Die innere Sprache der Farbe

Wenn sie von ihrer Kunst erzählt, wird schon mal der Kaffee kalt. Dann blitzen die Augen, die leise Stimme sprüht vor Leidenschaft. Rodica Enck-Radana kann von ihrer Arbeit leben.

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Vielseitigkeit ist eines der Merkmale der Künstlerin Rodica Enck-Radanas . Die gebürtige Bukaresterin, die jetzt in Lonsee lebt, macht auch Wandgestaltungen und Farbberatungen.  Foto: 

Rodica Enck-Radana redet leise. Zurückhaltend. Nur wenn die Sprache auf ihre Kunst kommt, fangen die grünen Augen an zu strahlen. Sie unterstreicht das, was sie sagt, mit weichen, fast verspielten Gesten. Mit Leidenschaft schwärmt die 51-Jährige von der "Liebe ihres Lebens": Leonardo da Vinci. Von dessen Genialität und dem Ausdruck seiner Zeichnungen. Sie selber hat seinen Stil immer wieder kopiert, "um ihn zu begreifen". Genauso, wie die gebürtige Rumänin auch andere große Künstler während ihres Studiums an der Kunstakademie in Bukarest nachgeahmt hat, Rembrandt etwa oder Pieter Bruegel. "Als Restauratorin muss ich jeden Kunststil verstehen und malen können", erklärt sie mit Nachdruck.

Schon in der Grundschule im heimischen Balcesti (Karpaten) konnte die kleine Rodica auffallend gut zeichnen. "Aber auch Theater spielen oder singen machte mir Spaß. Ich sang Solo auf Tourneen mit dem Schulchor und bekam bereits als Grundschülerin Hauptrollen bei Theaterstücken der viel älteren Schüler", erzählt sie, ohne im Geringsten arrogant zu wirken. "Unsere Lehrer haben uns immer sehr unterstützt", sagt sie, dankbar für die externe Hilfe.

Dass sie sich nach der vierten Klasse für Kunst statt für Musik auf dem Kunst-Gymnasium in Craiova entschied, war allein der Tatsache geschuldet, dass sie nie Klavierspielen gelernt hatte.

Eine tolle Zeit sei das gewesen, erinnert sie sich. Restaurationen orthodoxer Kunst in Kirchen habe zu den spannenden Aufgaben dieser Zeit gehört, Engel und Ikonen gehörten zu ihren langjährigen Begleitern. Nach dem Studium bekam Rodica Enck-Radana Arbeit in einer Mosaik-Fabrik. "Ceaucescu hat zu der Zeit eine große Brunnenanlage im Zentrum Bukarests bauen lassen und ich konnte mich mit meinem Entwurf gegen große Namen durchsetzen und habe den Auftrag für einen der Brunnen bekommen. Ich musste die Mosaiken für den Brunnen entwerfen und mit den Handwerkern zusammenarbeiten. Damals war ich gerade 27 Jahre alt. Es war fantastisch, ich konnte erst die Handwerker von meinem Können überzeugen und am Ende gewann unser Brunnen den ersten Preis, der hoch dotiert war."

Den weiteren Aufstieg auf der künstlerischen Karriereleiter verhinderte jedoch die politische Revolution. Der nächste Auftrag, mit dem sie sich bereits beschäftigt hatte, wurde storniert, der Diktatur verschwand. Die Grenzen öffneten sich.

Rodica, von ihren Freunden meist nur "Ro" oder "Rodi" genannt, bekam ein Stipendium an der Anthroposophischen Akademie in der Schweiz. "Ich bin immer am Lernen für die Kunst des Lebens", sagt sie dazu. 1993 besuchte sie Freunde in Deutschland, lernte dort ihren Mann Helmut kennen - und blieb. Ende 1994 wurden ihre Zwillinge geboren, zwei Jahre später fing sie wieder von vorne an, sich künstlerisch zu orientieren. "Ich hatte Glück. Ich habe eine tolle Familie, neben meinem Mann haben mich auch meine Schwiegereltern immer unterstützt. Sie kümmerten sich an den Wochenenden oft um die Kinder und von meinem Schwiegervater lernte ich auch deutsch. Mit meinem Mann redete ich bis dahin meist englisch oder französisch."

Sie gestaltete 1996 die Wände und Einrichtung einer Kunsthandlung, die einer Freundin gehörte. Bald darauf folgten erste Aufträge zur Wandgestaltung bei Kunden zu Hause, in Praxen oder in Unternehmen. "Diese Kunden beauftragen mich zum Teil heute noch - obwohl wir 2004 schon nach Lonsee gezogen sind", plaudert die Rumänin mit ihrem charmanten Deutsch.

Die Fotos in ihren Kunstmappen zeigen ihre Vielseitigkeit. Die Empfangshallen in drei der Erlebnishotels im Europapark Rust beeindrucken mit Enck-Radanaischer Wandgestaltung. Diese Aufträge verdankt sie der Zusammenarbeit mit Johannes Klinger, den sie von ihren Fertigkeiten überzeugen konnte. "Ich kann von meiner Kunst leben, dafür gibt es viele Bewunderer", sagt sie. Rodica Enck-Radana liebt die monumentale Kunst, kann aber genauso ihr Inneres auf einer 40 auf 40 Zentimeter kleinen Leinwand ausdrücken. Freude genauso wie Kummer oder große Trauer - etwa als ihr Sohn Immo Simeon bei einem schweren Autounfall vor acht Jahren ums Leben kann.

Kunst ist für sie Trost. Wenn sie selber malt genauso, wie wenn sie sich mit den großen Werken anderer Künstler beschäftigt oder Bücher darüber liest. "Ich suche die innere Sprache der Farbe", so drückt sie sich aus. Bei dieser Suche betrat die vielseitige Künstlerin vor zwei Jahren einen neuen Weg. Im "Institut für Licht- und Farbdynamik" in Rottenburg ob der Tauber ließ sie sich zur geprüften Wohnfarb-Beraterin ausbilden.

Ein Weg, der zu all ihren Erfahrungen in der Raum- und Wandgestaltung die Farbpsychologie hinzufügt. In einem nächsten Schritt hofft sie, dass sie auch das Diplom dazu ergattern kann. "Wichtig sind Harmonie und Liebe bei dem, was man tut. Wenn ich Menschen glücklich machen kann, dann bin ich auch glücklich."

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