Die Akropolis nach Stuttgart holen

"Kröhnerts Krönung" nennt Reiner Kröhnert sein aktuelles Bühnenprogramm. Eine intensive Spezial-Mischung aus Kabarett und Satire, die bei Odeon im Göppinger E-Werk den Geschmack des Publikums traf.

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Angela ist die aktuelle Nummer eins. Politisch gesehen Deutschlands Krönung. Bei Kröhnert sowieso. Wie kein anderer versteht es Reiner Kröhnert, der Kabarettist aus Schriesheim an der Bergstraße, die deutsche Bundeskanzlerin zu imitieren. Im Tonfall, in Gestik, Mimik und in der Körperhaltung. Perfekt. Die Perücke braucht es nur wegen der besseren Optik. Bei all den anderen kommt Kröhnert ohne aus. Papst Benedikt mit seinem Pileolus, dem weißen Häubchen, ausgenommen.

"Kröhnerts Krönung" nennt Kröhnert sein neuntes Kabarettprogramm, in dem am Samstag bei Odeon gleich reihenweise Politiker und Prominente und solche, die dazu gezählt werden wollen, imitiert, geröstet und zu einer köstlichen Melange aufgebrüht wurden. Dabei traf er zweieinhalb Stunden lang den Geschmack des Publikums.

Also Angela, "die Geisha aus der Uckermark", ist die erste Krönungsgabe. Zwangsehegeschädigt mit Kohl, dann mit Müntefering und - kanns schlimmer kommen - mit Guido. Es geht Schlag auf Schlag. Die Krönung besteht aus 21 Zutaten. Von Winfried Kretschmann bis hin zu Daniela Katzenberger. Einzig gefühltes Manko: Einige der in Erscheinung tretenden Protagonisten sind längst schon in der Versenkung verschwunden, dem jüngeren Publikum nicht mehr so geläufig. Erich Honecker, Rita Süßmuth oder Gerhard Stoltenberg etwa.

Kröhnert ist wortgewaltig. Seine Texte sind würzig, kompakt und komisch bis absurd konstruiert, nur gelegentlich schal oder schlüpfrig. Und Kröhnert bleibt stil- und textsicher. Eine kabarettistische Meisterleistung. Kröhnert spielt mit den Charakterzügen seiner Figuren, stellt die nicht einfach bloß und macht sich nicht nur lustig über sie. Kröhnerts Kabarett ist nicht flach und nicht ab-, sondern tiefgründig, niemals in Gefahr, auf Grund zu laufen. Er hat alles im Griff. So wie Wolfgang Schäuble den absackenden Euro. Schäuble plant die Akropolis mit einer Hypothek zu belasten. Wenn dann die Griechen ihre Schulden nicht bezahlen, könnte die Akropolis anstelle des abgerissenen Hauptbahnhofes nach Stuttgart versetzt werden. Alles kann so einfach sein! Kabarett wie Politik.

Zum Schluss noch einmal die Merkel. Angela vorne und hinten (im Programm) und sogar philosophisch, denn möglicherweise ist ja alles und das Leben vielleicht doch nur ein Missverständnis.

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