Dokumentarfilm "50 Jahre Ursenwang"

Vor 50 Jahren wurde der Göppinger Stadtteil Ursenwang auf der Grünen Wiese gebaut. Aus diesem Anlass hat das Stadtarchiv eine Filmproduktion in Auftrag gegeben, der Streifen wird am Sonntag vorgeführt.

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Gestern haben Protagonisten des Dokumentarfilms über Ursenwang den Streifen im Gemeindehaus angeschaut. Der Göppinger Filmemacher Gerhard Stahl (am Laptop) hat das Projekt realisiert, die Idee dazu hatte Stadtarchivar Karl-Heinz Rueß (rechts).  Foto: 

"Das würde heute niemand mehr wagen", sagt der Göppinger Stadtarchivar Karl-Heinz Rueß. "750 Wohnungen in zwei Jahren auf der Grünen Wiese bauen." Vor 50 Jahren war es die schiere Notwendigkeit, Wohnraum war gefragt - und so entstand Ursenwang. "Gebaut wurde im Wesentlichen von 1963 bis 1965", sagt Rueß - "wir haben jetzt die Mitte gewählt": 50 Jahre Ursenwang. Deshalb hat Rueß den Göppinger Filmproduzenten Gerhard Stahl beauftragt, eine Dokumentation über den Stadtteil im Südosten zu erstellen. Die Idee kam Rueß, weil ihm ein Filmdokument aus der Anfangszeit Ursenwangs in die Hände fiel, gedreht von einem städtischen Mitarbeiter. Dort sind noch die Wiesen zu sehen, auf denen dann die Trabantenstadt entstand, auch die Bauarbeiten wurden auf Zelluloid gebannt. "Die Bilder sind sehr gut, dafür, dass es Amateuraufnahmen sind", sagt Rueß.

Der Stadtarchivar erzählt, dass er überlegt habe, wie man das historische Filmmaterial in einen Kontext zu heute stellen könne. "Es findet dort ja auch eine Art Generationenwechsel statt." Jetzt kam der Filmemacher Stahl ins Spiel, der für die Stadt bereits vor anderthalb Jahren einen Film über den Luftangriff auf Göppingen im Zweiten Weltkrieg realisiert hatte. Stahl hat sich 18 Protagonisten aus Ursenwang gesucht, die vor der Kamera erzählen. Menschen, die zur Gründergeneration gehören und heute zwischen 80 und 85 Jahre alt sind. Darunter auch der Friseur - der natürlich viel zu erzählen hat.

"Wir haben aber auch den Bogen zur Neuzeit gespannt", sagt Stahl. So hat das Team den Aktivspielplatz, den Kindergarten oder das Altenheim besucht. Auch Bezirksamtsleiterin Marion Daume ist immer wieder in dem Film zu sehen. "Sie ist im Prinzip der Rote Faden", meint Stahl. "Weil sie so gut erzählen kann." Auch eine Spätaussiedlerin kommt zu Wort, berichtet der Produzent. "Die kam vor 25 Jahren und ist schon eine Schwäbin geworden: Früher sei es sauberer gewesen, meint sie." Auffällig findet Stahl dass "die ganzen Nachkommen der Ursenwanger nicht nach Ursenwang gezogen sind". Häuser und Wohnungen würden "nach und nach von Osteuropäern übernommen".

Auch vor 50 Jahren waren es Neubürger, die aber schon einige Jahre da waren, die nach Ursenwang zogen, Vertriebene hauptsächlich. "Die waren schon etabliert", berichtet Rueß. "Sie wollten dann nicht mehr in ihren kleinen Wohnungen bleiben. Es war die Zeit, wos aufwärts ging." Schließlich sei Ursenwang damals auf der Höhe der Zeit gewesen: Dort, wo bist dato nur der Geigersche und der Stölzlehof standen, wuchs binnen zwei Jahren eine moderne Satellitenstadt aus dem Boden: Es gab Einfamilienhäuser und Wohnblocks, Kamine waren verboten, geheizt wurde über ein eigenes fortschrittliches Fernwärmenetz. Um den Wohnraum für 2500 Menschen zu errichten, gab es vor Ort ein eigenes Werk für Betonguss, mit dem die notwendigen Fertigbauteile hergestellt wurden. "Das war modernes Bauen in der damaligen Zeit", sagt Rueß.

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