfeil für Präsident Snow

"Mockingjay - Teil 2", der letzte Film der Panem-Serie um die Bogenschützin Katniss Everdeen und ihre Rebellentruppe, zündet ein effektvolles Feuerwerk. Leider fällt das Ende recht lieblos und konventionell aus.

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Katniss (Jennifer Lawrence) macht sich lieber alleine auf den Weg, um gegen das Kapitol zu kämpfen.  Foto: 

Man wird es vermissen, das langzähnige Haifischlächeln von Donald Sutherland. Dem von ihm verkörperten Diktator Snow, dem Erfinder der live im Fernsehen übertragenen Hungerspiele, während derer sich Jugendliche bis auf den Tod bekämpfen müssen, schlägt im letzten Akt der "Tribute von Panem"-Reihe das letzte Stündlein. Aber man wird auch seine Gegner vermissen, allen voran Jennifer Lawrence als Katniss Everdeen: Eine Amazone, die gerne zagt und zaudert, aber dann doch den Pfeil aus dem Köcher zieht, um für die gerechte Sache zu töten. In Mini-Auftritten und mit knackigen Sätzen ist außerdem der "Spielmacher", der 2014 verstorbene Philip Seymour Hoffman, noch einmal zu sehen.

Die "Panem"-Verfilmungen nach den Jugendromanen von Suzanne Collins haben Millionen Fans gefunden, allein der dritte Teil spielte weltweit rund 750 Millionen Dollar ein. So bekräftigt "Mockingjay - Teil 2" noch einmal, was dieses Epos aus anderen Fantasy-Spektakeln hervorhebt: markante Figuren, die mit ziemlicher Dialogwucht über Leben und Tod, Politik und Moral verhandeln. Dazu kommt die Verschmelzung von Action, Coming-of-Age-Drama und Mediensatire, durchsetzt mit Anspielungen auf Antike, Totalitarismus und Zeitgeschichte. Kurz, eine Inszenierung, in der scheinbar niemand je Angst davor hatte, das Teeniepublikum intellektuell zu überfordern - und die trotz ihrer dramatischen "Blut, Schweiß und Tränen"-Stimmung stets Drive besitzt.

Kompromisslos und ohne Erklärung wird man mitten ins komplizierte Geschehen der düsteren Endzeit-Stimmung von Panem geschubst. Zwischen dem Kapitol, in dem sich der kaltherzige Snow mitsamt der dekadenten Elite von Panem verschanzt hat, und den unterdrückten Distrikten herrscht mittlerweile ein offener Bürgerkrieg. Die Rebellenführerin Coin will Katniss medienwirksam zum Gesicht der Revolution stilisieren.

Doch der ehrlichen Katniss sind Propagandaposen genau wie strategische Hinterlist ein Graus. Vor allem aber um weitere Tote zu vermeiden, setzt sie sich von der Rebellengruppe ab und will selbst den Tyrannenmord an Diktator Snow verüben. Dabei bekommt sie Unterstützung von anderen Weggefährten, darunter ihr Jugendfreund Gale (Liam Hemsworth) und Peeta (Josh Hutcherson), den sie während der Hungerspiele kennenlernte und der immer noch unter der Gehirnwäsche des Diktators leidet. Bei der Überwindung der tödlichen Fallen auf dem Weg zum Kapitol wird die ganze Stadt, von Überwachungskameras des Diktatoren-Fernsehens ausgeleuchtet, zur Arena.

Das sieht, angefangen in der im Beton-Brutalismus der 60er Jahre gehaltenen, zerbombten Metropole, über klaustrophobische Untergrundtunnel bis hin zum surrealen Palast, ziemlich großartig aus. Mit Panem haben die Setdesigner eine unverwechselbare düster-coole Welt geschaffen. Und Katniss Everdeen, die narrenfreie Radikale, die mal als getriebener Zauberlehrling und mal als beherzte Anführerin auftritt, ist und bleibt eine spannende Frauenfigur. Ihre innere Zerrissenheit (und auch ihre Wahl eines Mannes, der so wirkt, als könne er generell mit Frauen wenig anfangen) dürfte künftig manchem Film- und Genderseminar Diskussionsstoff liefern.

Umso bedauerlicher ist deshalb der enttäuschende Showdown. Trotz des Auswalzens des Finales auf zwei Filme kommen überraschende Wendungen allzu hastig und psychologisch unglaubwürdig daher. Am Schluss wird das Mädchen, das nie mitspielte und stets die Regeln brach, dann doch an die Konventionen eines billigen Happy-Ends verraten.

Auf einen Blick vom 19. November 2015

Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2

USA 2015, 137 Min., FSK 12

Regie: Francis Lawrence

Darsteller: Jennifer Lawrence, Julianne Moore, Donald Sutherland, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth

Kurzinhalt Mehr als drei Jahre nachdem der erste "Tribute von Panem"-Film in die Kinos gekommen ist, geht die Filmsaga zu Ende. Die toughe Bogenschützin Katniss tritt mit ihren Mitstreitern an, um Präsident Snow zu entmachten. Die Rebellion fordert ihre Opfer. Ist im Krieg alles erlaubt? Das ist eine der Fragen, die der Film aufwirft.

Jennifer Lawrence Die 25-jährige US-amerikanische Schauspielerin ist maßgeblich am Erfolg der Reihe beteiligt. Ihren Durchbruch hatte sie 2010 mit ihrer Rolle der 17-jährigen Ree Dolly in "Winter's Bone", für die sie bereits eine Oscar-Nominierung erhielt. 2012 spielt sie erstmals Katniss in "Die Tribute von Panem". Den Oscar als beste Hauptdarstellerin bekommt sie aber 2013 für ihre Rolle in "Silver Linings". 2014 wird sie als beste Nebendarstellerin in "American Hustle" nominiert. Laut Forbes ist sie die bestverdienende Schauspielerin 2015.

SWP

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