Die Krise dämpft die Euphorie

Trotzt Deutschland der Euro-Schuldenkrise und dem Konjunkturabschwung? Oder ist eine Rezession zu befürchten? Banker und Wirtschaftsbosse aus dem Kreis blicken vorsichtig optimistisch in die Zukunft.

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Während die Vorsitzende des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, kürzlich von einer Weltwirtschaftskrise wie in den 30er Jahren warnte, blickt Wolfgang Franz, der Chef der Wirtschaftsweisen, zuversichtlich ins neue Jahr. Die deutsche Wirtschaft werde seiner Ansicht nach zwar wohl nur um 0,5 Prozent wachsen, eine Rezession allerdings befürchtet Franz nicht.

Das sieht auch Professor Dieter Hundt, Arbeitgeberpräsident und Gesellschafter der Uhinger Allgaier Werke, so: "Trotz zunehmender Risiken erwarte ich in Deutschland auch 2012 eine positive wirtschaftliche Entwicklung." Die Realwirtschaft befinde sich weiterhin in einer "robust guten Verfassung", die Auslastung der Unternehmen sei in den meisten Branchen gut. Allerdings schwäche sich die Weltkonjunktur ab, und auch die europäische Staatsschuldenkrise wirke sich aus. "Es wächst die Sorge, dass vor allem für den Mittelstand eine Kreditklemme entstehen könnte", befürchtet Hundt. Der Arbeitgeberchef sieht jedoch als eigentliche Herausforderung den zunehmenden Fachkräftemangel. Aus- und Weiterbildung werde nicht reichen, um das Problem in den Griff zu bekommen. "Wir werden darüber hinaus auch mehr gesteuerte Zuwanderung nach klaren Kriterien brauchen. Dazu gehört vor allem auch eine echte Willkommenskultur."

Zuversicht verbreitet auch Helmar Aßfalg, Geschäftsführer der Uhinger Allgaier Werke: Die Abrufzahlen im Bereich Automotive lägen für 2012 "unverändert auf hohem Niveau". Der Bereich Process Technology startet gar mit einem deutlich über dem Vorjahreswert liegenden Auftragsbestand und einem hohen Anfragevolumen ins neue Jahr, sagt Aßfalg und fügt hinzu: "Deshalb sind wir für 2012 durchaus optimistisch." Doch auch dem Allgaier-Chef bereitet die labile weltwirtschaftliche Lage Sorgen. Wenn die Wirtschaft jedoch nicht dramatisch einbreche, "werden wir mit unseren neuen, flexiblen Arbeitszeitmodellen und -strukturen die Herausforderungen bestehen", ist Aßfalg überzeugt. Allgaier werde im neuen Jahr den Fokus auf den weiteren Ausbau von Kompetenzen im Werkzeugbau- und Komponentenbereich sowie auf die Internationalisierung im Bereich Process Technology legen.

Beim Göppinger Pressenbauer Schuler schaut man ebenfalls mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. "Die konjunkturelle Lage bei Schuler ist gut. Aber natürlich beobachten wir die aktuellen Prognosen und Frühindikatoren sehr aufmerksam", meint Vorstandsvorsitzender Stefan Klebert. Für das Jahr 2012 sei er optimistisch - "sofern nichts Unvorhergesehenes geschieht". Klebert ist vor 2012 nicht bange: "Die Zeichen für weiteres profitables Wachstum stehen bei uns auf Grün." Der Rekordauftragsbestand aus dem Geschäftsjahr 2010/11 bilde ein gutes Polster, und die Auftragslage sei positiv. "Für 2011/12 rechnen wir mit einem Umsatzanstieg von 950 Millionen auf rund 1,1 Milliarden Euro." Wachstumsimpulse für den wichtigsten Absatzmarkt, die Automobilindustrie, erwartet Schuler aus Asien. "Zudem vertrauen wir auf unsere technische Spitzenstellung", meint Klebert. Der Vorstandschef kündigt zudem an, dass die Belegschaft "mit Augenmaß wachsen" werde. Zudem will Schuler kräftig in moderne Betriebsmittel und Infrastruktur investieren - auch am Konzernsitz in Göppingen.

Nicht ganz so frohen Mutes sind die Vorstandsvorsitzenden der großen Banken im Landkreis, Dr. Hariolf Teufel von der Kreissparkasse und Peter Aubin von der Volksbank. Teufel ist überzeugt, dass die Staatsschuldenkrise sowohl in den USA als auch in Europa die Finanzmärkte auch 2012 in Atem halten und verunsichern wird. "Für die Wirtschaft ist diese Unsicherheit Gift, denn langfristig angelegte Investitionen werden im Zweifelsfall zurückgestellt", glaubt der Kreissparkassen-Chef. Die privaten Haushalte wiederum werden vorsichtig sein, wenn es um Ausgaben geht, meint Teufel. "Insgesamt bleiben die Aussichten für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung verhalten", lautet die Prognose des Bankers. Die Wirtschaft im Landkreis stehe hingegen zum Jahreswechsel gut da, Teufel ist daher "vorsichtig optimistisch", was die Unternehmen im Filstal betrifft - "auch wenn latent das Risiko besteht, dass der Virus ,Finanzkrise die Wirtschaft infiziert". Die Firmen seien jedoch robust genug, um diesem Virus standzuhalten, glaubt Hariolf Teufel.

Auch Peter Aubin geht davon aus, dass viele Länder in Europa mit einer Rezession rechnen müssen - "und Deutschland jedenfalls mit einer spürbaren Abkühlung der Konjunktur". Der Volksbank-Chef hat einen Wunsch an die Politik: "Wir können nur hoffen, dass die europäischen Regierungen gemeinsam Wege finden, die uns aus der Schuldenkrise herausführen und damit das verloren gegangene Vertrauen auf den europäischen Finanzmärkten wieder herstellen." Deutschland trage hierbei als größte Volkswirtschaft Europas eine besondere Verantwortung und habe als Exportnation selbst ein Interesse am Fortbestehen der europäischen Währungsunion, unterstreicht Aubin. "Der Weg der überschuldeten Staaten zur Rückgewinnung ihrer Wettbewerbsfähigkeit und damit zur Wiederherstellung ihrer Solvenz wird hart und entbehrungsreich", glaubt der Vorstand. "Ich wünsche mir, dass es Deutschland gelingt, mit genügend Solidarität auf der einen, aber auch ausreichend Standfestigkeit auf der anderen Seite, einen wesentlichen Beitrag zur Überwindung der Krise zu leisten."

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