Die Stiefmutter rappt

Mit Pep und Witz sowie modernen Elementen präsentierten Kinder und Jugendliche des Musikvereins Bad Boll im Vorfeld der Göppinger Theatertage im Alten E-Werk "Aschenbrödel" als kurzweiliges Musical.

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Ob von Bechstein oder den Gebrüdern Grimm: Wer glaubt, Aschenbrödel, Aschenputtel oder Cinderella (Deborah Friedericke-Häfner, Sarah Zehetner) sei ein betuliches Märchen, kennt Antje Häfners Musical-Fassung nicht. Zwar ist die Kernaussage die gleiche, und die Hauptakteurin führt gemäß der Vorlage noch immer ein freudloses Leben bei der Stiefmutter (Kai Kussmaul) und den Stiefschwestern (Leonie Allgaier, Theresa Kienzle), bis alle heiratsfähigen Mädchen des Landes vom schmucken Prinzen zu einem Ball geladen werden und sich das Blatt wendet.

Doch die Verpackung ist ganz anders - dank vieler pfiffiger Elemente von Regisseurin Antje Häfner (Drehbuch, Musik, Kostüme, Kulisse), Jugendorchesterleiter Kai Volz (Drehbuch) sowie Orchesterleiter Walter Popp (Musik). Das Musical "Cinderella" wurde spielfreudig umgesetzt von rund 70 Mitwirkenden der Jugendkapelle "Notenkünstler" des Musikvereins, der Bläserklasse der Schule sowie den Flötenkindern der musikalischen Grundausbildung. Seit der Premiere im Juni gab es einige Umbesetzungen, wie die des Prinzen. Und Kompliment: Keinesfalls merkte man Alec Dull an, dass er kaum Zeit zum Üben hatte, seinem Aschenputtel auf dem Ball im Dreivierteltakt schöne Augen zu machen.

Nur konsequent, dass es dabei den zuvor gemein auf Cinderella herumhackenden Stiefschwestern bei deren Liebeswalzer mit dem Prinzen die Sprache verschlug. Kein Geschrei, kein Gezeter, vielmehr pubertätsgerecht vollkommen desinteressiert knetete eine ihre Haarspitzen, die andere kontrollierte ihre Fingernägel. Dazu passte der coole Rap der Stiefmutter, wohl die Lieblingsfigur des überwiegend jungen Publikums. Chapeau für Kai Kussmaul, der Jugendliche hatte sichtbar Spaß im schicken Haute-Couture-Kleid. "Probieren wird sie nicht den Schuh, auf meinem Hof ist das tabu" rappte er mit vollem Körpereinsatz.

Toller Gegensatz dazu das romantische Liebes-Duett zur Musik von "Irish Cream". Und die kreativen Kostüme (Sybille Gölz, Sabine Zehetner) nebst knackigen Einlagen sowie die gängigen Melodien und Texte machten das Stück sehens- und hörenswert. Auch das moderne Bügelbrett mit gusseisernem Bügeleisen, die coole Kleider-Präsentation für Cinderella, tanzende Tiere des Waldes, eine Fee, die weiß, wann die Stunde geschlagen hat, neckische Kobolde, staunende Dorfbewohner, dienstbeflissene Herolde sowie edle Rösser, die buchstäblich im Galopp für Lacher sorgten, zeugten von der Liebe zum Detail.

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