Der Landkreis bibbert

Nächtliche Minusgrade bis in den zweistelligen Bereich. Da ist ein warmer Schlafplatz für Obdachlose und Bedürftige überlebenswichtig. Die Stadt Göppingen und der Landkreis haben vorgesorgt.

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Sibirische Kälte auch im Landkreis: Das Tief Cooper bringt in den nächsten Tagen Minus-Temperaturen bis in den zweistelligen Bereich. "In der Nacht von Donnerstag auf Freitag kann es bis zu minus 20 Grad kalt werden", berichtet Markus Michl von der Wetterstation Stötten. Selbst tagsüber wird die Temperatur nicht über null Grad erreichen.

Für Obdachlose ist die Kälte unter Umständen lebensgefährlich. Die Stadt Göppingen und der Landkreis haben vorgesorgt. Noch bis März steht ein so genannter Erfrierungsschutzcontainer als Anlaufstelle bereit. In der acht Quadratmeter großen Notunterkunft finden bis zu sechs Personen Platz für eine warme Nacht. "Der Container ist elektrisch beheizt und mit vier Betten ausgestattet", beschreibt Pressesprecher Olaf Hinrichsen den Kälteschutzraum. Die Stadt und der Landkreis Göppingen teilen sich die Finanzierung. Verwaltet, betreut und vermittelt wird der Container, der in der Nähe der Filsbrücke steht, vom Haus Linde.

Nicht alle sind darauf angewiesen. "Viele Obdachlose nutzen das Angebot des Containers nicht", berichtet Wolfgang Baumung, Leiter des Haus Linde, "teilweise haben sie Erfahrung, draußen zu überwintern. Sie schlafen dann meistens an geschützten Plätzen und kennen auch die Risiken mit zu viel Alkohol." Im Haus Linde selbst gibt es eine Warteliste für einen Schlafplatz. Unangemeldete Bedürftige können sich in der Beratungsstelle einen Schlafsack oder eine Decke holen. "So wie die Kranken ins Krankenhaus gehen, nehmen wir nur Leute auf, die ihr Leben ändern, sprich weg von der Straße wollen", erklärt Baumung das Prinzip des Haus Linde. Notfallübernachtungen sind darin nicht vorgesehen. Diese Erfahrung hat auch Petro Frey, ein Linde-Bewohner, gemacht, der im Januar seine Wohnung verlor. Um die Nacht nicht in der Kälte verbringen zu müssen, hat er sich an das Haus Linde gewandt.

"Wir vermitteln dann meist weiter an die Heilsarmee oder den Container", berichtet Baumung. Auch Petro Frey bekam nicht sofort eine feste Unterkunft im Haus Linde. Dafür wurde er auf den Container aufmerksam gemacht. "Ich war in den drei Nächten der Einzige, der dort übernachtete", erzählt er. Für ihn war das aber einiges besser, als in der Kälte zu frieren. "Wenn man keinen Schlafsack oder Decken hat, kann man auch im Haus Linde welche bekommen", sagt Frey. Vier Tage später konnte er dann ein Zimmer in der Linde beziehen.

Bei der Göppinger Heilsarmee gibt es ein Fünfbettzimmer, das so genannte Notfallzimmer, das rund um die Uhr offen hat. "Wenn jemand vor der Tür steht, wird er auch aufgenommen", bestätigt Olga Friedrichs, Chefin der Göppinger Heilsarmee. "Zurzeit nächtigen ein bis drei Männer pro Nacht hier", erklärt Friedrichs. "Früher gab es in vielen Pensionen Notschlafplätze", erinnert sich Wolfgang Baumung. "Im Osten gibt es für Bedürftige auch eine durchgehende Suppenküche, sowie Zelte die Wärme spenden", weiß Frey und fährt fort: "So etwas könnte man in Göppingen auch einrichten".

Dass der Winter für Obdachlose nicht einfach wird, ist absehbar. Im Landkreis gibt es jedoch noch genügend Möglichkeiten für einen warmen, überdachten Schlafplatz.

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