Drohendes Aus für die Werkrealschule am Haier

Die Faurndauer Haierschule wird wohl ihren Werkrealschul-Zug verlieren. Die Anmeldezahlen sind zu gering. Die jetzigen Schüler sollen ihren Abschluss noch am Haier machen können. Die Grundschule bleibt.

|

Das Aus für die Werkrealschule am Haier scheint besiegelt. Der Stadtbezirk Faurndau wird dann zu einem reinen Grundschul-Standort werden – wenn man von der Freien Waldorfschule absieht. „Der Bildungsgang Werkrealschule wird nach dem Schuljahr 2019/2020 aufgehoben und die Werkrealschule wird spätestens zu dem Schuljahr geschlossen, an dem keine Schüler mehr unterrichtet werden“, heißt es in einer Verwaltungsvorlage unter anderem. Am Montagabend wurden die Eltern bei einer Infoveranstaltung unterrichtet. Heute berät der Bezirksbeirat und der Jugendgemeinderat über den Vorschlag, morgen der Schulausschuss des Gemeinderats. Am 29. November sollen die Göppinger Stadträte dann die Entscheidung fällen.

Überraschend kommt das Aus nicht mehr. Denn die Anmeldezahlen am Haier waren seit Jahren dürftig, wie an so vielen Werkrealschulen im Landkreis. Die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule zusammen mit der Schiller-Grundschule hätte womöglich die Wende gebracht, scheiterte aber im Frühjahr 2013 am knappen Veto des Göppinger Gemeinderats – was noch heute so manche Eltern und Stadträte auf die Palme bringt, die als Folge davon damals schon vor dem Aus für die Werkrealschule gewarnt hatten.

Schulleiterin Ingrid Stotz sagt, es sei schwer, das Aus zu akzeptieren, „aber wir Lehrer haben dafür nicht die Verantwortung zu tragen“. Im Gegenteil, so die Schulleiterin. „Die Kollegen haben mit Herzblut für die Werkrealschule gekämpft.“ Und auch die Schüler hätten sich in den recht kleinen Klassen wohl gefühlt: „Denen ist es gut bei uns gegangen.“ In der Klasse 6 und 7 säßen jeweils 20 Schüler – wegen der vielen Rückläufer von den Realschulen. Stotz’ Fazit: „Der Bedarf ist da.“

Mindestschülerzahl zweimal unterschritten

Das Aus wird dennoch nicht mehr abzuwenden sein. Wegen zweimaligem Unterschreiten der Mindestschülerzahl von 16 Anmeldungen in Klasse 5 kann ab nächstem Sommer keine fünfte Klasse mehr eingerichtet werden. So sagen es die Regeln. Zur Rettung der Sekundarstufe am Haier hält die Stadt sogenannte schulorganisatorische Maßnahmen, also beispielsweise ein Verbund mit anderen Schulen, für „nicht erfolgversprechend“, teilt die Pressestelle mit. Die Weiterentwicklung zu anderen Schulformen der „Zweiten Säule“, also Realschule oder Gemeinschaftsschule, scheitere an der geforderten perspektivischen Mindestschülerzahl von 40 Schülern pro Jahrgang.

Die derzeitigen Werkrealschüler sollen ihren Abschluss aber noch am Haier machen können. Von einer sofortigen Schließung wird abgesehen. Auf dieses Vorgehen einigte sich die Stadt Göppingen unter Beratung des Staatlichen Schulamts, erklärte Schulrätin Elke Weccard. Das sei unter anderem damit zu erklären, dass am Haier in diesem Jahr die Kinder von der bereits geschlossenen Ebersbacher Werkrealschule aufgenommen wurden. „Wir wollen nicht, dass diese Kinder schon wieder an eine andere Schule wechseln müssen“, so Elke Weccard. Die Pressestelle der Stadt Göppingen erklärte, auf diese Art werde „allen Schülern eine schulische Perspektive an der Haierschule gegeben“, denn sie können dort ihren Hauptschul- oder Werkreaslchulabschluss machen und anschließend ins berufliche Schulwesen wechseln.

Eine wirkliche Alternative haben die Stadträte wohl nicht mehr: Auch wenn der Gemeinderat die Schließung ablehne, werde das Staatliche Schulamt für das kommende Jahr keine 5. Klasse mehr bilden können. Vereinzelte Schüler, die sich dann an der Haierschule anmelden würden, müssten dann an andere Schulen umgelenkt werden, stellte die Stadtverwaltung klar. Wichtig ist Ingrid Stotz nun, dass die Grundschule am Haier mit ihren derzeit 81 Kindern erhalten bleibt und als Ganztagsschule gestärkt wird. Das sieht die städtische Strategie auch vor. „Wir haben uns da sehr viel Mühe gemacht“, sagt die Schulleiterin. Annähernd die Hälfte der Schüler nutze bereits das Ganztagsangebot. Und die Stadt hat noch vor wenigen Jahren eine siebenstellige Summe in den Brandschutz des Gebäudes gesteckt.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ärger über wildes Parken in der Hauptstraße

In Göppingen wächst der Unmut über das Parkchaos in der Hauptstraße. Der Ruf nach einem härteren Durchgreifen gegen Parksünder wird lauter. weiter lesen