Der junge chinesische Pianist Yundi begeistert mit Chopin und Beethoven

Der von Begeisterung überbordende Beifall wollte kein Ende nehmen: Enthusiastisch feierten aus der ganzen Republik angereiste Musikfreunde den jungen Pianisten Yundi nach seinem Konzert in der Stadthalle.

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  • Der junge Weltstar Yundi blieb seinem ihm vorauseilenden Ruf in der Göppinger Stadthalle nichts schuldig. Foto: Giacinto Carlucci 1/2
    Der junge Weltstar Yundi blieb seinem ihm vorauseilenden Ruf in der Göppinger Stadthalle nichts schuldig. Foto: Giacinto Carlucci
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    Der junge Weltstar Yundi blieb seinem ihm vorauseilenden Ruf in der Göppinger Stadthalle nichts schuldig. Foto: Giacinto Carlucci
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Ein Weltstar, der dem ihm seit seinem Gewinn des Chopin-Wettbewerbs 2000 vorauseilenden Ruf ("Eine der großen Hoffnungen der jüngsten Pianistengeneration") nichts schuldig blieb, startete in Göppingen seine anstehende Tournee mit einem fulminanten Auftritt, der die in jüngster Zeit bemerkenswerte künstlerische Entwicklung des chinesischen Klaviervirtuosen verdeutlichte. War Yundi Li, wie er sich zu Beginn seiner steilen Karriere noch nannte, dem damaligen Zuhörer als ebenso nachdenklicher wie feinfühliger Poet am Klavier in Erinnerung geblieben, so zeigte er sich nun als dramatischer Gestalter par excellence, ohne freilich auf die früher wahrgenommenen Qualitäten zu verzichten, wie die einfühlsamen Darstellungen der einleitenden chopinschen Nocturnes (b-Moll und Es-Dur aus Opus 9) eindrucksvoll bewies. Doch wo vor einiger Zeit noch feine, fast zarte Konturen exquisit ausgeführte pastellfarbene Klangräume umschlossen, zeigten sich jetzt feste Umrisse und kräftige Farben, die in ein subtiles Spiel der Abschattierungen eingebunden waren und in ihrer Klarheit und Deutlichkeit unmissverständlich auf die folgenden drei Beethoven-Sonaten verwiesen.

Diesen, die sich Yundi zuletzt mit der ihm eigenen fast skrupulösen Akribie erarbeitet hat, begegnete der junge Pianist mit einer sehr persönlichen Lesart, die, das zeigte gleich die erste der namhaften Trias, die f-Moll-Sonate op. 57, die "Appassionata", absichtsvoll heterogene Elemente in harter Reibung reihte, um sie durch strukturierte Gestaltung und bravouröses Spiel zur zwingenden Einheit zu formen. Diese ereigneten sich zwischen agogischen und dynamischen Extremen, zwischen fast unmerklichen Temporückungen und schier hypertrophen Beschleunigungen, zwischen behutsamer Sprache und brachialer Klangexplosion. Diese gestalterischen Momente fanden sich auch im folgenden Andante con moto wieder, in dessen Variationen Yundi divergierende Charaktere entdeckte, ehe er die Darbietung mit heftig attackiertem Allegro-Presto virtuos ausklingen ließ.

Mit kaum geringem zupackendem Elan, der nach der Grave-Einleitung kein Halten mehr kannte, stattete Yundi auch den ersten Satz der c-Moll-Sonate ("Pathétique") aus, um diesen umso wirkungsvoller mit der in ruhigem Fluss und betörendem Kolorit sich ereignenden Lyrik des Adagio cantabile und dem leidenschaftlich erzählten Rondo. Allegro zu kontrastieren.

An den Schluss seines mit Bedacht inszenierten Programms hatte Yundi die cis-Moll-Sonate op. 27/2, die "Mondschein"-Sonate, gesetzt, deren ersten Satz er nach ruhigem, spielerisch fein ziseliertem Beginn energisch zu steigern wusste, um im Allegretto Nachdenklichkeit in aparte Klänge zu fassen, bevor im Presto agitato ein pianistischer Sturm losbrach, als Yundi seiner im Übrigen allzeit präsenten, mit tänzerischer Leichtigkeit sich verbindenden Virtuosität nachgerade die Zügel schießen ließ. Tosender Applaus und als Zugabe, ebenso exotisch wie brillant, Chinesisches.

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