Die Lüge der "Rückführung"

Am Beispiel der Bessarabiendeutschen beleuchtet der Hohenstaufener Heinz Fieß eine der Facetten von Diktatur und Unmenschlichkeit. Er schrieb ein Buch über die "Rückführung der Volksdeutschen".

|

Vertreibung aus der Heimat, Leben in der Fremde - das erleben Menschen derzeit millionenfach. Auch Deutsche waren davon betroffen, nicht erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Zahlreiche sogenannte Volksdeutsche wurden schon Anfang der vierziger Jahre "rückgeführt". Der Begriff, den die Nazis verwendeten, könnte falscher nicht sein. Denn die Gebiete, in die etwa die Bessarabiendeutsche "rückgeführt" wurden, waren polnisch.

Doch wer waren diese Volksdeutschen? Heinz Fieß kennt die Geschichte einer Gruppe genau. Seine Vorfahren gehörten zu den Bessarabiendeutschen - wie übrigens auch die des früheren Bundespräsidenten Horst Köhler. Sie waren im 19. Jahrhundert vom russischen Zar nach Bessarabien, einem Gebiet am Schwarzen Meer gerufen worden, hatten zahlreiche Privilegien erhalten. "Viele von ihnen kamen aus dem armen und engen Württemberg", weiß der Hohenstaufener. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges kam das Gebiet zu Rumänien, deutsch durfte nun nicht mehr gesprochen werden. Im Rahmen des Hitler-Stalin-Paktes im Jahre 1939, in dessen Folge sich die Despoten Polen aufteilten, wurden die Volksdeutschen in das besetzte Polen "rückgeführt". Die Geschichte dieses Unrechts hat der Autor akribisch aufgearbeitet und auf mehr als 230 Seiten mit vielen historischen Aufnahmen und Landkarten reich bebildert und anschaulich nachvollzogen. Zahlreiche Berichte von Zeitzeugen lassen ein lebendiges Bild der Zeit entstehen.

Die Polen, die im "Rückführungsgebiet" lebten, "wurden ins Generalgouvernement ausgewiesen und dort dem Hungertod preisgegeben", so der frühere Rektor der Göppinger Schiller-Realschule. Die Volksdeutschen mussten in Lagern in drangvoller Enge leben, bevor sie - je nach ihrem Beruf - Bauernhöfe, Werkstätten oder Betriebe zugewiesen bekamen. Er selbst kam dort zur Welt, musste dann aber mit seiner Familie im Januar 1945 fliehen und fand auf Umwegen in Göppingen eine neue Heimat.

"Das Thema Ideologie und vor allem Rassenideologie spielte dabei eine zentrale Rolle", betont Fieß. Er stellt angesichts der aktuellen Flüchtlingsströme, die einmal mehr die Folge von Intoleranz seien, fest: "Wohin diese wahnwitzige Ideologie geführt hat und wie die Menschlichkeit bei den unkritisch bereiten, ideologiegläubigen Pflichterfüllern verkommen konnte, wurde offenkundig."

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Neue Probleme dank Sperrung der B297 zwischen Göppingen und Rechberghausen

Seit Montag ist die B 297 zwischen Göppingen und Rechberghausen gesperrt. Schleichweg am Waldheim wird trotz roter Ampel immer wieder benutzt. weiter lesen