Die Frau im

Mit 14 Jahren hat sie angefangen, als Mädchen vom Land in der Apotheke. Jetzt konnte Annemarie Ulmer ihr 50-jähriges Betriebsjubiläum feiern.

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Urkunden zum Betriebsjubiläum: Annemarie Ulmer mit ihrem alten Chef Paul Zeeb, heute 95.  Foto: 

Ihr erster Arbeitstag war aufregend. Ihr Chef schickte sie an jenem 1. April 1965 zum Bertz, sie solle dort ein "verstellbares Augenmaß" besorgen. Sie hatte ein ungutes Gefühl dabei. Zu recht. Es war ein Aprilscherz. Dabei hatte sie an diesem Tag andere Sorgen. Ob sie "das schafft mit dem Telefon". Sie würde ja telefonieren müssen und hatte doch diesen Apparat mit Hörer und Wählscheibe noch nie in der Hand gehabt.

Apothekenhelferin hat die Hattenhoferin gelernt - einen Beruf, den es heute nicht mehr gibt. In der Hirschapotheke in der Göppinger Marktstraße hat man damals noch Johanniskraut und Weißdorn angesetzt, erzählt sie. Annemarie Ulmer hat die Kräuter mitgesammelt, die die Kollegen im Labor aufbereiteten. Später hörte das auf - man brauchte Zulassungen dafür.

Ansonsten hat sich die Arbeit eigentlich nicht verändert, sagt sie. Pillen, Salben, Hustensäfte, ein Arsenal von Arzneimitteln - das muss damals wie heute bestellt und verkauft werden. Gerne hat sie immer alles gemacht. Bis der Gesetzgeber ihr in den Arm fiel. Weil ihr Beruf einfach abgeschafft wurde, musste sie sich auf das Kaufmännische beschränken. Sonst hätte sie mit Anfang/Mitte 40 nochmal auf die Schule gehen müssen, um Pharmazeutisch-Technische Assistentin zu werden. Sie hat das Beste daraus gemacht und wurde die Frau im Hintergrund, die den Betrieb am Laufen hält und hilft, wo sie kann. Tausend Telefonate, Bestellungen, Rechnungen, Schriftverkehr - in dem Betrieb mit heute zwölf Beschäftigten lobt man sie für ihren souveränen Überblick. "Die Kollegen fragen mich, und ich bin für alles irgendwie zuständig."

So kann es weitergehen, denn für die Hattenhoferin ist mit 50 Arbeitsjahren noch nicht Schluss. Erst Mitte 2016 steht die reguläre Rente an. Für die vorzeitige hat sie sich nie interessiert. "Ich arbeite gern." Und wenn man sie im Ruhestand noch braucht, kann sie sich auch das vorstellen.

Der Aprilscherz, den sich ihr alter Chef Paul Zeeb vor 50 Jahren mit ihr erlaubte, ist an ihr haften geblieben. Zum Betriebsjubiläum bekam sie zu all den Urkunden eine "Augenmaßschieblehre". Etwas ähnliches hat sie auch schon zum 40. Betriebsjubiläum bekommen, verrät sie.

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