Den Wahnsinn aufhalten

Fast hätte Georg Elser mit seinem Attentat auf Hitler die Welt verändert. Wer war dieser Mann? Ein sehenswerter Film nähert sich der Frage an.

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"Wenn der Mensch nicht frei ist, stirbt alles ab", sagt Georg Elser. In seinem schwäbischen Heimatdorf Königsbronn kann er in den 1930er Jahren beobachten, wie alles abstirbt, weil die Freiheit schwindet. Elser sieht die Propaganda der Nazis, die Kriegsvorbereitungen, die Brutalität, und er fasst einen Entschluss. Denn: "Irgendeiner muss den Wahnsinn doch aufhalten."

13 Minuten fehlen ihm schließlich, um die Welt zu verändern, als er am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller eine selbst gebaute Bombe explodieren lässt, die Hitler töten soll.

Wer war dieser Georg Elser, der nach der missglückten Tat verhaftet, verhört, gefoltert und kurz vor Kriegsende hingerichtet wurde? Der nach 1945 verkannt, ja geschmäht, bestenfalls als Sonderling geschildert wurde?

Oliver Hirschbiegels Film "Elser" zeigt - erzählt wird in Rückblenden aus den Verhörszenen heraus - einen Freigeist, der zunächst nicht wirklich politisch interessiert ist. Er ist handwerklich geschickt, lebenslustig, einfühlsam, später unbeirrbar und zur letzten Konsequenz bereit; in allen Phasen wird er glaubwürdig verkörpert von Christian Friedel. Dabei nimmt Elsers Liebesgeschichte mit der verheirateten Elsa (anrührend: Katharina Schüttler) viel Raum ein, aber dies wirkt nicht wie eine aufgesetzte Kino-Konvention, sondern bringt Elser dem Zuschauer noch näher. Und das alles zeigt, welchen Preis er letztlich zu zahlen bereit war.

Dank des aufwendig recherchierten Drehbuchs von Fred und Léonie-Claire Breinersdorfer und Hirschbiegels Regie (sein erster deutscher Film seit "Der Untergang") ist "Elser" aber mehr als ein Porträt: nämlich eine Zeit- und Milieustudie. Detailreich schildert der Film, wie der Faschismus auch in den Dörfern Einzug hielt und die Menschen in Besitz nahm. Und er macht deutlich, dass nach 1945 geäußerte Entschuldigungen wie "Wir haben nichts gewusst" und "Wir haben nichts tun können" so nicht unbedingt glaubwürdig waren. Georg Elsers Tun beweist das. Der Film setzt ihm nun ein würdiges Denkmal.Info Deutschland 2014, 110 Min., FSK 12

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