Der rettende Anker für viele Bedürftige

Die Kirchen stehen auch für soziale Belange ein. In einer Serie beleuchtet die NWZ einige Einrichtungen mit kirchlichem Hintergrund, die sich dieser Aufgabe widmen. Heute: der Göppinger Carisatt-Laden.

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Die Stimmung im Carisatt-Laden ist gut: Hier wird den Kunden und dem Personal das Gefühl vermittelt, "Mensch zu sein". Foto: Sabine Ackermann

"Wir haben jetzt vor dem Laden absolutes Parkverbot, seitdem die Busse nicht mehr durch die neue Mitte fahren", warnt Agathe Kinzel netterweise vor. Bestimmt denken jetzt manche, Carisatt und Auto, das passt irgendwie nicht zusammen. "Das ist das Problem: Viele Mitbürger sehen nur das, was sie sehen wollen. Doch wir haben auch viele Bedürftige aus umliegenden Gemeinden, die von ihren Kindern, anderen Familienmitgliedern oder Nachbarn mit dem Auto hergebracht werden. Oftmals handelt es sich dabei um ältere Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind", erklärt die Marktleiterin.

Laut Statistik kaufen jeden Monat an zwanzig Öffnungstagen rund 2900 Kunden im Carisatt-Laden ein. Derzeit befinden sich 250 Tafelausweise im Umlauf, die direkt von der Göppinger Tafel ausgegeben wurden. Doch rechnet man die Bonuskarte, die es bei der Stadt gibt, dazu, verdoppelt sich die Zahl. Stehen besondere Festtage wie Weihnachten ins Haus, kommen erstaunlicherweise auch nicht mehr Kunden zum Einkaufen. "Wenn überhaupt, dann ist eher die Woche danach mehr los", hat die Caritas-Mitarbeiterin festgestellt. Für sie besitzt das gerechte Verteilen genauso wie die Wertschätzung ihrer Klientel stets oberste Priorität. "Vor allem Frischwaren wie Milch, Butter und Käse sind heißbegehrt und ratzfatz weg. Da schaue ich schon, dass nach gesundem Menschenverstand jeder etwas abbekommt. Derzeit haben wir im Landkreis 19 Supermärkte, neun Bäckereien, davon ein Konditor sowie jeweils zwei Drogerien, Speditionen und Metzger, wovon die größere Fleischerei uns sämtliche Wurstwaren portionsgerecht einschweißt. Unentgeltlich." Ein Dutzend Stammkunden gehen trotzdem auf Nummer sicher und stehen fast täglich lange vor Ladenöffnung am Eingang.

Eine ganz besondere Bescherung gab es schon zum zweiten Mal von der Aktion "Hand in Hand mit Teddybär e.V." aus Deggingen. Quasi als Weihnachtsmann lieferte Daniela Bock und ihr Teddybär-Team 100 Päckchen mit sinnvollem Inhalt für die Jüngsten ab. Was natürlich gerade in jüngster Zeit häufiger vorkam, waren zudem lieb gemeinte Essensspenden wie Plätzchen, Kuchen oder selbstgemachte Marmelade von Privatpersonen, die allerdings aus hygienischen Gründen nicht verkauft werden dürfen. "Viele vergessen, wir haben die gleichen Regeln und Vorschriften wie ein ganz normaler Supermarkt. Doch darüber freuen sich dann immer unsere Mitarbeiter, von denen ja die meisten auch nicht soviel im Portemonnaie haben", sagt Agathe Kinzel. Objektivität ihren Kunden und dem ehrenamtlichen Personal gegenüber sowie das Gefühl zu vermitteln, "Mensch zu sein", gehen einher mit der ausgesprochen guten Stimmung im Carisatt-Laden. "Bei uns ist immer was los und unser erklärtes Ziel ist, das alle einen guten Tag miteinander verbringen. Das überträgt sich auch auf unsere Kunden", ist sich Kinzel sicher.

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