Durch die Geschichte laviert

Seit 30 Jahren forscht Professor Hubert Wolf in den Vatikanischen Archiven. Papst Pius Haltung zum Holocaust ist dabei noch nicht endgültig geklärt.

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In einem stimmt Professor Hubert Wolf von der Universität Münster mit dem Erfolgsautor Dan Brown und seinem Protagonisten Robert Langdon überein: In den Vatikanischen Archiven unter dem Petersplatz in Rom zu arbeiten, übt eine besondere Faszination aus. In seiner Forschungstätigkeit konzentriert sich Wolf auf die Rolle der römischen Kirche während des Nationalsozialismus. Noch kann die nicht endgültig beurteilt werden, da erst in zwei Jahren die Akten des Pontifikats von Pius XII. geöffnet werden. Warum der Papst geschwiegen hat zu all dem Unrecht, das wird sich vielleicht dann erweisen.

Eine erste Spur könnte das Verhalten des Kardinalstaatssekretärs Eugenio Pacelli - des späteren Pius XII - auf zahlreiche Petitionen geben, die vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten eingingen. Nur einen Brief legt er dem Papst vor, den der Ordensfrau Edith Stein. Die Antwort könnte kaum nichtssagender sein. Sie erschöpfte sich in Phrasen, die sich durch die litaneihafte Art, in der Dr. Wolf sie im vollbesetzten Jüdischen Museum vorlas, eindrücklich offenbarte.

Der Referent hatte zunächst den Werdegang des Römers aufgezeigt, der als Nuntius in Deutschland von 1917 bis 1929 "zwei Traumata erlebte". Die gescheiterte Friedensinitiative von 1917 war für ihn "ein Schlag ins Wasser". Auch der Kulturkampf vom Ende des 19. Jahrhunderts, als zahlreiche Gläubige ohne Sakramente lebten und starben, "weil wir Politik statt Seelsorge gemacht haben", habe den Pacelli tief geprägt. Dass dann aber die deutsche Kirche das Konkordat von 1933 unterschrieb ohne nennenswerte Zugeständnisse, war wohl auch für Pius "ein Akt voller Hoffnung ohne Gegenleistung".

Obwohl eine Jesuitenkommission zum Ergebnis gekommen war, dass fast jeder einzelne Satz aus Hitlers "Mein Kampf" zu verbieten wäre, setzte ihn die römische Kirche nicht auf den Index - eine Maßnahme, die dazu geführt hätte, dass keine Katholik ihn hätte mehr lesen dürfen. Wie so oft fand Rom einen Weg, sich hindurch zu lavieren: In der Enzyklika "Mit brennender Sorge" wurden einzelne Formulierungen zu Hitlers Rassenlehre ins Gegenteil umformuliert und so zum Gebot für Christen. Beachtung fand diese Enzyklika freilich kaum. Der Römer-Brief, der jede Obrigkeit als von Gott gegeben bezeichnet, lieferte die Rechtfertigung für das Schweigen.

Info Unter dem Titel "Papst und Teufel: Die Archive des Vatikan und das Dritte Reich" hat Professor Wolf seine Forschungsergebnisse beim Verlag C.H. Beck publiziert.

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