Eduard Fuchs machte die Karikatur in Deutschland salonfähig

Er saß wegen Majestätsbeleidigung mehrfach im Gefängnis, war ab 1901 Redakteur bei der Zeitung "Vorwärts" und gab satirische Zeitschriften heraus. Vor 145 Jahren wurde Eduard Fuchs in Göppingen geboren.

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  • Eduard Fuchs machte sich einen Namen als politischer Karikaturist, berühmt aber wurde er durch seine mit süffigen Bildern illustrierte Sittengeschichte, die in der Berliner Reichstagsbibliothek zeitweise das am meisten ausgeliehene Buch war. 1/2
    Eduard Fuchs machte sich einen Namen als politischer Karikaturist, berühmt aber wurde er durch seine mit süffigen Bildern illustrierte Sittengeschichte, die in der Berliner Reichstagsbibliothek zeitweise das am meisten ausgeliehene Buch war.
  • Eduard Fuchs, gemalt von Max Slevogt, 1905. 2/2
    Eduard Fuchs, gemalt von Max Slevogt, 1905. Foto: 
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"Ich schätze Eduard Fuchs deswegen, weil er die Karikatur in Deutschland salonfähig gemacht hat", sagt Fritz Weigle alias F.W. Bernstein, der in Berlin an der Universität der Künste (UDK) bis 1999 die einzige Professur im Bereich Karikatur in Deutschland innehatte. Insider kennen natürlich Eduard Fuchs, der 1870 in Göppingen geboren wurde und 1940 in Paris starb, während er dem allgemeinen Publikum eher unbekannt geblieben ist.

Nach dem Terroranschlag auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" in Paris rückt der Göppinger wieder ins Blickfeld. Für ihn war die Karikatur immer ein Kampfmittel gegen Ungerechtigkeit. Es ging Fuchs um den Kampf "von denen da unten gegen die da oben", wobei schon auch die Komik wichtig war, sich aber dem Ziel Kampf unterordnen sollte.

Weigle sagt, Fuchs könnte bei den heutigen politischen Karikaturen von Charlie Hebdo durchaus mitgehen. Allerdings gebe es in Frankreich eine lange Tradition der Karikatur, die Franzosen seien frecher in ihren Unverschämtheiten gegenüber Religion und Politik, als dies in Deutschland der Fall sei. Ihre dreiste Komik kann sich gegen alles und jeden wenden.

Eduard Fuchs war ab 1886 Mitglied der verbotenen Sozialistischen Arbeiterpartei, organisierte in München die Maifeiern, die zuvor wohl etwas muffig gewesen waren, und brachte die Karikatur, die er aus Frankreich kannte, quasi als Kampfmittel nach Deutschland. Er war Herausgeber der satirischen Zeitschrift "Süddeutscher Postillon" und gab selbst Karikaturen in Auftrag.

Fuchs hat viel veröffentlicht - mal ging es um Frauen, mal um Ärzte oder Juristen in der Karikatur, sein Hauptwerk wurde "Die europäische Sittengeschichte" mit vielen Nackedeis. Er war geschätzt, aber auch angefeindet. Die kulturhistorische, mit süffigen Bildern illustrierte Sittengeschichte wurde als Edelporno gehandelt und war in der Reichstagsbibliothek das am meisten ausgeliehene Buch. Durch dieses Buch wurde Fuchs reich und konnte sich in Berlin eine Villa bauen.

Seine Bücher waren vorzüglich gedruckt, außerdem war Fuchs ein großer Sammler, sei es chinesisches Kunstgewerbe, expressionistische Werke von Liebermann und Slevogt oder Lithographien von Honoré Daumier. Fuchs war Journalist, Schriftsteller, Historiker und marxistischer Kulturwissenschaftler. Er kannte Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, arbeitete für die Zeitung "Vorwärts" und unterstützte die Kommunisten. 1933 musste er vor den Nazis fliehen, die seine Sammlung beschlagnahmt hatten.

1940 starb Eduard Fuchs in Paris. Sein Biograph Ulrich Weitz (Der Mann im Schatten - Eduard Fuchs, 2014) hat es sich zur Aufgabe gemacht, sich um die Raubkunst zu kümmern. Buchbände von Eduard Fuchs sind heute noch antiquarisch zu erwerben. Walter Benjamin hat über Fuchs einen Aufsatz geschrieben, was quasi posthum einem Ritterschlag gleichgekommen sei, wie Fritz Weigle meint, der ebenfalls aus Göppingen stammt. Weigle hat in seinem Lyrikband "Die Gedichte - und zwar alle", der 2003 erschienen ist, dem Göppinger Eduard Fuchs eine biographische Ballade als Hommage gewidmet.

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