Depression erreicht Männerwelt

Über 30 Jahre lang leitete Eberhard Endreß die Beratungsstelle für Ehe, Familien und Lebensfragen des Landkreises Göppingen. Der Psychologe erklärt, wie sich der Kreis der Ratsuchenden verändert hat.

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Ralf Rangnik, Sven Hannawald, Tim Mälzer - sie alle leiden unter totaler Erschöpfung. Dass sie sich zu ihrem Burn- out bekennen, wäre vor gut 30 Jahren kaum vorstellbar gewesen. Damals hatte der junge Psychologe Eberhard Endreß die Leitung der Beratungsstelle für Ehe, Familien und Lebensfragen des Landkreises Göppingen übernommen. "80 Prozent der Ratsuchenden waren Frauen mit Eheproblemen, durch die sich eine Depression entwickelte", erinnert sich der 63-Jährige, der gestern seinen letzten Arbeitstag hatte.

In einer Zeit, in der psychische Erkrankungen zwar stärker in den Blickpunkt auch staatlicher Stellen rückten und im Landkreis eine ganze Reihe von entsprechenden Beratungsstellen entstanden, war die Depression als Volkskrankheit bei Frauen gerade hoffähig geworden, erinnert sich Endreß. Während seiner 33 Jahre dauernden Berufstätigkeit hat sich seine Klientel aber merklich verändert. Waren es anfangs überwiegend Frauen, die sich ihren Problemen offensiv stellten, sind heute auch Männer zunehmend bereit, Hilfe und Unterstützung anzunehmen. Mit der Bezeichnung "Burnout" sei die Depression auch bei Männern ein öffentlich diskutiertes Problem und somit "hoffähig geworden". Die breite Beachtung findet es nach Ansicht des Psychologen vor allem deshalb, "weil die Krankheit langwierig und teuer zu behandeln ist" - und sich deshalb auf das Bruttosozialprodukt auswirke. Die Ursachen sind für den Experten schnell ausgemacht: "Der Anteil derjenigen, die dem modernen Arbeitsbetrieb mit immer mehr Mobilität und Flexibilität, Robustheit und Durchhaltevermögen gewachsen sind, sinkt". Wie die prominenten Beispiele deutlich machen, schwebt das Damoklesschwert Burnout über uns allen und kann jeden treffen, sagt der erfahrene Psychologe. Er hat zwar kein Patentrezept, das hilft eine Depression zu vermeiden, doch empfiehlt er, "zwischendurch inne zu halten, nicht vom Arbeitsplatz ins Sportstudio zu rennen, sondern zu sich zu kommen". Helfen könne auch der Austausch mit anderen, das Gespräch mit Freunden.

Verändert hat sich nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch das familiäre Umfeld. "Mehr als 50 Prozent der Ratsuchenden sind inzwischen von Trennung und Scheidung betroffen", erklärt Wolfgang Dürr, der Leiter des Psychologischen Beratungszentrums. In der Regel beträgt die Wartezeit für einen Termin bei der Beratungsstelle rund sechs Wochen. Derzeit kann sie länger sein.

Info Die "Psychologische Beratungsstelle für Ehe, Familien und Lebensfragen" war 1979 gegründet und 1993 mit der bereits 1952 ins Leben gerufenen "Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche" zusammengelegt worden. Die Mitarbeiter des Psychologischen Beratungszentrums im Wilhelm-Busch-Weg 5 in Göppingen hat im vergangenen Jahr 850 Beratungsfälle bearbeitet. Es ist unter Telefon: (07161) 202-294 oder pb@landkreis-goeppingen.de erreichbar. Weitere Infos www.landkreis-goeppingen.de

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