Der Duft der großen Freiheit

Manche Kinder haben mit acht Jahren noch nie ohne die Eltern irgendwo übernachtet. Für Julian Mack ist das unvorstellbar. Ihn zog es schon früh allein auf die Piste. Mit 21 Jahren organisiert er selbst eine Skifreizeit.

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Jede Menge Spaß an der frischen Luft hatten die Teilnehmer der "Schwand II". Foto: Privat

6.30 Uhr, Parkplatz am Wonnemar. Ski scheppern, große Jungs mit kleinen Schwestern im Schlepptau, Helme knallen auf den Boden, es wird geschrien, gegackert, Ermahnungen gehen ins linke Ohr rein, beim rechten wieder raus. 46 Kinder sind guter Dinge, manche Mutter, ein paar Väter gucken besorgt. Ob es wohl richtig ist, die Erstklässlerin allein loszuschicken? Den tadelnden Blick der Schwägerin, das Kopfschütteln der Nachbarin noch vor Augen, die ohne Worte sagen: "Wie kannst du nur? Sie ist doch noch viel zu klein".

"So ein Blödsinn", sagt Julian Mack: "Man muss den Kindern was zutrauen, sonst werden sie nie selbständig." Im vierten Jahr organisiert der 21-Jährige die "Schwand II", eine Skifreizeit des Deutschen Alpenvereins für Kinder zwischen 6 und 13 Jahren. Alle Betreuer sind junge Leute: "Auf die kann ich mich 200-prozentig verlassen. Und sie können mit Kindern umgehen."

Julian Mack hat das Ehrenamt von seiner Mutter Ute geerbt. Sie fand, dass Jüngere die Verantwortung übernehmen sollten, die näher dran sind an den Kindern. Was lag da näher als die eigenen Söhne einzuspannen, die gerade die Skilehrer-Ausbildung hinter sich gebracht hatten? "Ich bin froh, dass unsere Eltern immer Wert darauf gelegt haben, dass wir auch ohne die Familie was machen. Und zwar schon als Kinder", sagt Julian Mack.

Erfahrungen, die weder er noch seine Geschwister missen wollten. Die Skifreizeiten des DAV kennt der 21-Jährige aus allen Perspektiven: Als Kind war er selbst dabei, später ging er als Helfer mit und nun ist er der Chef: "Es hat sich einiges geändert. Die Kinder sind verwöhnter." Bei Linseneintopf und Kässpätzle wird heftig gemeckert, aber Extra-Wurst gibt es keine - höchstens trockene Spätzle. Auch das mit dem Klo und dem Sauberhalten ist so eine Sache: "Wobei die Mädchen damit deutlich weniger Probleme haben."

Alle elektronischen Geräte sind auf der Hütte verboten, da ist Julian Mack knallhart: "Gemeinsam etwas unternehmen und spielen, das kennen viele gar nicht mehr. Wenn jeder in sein Handy starrt, entwickelt sich keine Gruppendynamik." Es hat wieder geklappt, wie begeisterte Erzählungen von Klopfspielen und Massen-Uno beweisen. Trotzdem wächst die Tendenz, dass bei jedem Vorschlag erst mal gemeckert wird. Null-Bock-Haltung - vor allem bei den Älteren unter den 6- bis 13-Jährigen ist sie verbreitet und ansteckend. Davon darf sich ein Betreuer nicht irritieren lassen. "Wir mussten dieses Mal einigen deutlich erklären, dass wir auf einer Skifreizeit sind und Skifahren ein Sport an der frischen Luft ist. Nur in der Hütte abzuhängen, ist bei uns nicht drin."

Eine solche Freizeit ist auch dazu da, dass Kinder ihre Grenzen austesten. "Sie müssen aber damit leben, dass es, wenn nötig, einen Einlauf gibt", sagt Julian Mack: "Aber immer mehr wissen nicht, wann Schluss ist. Sie akzeptieren keine Regeln. Diese Entwicklung macht mir Sorgen." Zumal er als Betreuer nicht dauernd motzen will.

Die Sorgen, die sich Eltern machen, nötigen Julian Mack dagegen eher ein Lächeln ab. Heimweh ist selten ein Thema. Viele Kleine reisen mit großen Geschwistern oder mit der besten Freundin. Auch die anderen finden schnell Anschluss: Große Schwestern gibts leihweise.

Aber was ist mit Handschuhe trocknen, warm anziehen, waschen? "Oft klappt das bei den Kleineren besser als bei den Großen", sagt Julian Mack. Und überhaupt: Waschen und frische Sachen sind eigentlich nur für Eltern wichtig. Was machts schon, wenn der Sprössling bei der Heimkehr ein bisschen mieft? Wozu gibts eine Badewanne?

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