Ein Netz von Ehrenamtlichen hilft Asylbewerbern beim Neuanfang

Die Zahlen der neu ankommenden Asylbewerber sinkt. In der Stadt Göppingen hat sich ein festes Netz an Helfern etabliert und hilft beim Zurechtkommen. Mangel herrscht aber noch an Kindergartenplätzen.

|
Die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge, die in der Stadt Göppingen, wie hier in der Pappelallee, ein Dach über dem Kopf brauchen, sinkt. Das lässt Hoffnung auf schnellere Integration, auch wenn es mancherorts noch klemmt.  Foto: 

Erst in den vergangenen drei Monaten ist der Zustrom von Flüchtlingen in die Stadt Göppingen spürbar abgeebbt. Waren es in den ersten sechs Monaten des Jahres noch 1222 Bewohner, die in den Gemeinschaftsunterkünften neu aufgenommen werden mussten, ist der Zahl seither deutlich gesunken, auf 104 im Juli, 51 im August und nur noch 15 im September. So steht es im Sachstandsbericht der Stadt Göppingen, der am Donnerstag im Ausschuss für Soziales und Schulen vorgestellt wurde. Dennoch sind die Unterkünfte voll belegt, weil die Bearbeitung der Asyl-Anträge oft länger dauert, als gedacht, erklärt Sandra Corveleyn. Sie koordiniert die Flüchtlingsarbeit der Stadt, kümmert sich aber auch um Beschwerden aus der Bevölkerung.

Mittlerweile haben die ehemaligen Flüwo-Wohnblocks im Bodenfeld mit derzeit 250 Bewohnern die Pappelallee als größte Gemeinschaftsunterkunft abgelöst. Die am stärksten vertretenen Herkunftsländer sind immer noch Syrien, Irak und Afghanistan. 39 Prozent der Bewohner in den Göppinger Unterkünften sind Frauen.

Etwa 130 bis 150 Ehrenamtliche Helfer in neun eigens eingerichteten Arbeitskreisen und vielen bestehenden Organisationen kümmern sich um die Flüchtlinge – vom Familienpaten bis zum Sprachhelfer. Das hat dazu beigetragen, dass die Flüchtlinge auch schneller den Schritt in die Normalität anpeilen können. Teil dieser Normalität ist auch der Besuch eines Kindergartens. Von den 66 Kindern zwischen drei und sechs Jahren besucht gut die Hälfte einen Kindergarten, berichtete Corveleyn. In manchen Fällen müsse dazu „ein Schritt extra gegangen“ werden, um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.

Derzeit ist die Stadt bei der Kinderbetreuung auf einer Durststrecke, wie Ulrike Haas, Leiterin des Referats Kinder und Jugend, einräumte. Die Flüchtlingsfamilien seien aber sehr am Besuch der Kindergärten interessiert, so Haas.

In dem Bericht wurde auch deutlich: Die Hilfsbereitschaft der Menschen und die Unterstützung der Stadtverwaltung ist nicht selbstverständlich: „Im Vergleich mit anderen Städten und Landkreisen sind wir vorbildlich“, befand Christian Stähle (Lipi-Fraktion).

Wenn der Asylantrag erfolgreich war, müssen die Flüchtlinge sich eine eigene Wohnung suchen. Weil das aber nicht immer auf die Schnelle klappt, bleiben einige vorübergehend in den Gemeinschaftsunterkünften, erklärte Sandra Corveleyn. Da die Immobilien in der Regel der städtischen Tochtergesellschaft Wohnbau gehören, wäre doch ein fließender Wechsel in eine Wohnung denkbar, meinte Jürgen Schaile (FDP/FW). Das sei jedoch nur in Einzelfällen möglich, so Sandra Corveleyn. Eher selten ist auch der reibungslose Wechsel in einen festen Job nach bestandener Sprachprüfung. Und das, obwohl die Flüchtlinge „heiß aufs Arbeiten sind“, wie die Flüchtlingsbeauftragte berichtete. Vieles laufe jedoch im Bereich Praktika.

Wo Flüchtlinge in Göppingen wohnen:

Julius-Keck-Straße, Bodenfeld: 250
Pappelallee: 200
Hermannstraß: 105
Obere Gartenstraße: 63
Dr. Paul-Goes-Weg: 48
Nördliche Ringstraße: 42
Pearl-S.-Buck-Straße: 19
Robert-Mayer-Weg: 12
Eichertstraße: 11
Jebenhausen: 25
Bezgenriet: 21

Stand: 14. September 2016

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Das Thema Asyl beschäftigt auch den Landkreis Göppingen und seine Kommunen.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Mehrheit lehnt Messstelle an der Sternkreuzung ab

Die Mehrheit im Göppinger Gemeinderat hat eine Messstelle für Luftschadstoffe an der Sternkreuzung abgelehnt. Auch die Verwaltung war dagegen. weiter lesen