Den Verlust der Tochter vertont

Zwei Chöre und zwei Pianistinnen sorgten am Sonntag in der Stadtkirche Göppingen für einen qualitativ hochstehenden sommerlichen Konzertabend.

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Der Göppinger Kammerchor bot in der Stadtkirche einen geschlossenen Chorklang und ging engagiert auf die interpretatorischen Vorgaben seines Dirigenten Fabian Wöhrle ein.  Foto: 

Zu seinem Sommernachtkonzert, das am frühen Sonntagabend in der Stadtkirche stattfand, hatte der Göppinger Kammerchor als weitere Mitwirkende das Vokalensemble der Jugendmusikschule Göppingen sowie die Pianistinnen Maria Gorn und Ulrike Gottlebe-Ebert eingeladen.

Dies erwies sich als eine geglückte Kombination, denn die Ausführenden sorgten - solistisch, in kleiner oder größerer Formation - für ein abwechslungsreiches Hörvergnügen auf hohem Niveau.

Deutsche und fremdsprachige Volkslieder, Kompositionen aus Tschechien, Ländler vom Luzernsee und Dichtungen aus dem "Weltpoetischen Liederbuch Polydora" des 1800 in Nürnberg geborenen Georg Friedrich Daumer sorgten für ein relativ breit gefächertes Programm.

Das Vokalensemble der Jugendmusikschule Göppingen machte den Anfang mit sechs Frauenchören von Johannes Brahms. Die sieben jungen Damen zeigten allesamt feine Stimmen, sowohl die strahlenden Soprane als auch die profunden Alte, die sich zu einem höchst geschlossenen, gelegentlich auch dreistimmigen Chorklang vereinten. Dazu kamen Intonationssicherheit im A-cappella-Vortrag und konzentriertes Mitgehen mit dem Dirigat ihrer Leiterin Pia Schäfer-Mayer. Dass diese erfahrene Sängerin den Mädchen viel Musikalisches und Interpretatorisches beigebracht hat, war bei diesem Auftritt deutlich zu hören.

Die Sängerzahl erhöhte sich auf 25, als der Göppinger Kammerchor das Podest einnahm und bei "Klänge aus Mähren" aus op. 29 und op. 32 von Antonin Dvorák zunächst von Ulrike Gottlebe-Ebert und dann von Maria Gorn begleitet wurde. Erneut wurde ein geschlossener Chorklang hörbar mit engagiertem Eingehen auf die interpretatorischen Vorgaben des Dirigenten Fabian Wöhrle. Dieser hatte seinen Chor ebenfalls bestens vorbereitet und führte ihn schwungvoll und mit großem Körpereinsatz.

Zwischen den fünf Liedern spielten die Pianistinnen je zwei Stücke von Bohuslav Martin und Leo Janácek, eine Art Programmmusik, wobei die Letzteren mit ihrem autobiografischen Bezug - Verlust der Tochter - sehr anrührend wirkten.

Mit je drei Volksliedern aus der Renaissance und aus dem 20. Jahrhundert verströmten Pia Schäfer-Mayer und ihre Mädchen weiteren Wohlklang, ehe der Kammerchor sich der Romantik widmete. In Teilen aus den "Liebesliederwalzern" op. 52 von Johannes Brahms nach Texten von Daumer erzählten die Choristen von freudigen Gefühlen, warnten aber auch vor Tücken, denn "Ein dunkeler Schacht ist Liebe, ein gar zu gefährlicher Bronnen". Fabian Wöhrle sorgte für agogisches und dynamisches Gestalten, während Ulrike Gottlebe-Ebert und Maria Gorn vierhändig ein zuverlässiges Begleitpaar bildeten. Nur ein marginaler Einwand: An einigen Pianostellen des Chores hätten sich auch die Spielerinnen stärker zurücknehmen müssen.

Ebenfalls im Dreivierteltakt erklangen zwischen den Liedgruppen kurze Ländler des Schweizer Komponisten und Brahms-Zeitgenossen Hans Huber.

Am Ende verabschiedeten die enthusiasmierten Zuhörer die Ausführenden mit reichem Beifall.

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