Die Gedanken sind immer noch frei

Mit neuen und altbekannten Liedern hat Folksänger Hannes Wader das Publikum in der ausverkauften Göppinger Stadthalle begeistert. Mit einem Georges-Brassens-Song gedachte er der Ereignisse von Paris.

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Hannes Wader überzeugte in der ausverkauften Göppinger Stadthalle.  Foto: 

"Bin nun auch schon 50 Jahre auf der Piste", erwähnte Hannes Wader so ganz nebenbei. Doch dem Stadthallenpublikum war diese Feststellung allemal ein herzlicher Applaus wert. Und fast ebenso lange ist her, dass der 73-Jährige seinen ersten Auftritt in Göppingen hatte. Damals noch im Spritzenhaus-Saal der früheren Feuerwache - gegenüber dem Freihof-Gymnasium. Viele Gastspiele indes gab's in der Kreisstadt danach nicht mehr. Das letzte dürfte vor gut 40 Jahren über die Bühne gegangen sein.

Umso mehr wird den Besuchern der jetzige Konzertabend in guter Erinnerung bleiben, kamen sie doch in den Genuss eines Wader-Konzerts, das man so nicht immer gewohnt war: Nichts ist mehr übrig geblieben von jenem aufgewühlten, wütenden Barden, der mit emporgereckter Faust nach internationaler Solidarität schreit, der ein Lied ums andere verhunzt, weil er den Text nicht drauf hat, und der auch schon mal die Bühne verlässt, wenn er sich vom Publikum gestört fühlt. "Sing" nennt sich Waders derzeitige Tournee. Und so nennt sich auch seine neue CD, deren Lieder er an diesem Abend vorstellen wird.

Nach dem immer noch populären Opener "Heute hier, morgen dort" berichtet er mit "Folksinger's Rest" vom Kneipenabend in Irland und denkt bei "Für Dich" liebevoll an Ehefrau Cordula. Berührend "Morgens am Strand": Eine tote schwarze Frau, eingeklemmt von Bootstrümmerstücken; aufwühlend "Alles nur Schein": gedemütigte Zwangsarbeiter im Nazi-Deutschland.

Freilich trägt Hannes Wader auch alte, bekannte Songs aus seinen inzwischen 32 Alben vor. Carl Michael Bellmans "Liebe, Schnaps, Tod" etwa, oder - aktueller denn je - den "Traum vom Frieden". Mit Georges Brassens' ergreifend gesungenem "Die Freunde zuerst" gedenkt Hannes Wader an die Ereignisse von Paris, dem sich Boris Vians "Deserteur" und das traditionelle Volkslied "Die Gedanken sind frei" anschließen.

Die begeistert mitgehenden Besucher erlebten einen höchst diszipliniert zu Werke gehenden Künstler, dessen Stimme auch mit 73 immer noch jene Kraft und Frische auszudrücken vermag, die ihn mit zum wohl beliebtesten deutschsprachigen Folksänger gemacht hat. Mit Pete Seegers gemeinsam mit dem Publikum gesungenem Antikriegslied "Sag mir, wo die Blumen sind" endete mit der letzten von drei Zugaben ein wunderschöner Konzertabend.

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