Der ganz normale Wahnsinn

Unter dem Titel "Ein Unglück kommt meistens zu zweit" lasen Sabine Brandl, Jan Eike Hornauer und Michael Kramer in der Göppinger Stadtbibliothek.

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Volksbank, Volkshochschule und Stadtbibliothek hatten zu der Veranstaltung eingeladen, bei der den mehr als 100 Zuhörern eine Mischung aus Texten und feiner Soulmusik von der Sängerin Angelica Bastians und dem Pianisten Florian Lipphardt geboten wurde.

Humorvoll, grotesk, poetisch oder auch nachdenklich: Ganz unterschiedlich waren die Ansätze der verschiedenen Autoren. So führte Sabine Brandl vor Augen, wie ein geplanter Einkauf nach Feierabend enden kann, nämlich in mediterranen Träumen auf einem Massagestuhl - und dem jähen Erwachen bei der Lektüre des Einkaufszettels. Bei ihrer zweiten Geschichte entführte sie die Zuhörer in ein kleines Lokal, in dem sich ein Vegetarier zu Besuch im tiefsten Bayern mit einer rustikalen Wirtin herumschlagen musste und am Ende seiner Wahlheimat erste Sympathien abgewinnen konnte. Vor allem mit diesem Text, der als Dialog im Wechsel zwischen bayrisch und gestelztem Hochdeutsch vorgetragen wurde, brachte die Zuhörer zum Lachen.

Der zweite Autor Jan-Eike Hornauer schlüpfte in "E-Mail von Mama" in die Rolle einer nicht mehr ganz so jungen Mutter, die ihrer Tochter mittels des für sie ungewohnten elektronischen Mediums ihren Franz, will heißen: ihre neue Liebschaft näher vorstellte. In einem zweiten Abschnitt präsentierte Hornauer zahlreiche seiner kurzen Gedichte aus seinem Gedichtenband "Schallende Verse".

Im Anschluss erzählte Michael Kramer zwei sehr unterschiedliche Geschichten. "Die Stimme des Anderen", vor dem Hintergrund eigener Erlebnisse entstanden, schildert, wie ein aufgrund eines Schlaganfalls weitgehend kommunikationsunfähig gewordener alter Mann durch einen Zivildienstleistenden über Händedruck und Gesten wieder lernt, sich verständlich zu machen. Seine zweite Geschichte, mit der Michael Kramer den Abend beschloss, "Ein Unglück kommt meistens zu zweit", brachte die Zuhörer wieder zum Schmunzeln. Der Protagonist in der Erzählung hatte vergessen, seinen und die Mülltonne des Nachbarn herauszustellen, und musste nun den Müll anderweitig entsorgen. Am Ende wussten alle, wie gefährlich das sein kann, und wie schnell man sich auf einer Polizeiwache wiederfinden kann.

Eingebettet wurden die Texte von Soulstücken und Popsongs. Angelika Bastians, die kurzfristig für die Sängerin Denise Taylor eingesprungen war, überzeugte mit enormer stimmlicher Bandbreite ebenso wie Florian Lipphardt am Keyboard.

Die Stücke reichten von "Bridge over Troubled Water" von Simon and Garfunkel, über Herberts Grönemeyer "Halt mich" bis zu Aretha Franklin "A change is gonna come".

Die Zuhörer dankten mit reichlich Beifall. Solche Unglücksfälle dürfen gerne wiederkommen.

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