Die Gefahr auf dem Dach

Solaranlagen sind bei Feuer brandgefährlich: Die Retter kämpfen nicht nur gegen die Flammen, sondern auch gegen die elektrische Spannung. Die Feuerwehren im Landkreis werden deshalb intensiv geschult.

|

Ein Löscheinsatz ist für die Feuerwehrleute oft Nervenkitzel genug. Hat das brennende Gebäude zudem eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, kommt eine weitere Gefahrenquelle hinzu: Denn die Solarmodule, die umweltfreundlichen Strom erzeugen, stehen permanent unter Spannung. "Bisher hat man einfach die Hauptsicherung im Keller ausgeschaltet. Bei einer Photovoltaikanlage gibt es zusätzliche Stromleitungen, die auch offen liegen können", schildert Kreisbrandmeister Professor Michael Reick die Problematik. Eine weitere Schwierigkeit ist das Löschen selbst: Bei einem Dachstuhlbrand könne die Dachhaut nicht so einfach wie bei einem Ziegeldach geöffnet werden. Sind Personen in dem brennenden Gebäude, könnte es für sie gefährlich werden. "Ein Modul weniger auf dem Dach wäre manchmal für den Rettungsweg hilfreich", sagt Reick.

Dramatisieren will der Kreisbrandmeister die Situation jedoch nicht. Die Feuerwehren im Landkreis hätten bereits Einsätze an Gebäuden mit Photovoltaikanlagen ohne große Probleme absolviert. Die Brandbekämpfer müssten sich permanent auf neue Entwicklungen einstellen. Um sich der zusätzlichen Gefahren bewusst zu werden, werden die Feuerwehrleute praxisnah geschult - beispielsweise von Experten großer Energieversorger. Dabei geht es beispielsweise um den Aufbau eines elektrischen Versorgungsnetzes oder um den notwendigen Sicherheitsabstand zu Anlagen, die unter Spannung stehen. "Bei einem Brand einer elektrischen Anlage ist besondere Vorsicht geboten, denn am Einsatzort ist der elektrische Strom weder zu sehen, zu hören oder zu riechen", verdeutlicht Michael Maurer, stellvertretender Feuerwehrkommandant in Schlierbach, die besondere Situation. "Im Ernstfall zählt bei einem Dachstuhlbrand jede Minute", fügt Michael Fleischer, Kommandant in Birenbach, hinzu. Daher sei eine Fortbildung unumgänglich.

Information ist wichtig - das sieht auch der Kreisbrandmeister so. "Doch ich sehe die Sache entspannt", fügt Reick hinzu. Er sei weder gegen die umweltfreundliche Stromgewinnung, "noch lassen wir Häuser mit Photovoltaikanlagen abbrennen". Ein Szenario, das immer wieder für Schlagzeilen sorgt. Denn es gibt durchaus Fälle, dass Feuerwehren aus Angst vor einem elektrischen Stromschlag die Löscharbeiten abbrechen.

Der Kreisbrandmeister sieht die Lösung hauptsächlich in der Prävention. Auch wenn es im Landkreis nachweislich noch keine Brände gegeben habe, die durch eine Photovoltaikanlage ausgelöst wurden - die Gefahr, dass ein technischer Defekt ein Feuer verursacht, ist da. "Eine fachgerechte Montage der Anlage ist daher das A und O", unterstreicht Reick. Auch eine regelmäßige Überprüfung auf Schwachstellen beugt vielleicht einem Brand vor. Abschaltgeräte an den Dachflächen, die die Kabelleitungen unterbrechen, reduzierten ebenfalls das Risiko für Bewohner und Feuerwehrleute. "Bei großen gewerblichen Anlagen ist ein solches Gerät Pflicht", erklärt Michael Reick. Bei Privathäusern gebe es jedoch Nachholbedarf. Ist der Strom abgeschaltet, kann die Feuerwehr auch schnell und gezielt loslegen. "Denn eine Photovoltaikanlage hat oft einen erheblichen Wert", unterstreicht der Kreisbrandmeister. Früher konnte die Feuerwehr beispielsweise bei einer gewöhnlichen landwirtschaftlichen Lagerhalle offensiv zu Werke gehen. "Sind Solarmodule auf dem Dach, gilt es aber, möglichst viele Sachwerte zu retten."

Michael Reick ist sich sicher: "Es werden Einsätze kommen, die Probleme bereiten. Aber wir stellen uns darauf ein." Der Feuerwehr bleibt auch nichts anderes übrig: 2011 wurde in Deutschland so viel Photovoltaik installiert wie nie zuvor.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ärger über wildes Parken in der Hauptstraße

In Göppingen wächst der Unmut über das Parkchaos in der Hauptstraße. Der Ruf nach einem härteren Durchgreifen gegen Parksünder wird lauter. weiter lesen