Deutsch-Abi: Georg Büchner liegt den meisten

Fünfeinhalb Stunden schrieben am Mittwoch die Abiturienten, bis die Mienen qualmten. Die meisten von ihnen wählten bei der Prüfung im Fach Deutsch die Interpretation einer Passage aus einem Werk Georg Büchners.

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Erschöpft, aber erleichtert: Viele Abiturienten entflohen, wie hier am Mörike-Gymnasium, am Mittwoch nach der ersten Prüfung im Fach Deutsch erleichtert der Schule. Rund 100 weitere Schicksalsgenossen schrieben sich am Mögy fünfeinhalb Stunden die Finger wund.  Foto: 

Erschöpfte, aber meist erleichterte junge Männer und Frauen spuckte das Mörike-Gymnasium in Göppingen am Mittwochmittag nach und nach aus. Die einen trieb es schnurstracks weg vom Haus, die anderen kamen vor dem Eingang zusammen und teilten das Erlebte. Fünfeinhalb Stunden hatten sie ihren Hirnschmalz im schriftlichen Abitur des Fachs Deutsch angestrengt und ihr Wissen aufs Papier gebannt. Um 13.30 Uhr hatten die Schüler dann den geistigen Aderlass überstanden.

Als einer der ersten legte Marian Rascher gegen 13 Uhr den Stift im Mörike-Gymnasium nieder. „Jetzt bin ich froh, dass es vorbei ist“, sagte er. Der 18-Jährige hatte sich für den Vergleich zweier Gedichte entschieden: „Diese Aufgabe hat mit mir am besten zugesprochen“, begründet er seine Wahl.

Gar nicht zufrieden war Julia Hikel. Es sei nicht gut gelaufen, schimpfte die Abiturientin. Dabei sei sie sonst ganz gut in Deutsch. Ursprünglich habe sie sich der Kurzprosa widmen wollen. „Der Text war aber von Kafka“, sagte sie. Wegen des Autors habe sie sich anders entschieden und die Erörterung gewählt. „Es war ein Artikel aus der Zeit“, berichtete Hikel. Acht Seiten habe sie vollgeschrieben, doch ein gutes Gefühl habe sie nicht.

Zwölf Seiten Interpretation

Besser lief es bei Ben Sieder. „Es war ganz gut“, fand er. Der 18-Jährige wählte den Vergleich dreier literarischer Werke: „Ich habe den genommen, weil man da weniger falsch machen kann als beim Gedichtvergleich.“ Doch der Vergleich forderte Sieder viel ab. „Irgendwann wird’s stressig, sich zu konzentrieren“, sagte er. Zwölf Seiten habe er vollgeschrieben.

Viel Papier füllte ebenfalls Marco Weber mit seinen Überlegungen zur Kurzgeschichte von Franz Kafka. „Es war nicht so schlimm wie ich gedacht hatte“, berichtete er. Die Aufgabe habe eine Zusammenfassung des Textes verlangt, die Benennung der Botschaft sowie eine Interpretation der Erzählung.

Schwerer vorgestellt hat sich Eda Demiral das schriftliche Abitur in Deutsch. Sie entschied sich für den Vergleich der drei Bücher und füllte 14 Seiten mit ihrer Interpretation.

Besser als erhofft lief die Prüfung bei Lara Trillinger. Die 18-Jährige wählte wie Eda Demiral den Vergleich der drei Werke. Diese Entscheidung habe aber schon vorher festgestanden, sagte sie: „Ich wusste, dass ich das nehmen will.“

Die Meisten wählen die Interpretation

Die gleiche Aufgabe haben sehr viele Abiturienten im Kreis gewählt. An den vier allgemein bildenden Göppinger Gymnasien entschieden sich mit Abstand die meisten für die Interpretation und den Vergleich einer Passage aus den Plichtlektüren. Mit der Erörterung des Zeitungsartikels sowie mit der Interpretation der Kurzgeschichte konnten sich ebenfalls viele Abiturienten anfreunden. Schlecht im Kurs standen das Essay und die Gedichtinterpretation.

Einen ähnlichen Geschmack hatten die Abiturienten der beruflichen Gymnasien in Göppingen. Die Interpretation der Plichtlektüre wählten an beiden Schulen 60 Prozent der Prüflinge. Danach folgt die Analyse eines Textes. Abgeschlagen die übrigen drei Aufgaben – Schlusslicht unter ihnen ist erneut die Gedichtinterpretation. Die Interpretation der Pflichtlektüre standen bei den Abiturienten des Wirtschaftsgymnasiums hoch im Kurs. Eine der anderen Aufgaben wählten jeweils zwischen 13 und 15 Schüler. Überhaupt keinen Stich machte die Interpretation von Kafka bei den Abiturienten.

Am Erich-Kästner-Gymnasium in Eislingen entschieden sich ebenfalls die meisten für die Interpretation der Pflichtlektüre. Beliebt waren weiterhin die Gedichtinterpretation sowie das Essay. Unbeliebt waren die Interpretation der Erzählung sowie die Analyse eines Artikels. Dieser Aufgabe stellten sich am Rechberg-Gymnasium in Donzdorf sieben Schüler. Insgesamt 58 und damit am meisten Abiturienten wählten wiederum die Interpretation der Pflichtlektüre. Vier entschieden sich für die Gedichtinterpretation und jeweils ein Schüler für die Kafka-Interpretation und das Erstellen eines Essays.

Genau diese Aufgabe begeisterte jedoch mit zwölf Abiturienten die meisten Prüflinge am Raichberg-Gymnasium in Ebersbach. Danach folgte mit neun Schülern die Erörterung und mit sieben Schülern die Interpretation der Pflichtlektüre. Sechs Schüler widmeten sich der Interpretation der Erzählung und nur vier dem Gedichtvergleich.

Das Abitur hat am Mittwoch für rund 51.000 Schüler im Land begonnen. Etwa 33.000 davon besuchen ein allgemein bildendes Gymnasium, rund 18.000 der Prüflinge ein berufliches Gymnasium. Die schriftlichen Prüfungen enden am Freitag, 21. März. Bis dahin bleibt kaum Zeit zum Abschalten. Am Donnerstag schwitzen die Abiturienten im Fach Mathematik.


Die Aufgaben:

Interpretation - Deutung einer Textstelle aus Georg Büchners "Dantons Tod" und Vergleich mit Büchners Drama sowie Max Frischs Roman "Homo Faber" und Peter Stamms "Agnes".

Interpretation -  Vergleich der Deutungen zweier Gedichte von Paul Flemming und Heinrich Heine.

Interpretation -  Deutung einer Erzählung von Franz Kafka.

Essay - Erstellen eines Essays über das Gefühl Sehnsucht.

Analyse - Untersuchung und Erörterung eines Zeitungsartikels über Fürsorge.

Varianten - Die ersten drei Aufgaben waren an den beruflichen Gymnasien gleich. Essay und Erörterung sollten die Schüler zu anderen Themen verfassen.

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