Durchbruch dank moderner Maschinen

Schuler-Pressen? "Ja, das ist mir ein Begriff" heißt es nicht nur in Göppingen, sondern sogar weltweit. Bis heute prägt Schuler neben allerlei Währungsmünzen auch die Göppinger Wirtschaft.

|
Göppingen ehrte seinen berühmten Sohn Louis Schuler und benannte 1929 im Hailing eine Straße nach ihm. Foto: Staufenpress

"Rund 5500 Mitarbeiter weltweit gehören heute zum Schuler-Konzern", führt Unternehmenssprecher Ingo Schnaitmann aus. Die Standorte sind verteilt auf 15 Länder in fast allen Kontinenten. Alleine in Göppingen arbeiten etwa 1200 Menschen. Doch der Geburtsort des Welt-Unternehmens lag in einer kleinen Schlossereiwerkstatt in der Sauerbrunnenstraße in Göppingen. Sie hatte Georg Ludwig Schuler, genannt Louis, gegründet.

"Johann Georg Wörner und seine Ehefrau verkaufen stat und vest samt allen Rechten und Beschwerden an Ludwig Schuler dahier", beginnt der im Göppinger Stadtarchiv aufbewahrte Vertrag aus dem Kaufbuch von 1839. "Eigen Güter, Häuer und Gebäude: Ein 2 stokigtes Hauß an der Sauerbrunnenstraße mit der Schloßerei-Einrichtung und dem vorhandenen Handwerkszeug für und um 1550 fl.", heißt es weiter.

Mit seiner Bau- und Kunstschlosserei stieß Schuler auf eine Marktlücke. Die Auftragslage war gut. Schon bald stellte er weitere Arbeiter ein, das Geschäft florierte. Bis zum Schicksalsjahr 1848. Revolutionen beutelten das Land und Schulers bisheriger Absatzmarkt - die Baubranche - brach ersatzlos weg. Doch nun zeigte sich sein unternehmerisches Denken: Er schwenkte kurzerhand um zum Waffenschmied. Damit rettete er nicht nur seine Firma durch die schwere Zeit, Schuler kam auch mit der nächsten Stufe der volkswirtschaftlichen Entwicklung in Berührung: mit der Herstellung von Produktionsmitteln, also Maschinen, die die menschliche Arbeitskraft unterstützten.

Das Stammhaus in der Sauerbrunnenstraße platzte längst aus allen Nähten, und so zog die Firma 1863 um in das neue Fabrikgebäude in der Bahnhofstraße. Inzwischen hatte Louis Schuler der Jüngere den Betrieb übernommen und schaffte es, mit seiner Produktion Weltgeltung zu erlangen. 1914 entstand das neue Verwaltungsgebäude im neo-klassizistischen Baustil, das noch heute Herz der Firma Schuler ist.

Göppingen ehrte seinen Sohn, indem 1929 im Hailing eine Straße nach ihm benannt wurde. In mittlerweile vierter Generation, kaufte Urenkel Louis Schuler 1935 das anliegende WMF-Gelände auf und schuf damit die Grundlage für den Bau von Pressen in bisher nicht gekannten Ausmaßen. 1961 entstand das erste Zweigwerk in Großbritannien, 2014 steht das Unternehmen in seinem 175. Jahr. Nicht nur zahllose Autos fahren heute mit Karosserieteilen, die auf Schuler-Pressen hergestellt wurden. Auch wenn heute irgendwo auf der Welt Menschen mit Münzen ihrer Währung Waren bezahlen, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass diese auf Schulerpressen geprägt wurden.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Göppinger Bahnhofsviertel bald eine einzige Baustelle

Neben der Tiefgarage und dem Bahnhofsplatz erwartet die Göppingen im kommenden Jahr  zwei weitere Großprojekte auf engem Raum: Das „Rathaus II“ und das Zentrum Untere Marktstraße. weiter lesen