Die Füenf mit Horst als Love-Ersatz

Sie singen a cappella. Gegen Machbarkeitswahn, Überwachungsstaat und Berlusconi, Bohlen und Co. Die A-cappella-Truppe Füenf war in Göppingen.

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Wo immer auch die fünf von der A-cappella-Truppe Füenf auftreten, sie demonstrieren meisterhaften Vokal-Spott. Und "Horst" ist fast immer dabei. Sicherheit geht vor. Aber was soll (einem) in Göppingen denn schon passieren? Wenn Überwachungskameras doch helfen können, Ehegatten beschatten zu lassen, dann hat das auch was Gutes. Bei uns ist alles geregelt, alles eingepegelt. Von Geburt an bis zum Tod, ist bei uns alles im Lot. Was uns fehlt ist der Mut, zum Scheitern bereit zu sein. Was wir brauchen, sind Demotivationstrainer. Solche, die einen nach unten ziehen können. Versagen ist schließlich machbar und der Haken das Ziel und der Weg ist aus Holz.

Was immer den fünf Vokal-Komödianten der A-cappella-Truppe Füenf so kreuz und quer durch den Kopf geht, es kommt ihnen immer wieder lockerleicht und spöttisch über die Lippen. Am Samstagabend gaben sie in der Göppinger Stadthalle vor gut und gerne 450 Ohren- und Augenzeugen persönlich ihre Stimmen ab.

In melodischen Rundumschlägen gegen Machbarkeitswahn und Überwachungsstaat und gesungenen Bissattacken in Richtung Berlusconi, Bohlen und Banker. Die Füenf schrecken in "Phase 6" - ihrer 6. Bühnenshow in 16 Jahren - vor fast nichts zurück, drehen Zeitgeistiges und musikalische Ohrwürmer aller Genres durch den Wolf und garnieren das Ganze mit eigenen Reimen. Was rauskommt, hat zwar kritische Ansätze. Die freilich sind nur Mittel zum Zweck. In Grunde geht es Füenf vorrangig um Comedy und Klamauk und um eine fein abgestimmte Fünf-Mann-Performance dreier ausdrucksstarker Tenöre - Christian Langer (Justice), Jens Heckermann (Pelvis), Andreas Karus (Karuso) -, einer Bariton- (Patrick Bopp alias Memphis) und einer Bassstimme (Francesco Cagnetta alias Dottore Basso).

Warum sind englischsprachige Lieder so erfolgreich? Das Zauberwort heißt "love". Englischsprachige Lieder mit diesem Terminus sind programmierte Hits. Das deutsche Adäquat heißt "Horst". Und Horst ist Kult und ein Hit. Ein Dauerbrenner der Füenf und in "Phase 6" auch der unsichtbare 6. Mann. Die Attacken der glorreichen Füenf hinterließen in Göppingen dennoch keine Wunden beim Publikum. Trotz Zugaben. Vielmehr strapazierten sie Zwerchfell und Lachmuskeln. Auch die Welt blieb am Ende noch heil. Als fähige Demotivationstrainer erwiesen sich die Füenf auch nicht.

Was immer sie auch taten, sangen und mit dem Publikum an Schabernack veranstalteten. Den Spaß an der Freude konnten sie einem zweieinhalb Stunden lang einfach nicht austreiben.

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