Gespräch über deutsch-türkische Beziehungen in Faurndau

Die Beziehung zwischen den Ländern ist eine andere Beziehung wie die unter den Menschen. Davon waren die Podiumsteilnehmer überzeugt.

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Thema deutsch-türkisches Verhältnis: Edzard Reuter und Heike Baehrens.  Foto: 

 Dass die Galerie Stepanek in Faurndau brechend voll war, sei „ein gutes Zeichen für die deutsch-türkischen Beziehungen“, sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens. Sie hatte Edzard Reuter, den ehemaligen Vorstandvorsitzenden der Daimler-Benz AG, Gökay Sofuoglu, den Bundesvorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland, und den Juso-Vorsitzenden im Kreis, Max Yilmazel, aufs Podium geladen, um über das Thema zu sprechen: „Wie steht es um die deutsch-türkischen Beziehungen?“

Es wurde schnell klar, dass alle Podiumsteilnehmer einen Unterschied machten zwischen den Beziehungen zwischen den Ländern Türkei und Deutschland und zwischen den Menschen in beiden Ländern. „Spannungen gibt es nicht mit der Türkei, sondern mit der türkischen Regierung“, sagte Baehrens, die moderierte und auch die anschließende Diskussion mit dem Publikum leitete. Erdogan maße sich an, Sprecher aller Türken zu sein, und behaupte einen Gegensatz zwischen Völkern, den es so nicht gebe.

Reuter, Sofuoglu und Yilmazel waren sich mit Baehrens einig, dass es nicht toleriert werden dürfe, dass in der Türkei Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Pressefreiheit und Demokratie immer mehr zugunsten einer Diktatur ausgeschaltet würden.

Die Vorschläge, wie das geändert oder aufgehalten werden könnte, konzentrierten sich vor allem auf Appelle zur Verstärkung von zwischenmenschlichen Beziehungen.

Reuter, der als ein Kenner der Türkei gilt, sagte, man dürfe „die Flamme der Zukunftshoffnung nicht aufgeben“. Es gehe nicht um Religion, die werde nur missbraucht für handfeste Macht­interessen.

„Nicht durch Religion vernebelt“

Er wies in der Frauenfrage auf die Zeit Atatürks mit der Gleichstellung von Mann und Frau hin und erläuterte an Beispielen den Gegensatz zwischen einer traditionellen und einer aufgeklärten Türkei mit einem Stadt-Land-Gefälle. Er betonte die Wichtigkeit einer „aufgeklärten und nicht durch Religion vernebelten Bildung“ und ermunterte zu intensiven persönlichen und kulturellen Kontakten.

Gökay Sofuoglu sprach von der Schwierigkeit, sich ohne Anfeindungen positionieren zu können.  Nach der Vorstellung des Vereins mit 60 000 Mitgliedern, der säkular sei und zwischen den Schwarz-Weiß-Mustern Brücken bauen wolle, sagte er, man dürfe im Bezug auf Demokratie keine Kompromisse machen. Er kritisierte jedoch auch, dass „man mit der Türkei im Bezug auf die EU nicht ernsthaft umgegangen“ sei. „Die Tür muss offenbleiben“, sagte Sofouglu, obwohl Präsident Erdogan Europa als Feindbild benutze und immer wieder neue Feindbilder entdecke.

Max Yilmazel erzählte von seinen Erfahrungen beim einjährigen Masterstudium in der Türkei und von den Gefahren, wenn man sich dort frei äußere. Baehrens sagte, „die Aushöhlung des Rechtsstaats kann von deutscher Seite nicht toleriert werden“ und man müsse „auch mit Sanktionen Flagge zeigen“.

Wie diese genau aussehen könnten und ob sie etwas und was sie bewirken könnten, darüber gab die Politikerin keine Auskunft.

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