Die EVF steht unter Strom

Die Zeit drängt: Das Göppinger Stromnetz soll ab 2013 von der EVF betrieben werden. Zurzeit wird mit Technikern der ENBW die Entflechtung des Netzes vorbereitet. Erst danach beginnen die Kaufverhandlungen.

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Noch haben die Verhandlungen mit der ENBW über den Kauf des Göppinger Stromnetzes nicht begonnen. Die Spannung steigt. Foto: Archiv / Carlucci

Der Gemeinderat hat es im vergangenen Jahr beschlossen: Die Göppinger Stadtwerke sollen von der ENBW das Stromnetz im Stadtgebiet kaufen. Vom 1. Januar 2013 an soll die kommunale Energieversorgung Filstal (EVF) das Netz betreiben. Bis dahin bleibt nicht viel Zeit. Hinter den Kulissen wird die Übernahme des Netzes vorbereitet. Zunächst geht es dabei um die Entflechtung, das heißt das Göppinger Netz muss vom Gesamtnetz "getrennt" werden. Techniker der EVF und der ENBW sind seit Anfang des Jahres damit beschäftigt, das Netz gemeinsam in Augenschein zu nehmen. Immerhin geht es um ein Leitungsnetz von 840 Kilometern Länge mit knapp 12 000 Hausanschlüssen. Hinzu kommen 55 Kilometer Freileitungen.

Ende März, so EVF-Geschäftsführer Dr. Martin Bernhart, soll dieser Prozess abgeschlossen sein. Im April ist dann wieder der Gemeinderat gefragt: Die Stadträte müssen dem so genannten Entflechtungskonzept zustimmen. Erst danach können die Kaufverhandlungen mit der ENBW beginnen. Und die dürften angesichts der Finanzlage des Energiekonzerns nicht gerade einfach werden. Die Stadt Göppingen geht von einem Netzkaufpreis aus, der zwischen 17 und 22 Millionen Euro liegt. Im Rathaus beruft man sich auf das Ergebnis der von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachten. Genaueres weiß man aber erst, wenn die ENBW ihre Preisvorstellungen genannt hat. Mit Blick auf den 1. Januar 2013 sagt auch EVF-Geschäftsführer Dr. Bernhart: "Die Preisverhandlungen müssen einigermaßen schnell über die Bühne gehen." Sobald ein Betrag im Raum steht, mit dem sowohl die ENBW als auch die Göppinger Stadtwerke einverstanden sind, ist wieder der Gemeinderat am Zug. Legen die Bürgervertreter ihr Veto ein, muss nachverhandelt werden. Sollte mit der ENBW keine Einigung über den Kaufpreis erzielt werden, müssten die Gerichte über die Bedingungen der Netzübergabe entscheiden.

Dass die Göppinger Bürger ohne Strom dasitzen, ist allerdings ausgeschlossen. "Es kann nichts passieren", erklärt Bernhart. Wenn die Netzübernahme bis zum 31. Dezember dieses Jahres nicht abgeschlossen ist, verlängert sich der bisherige Konzessionsvertrag mit der ENBW automatisch um ein Jahr. Bernhart ist aber zuversichtlich, dass trotz des Zeitdrucks alle Fragen fristgemäß geklärt werden können.

Unterdessen wächst die Zahl der Kunden, die von der EVF mit Strom beliefert werden. Am jüngsten Stichtag, dem 29. Februar, zählte die EVF 12 146 Stromkunden. Allein im vergangenen Jahr konnte sich die EVF über 2906 Neukunden freuen - das war Rekord. Begonnen hatte die EVF vor acht Jahren mit 366 Kunden. Der Strom wird zum überwiegenden Teil mit Erdgas in Blockheizkraftwerken im Gasnetzgebiet der EVF erzeugt. Darüber hinaus wird das Druckgefälle zwischen dem landesweiten Transportsystem und den lokalen EVF-Netzen beim Gas und Wasser zum Antrieb von Turbinen verwendet. Aufgrund der großen Nachfrage in den letzten Jahren reicht der eigenproduzierte Strom inzwischen nicht mehr aus. Die EVF kauft daher Strom zu. Seit 1. Januar 2011 bezieht der kommunale Energieversorger den zusätzlich benötigten Strom ausschließlich von Laufwasserkraftwerken am Inn. "Die Barbarossa-Stromprodukte der EVF sind seit 2011 atomstromfrei", betont Geschäftsführer Bernhart.

Kommentar Seite 17

Info Die Energieversorgung Filstal (EVF) ist ein rein kommunales Energieversorgungsunternehmen mit Sitz in Göppingen. Gesellschafter sind die Stadtwerke Göppingen (86,75 Prozent) und die Stadtwerke Geislingen (13,25 Prozent).

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